Nachhaltiges Ehningen Wo Schafwolle zum Dünger wird
Der Bauhof der Gemeinde Ehningen nutzt jede Kooperation, um Kosten zu sparen und der Umwelt etwas Gutes zu tun und ist so auf bestem Weg zu einer lokalen Kreislaufwirtschaft.
Der Bauhof der Gemeinde Ehningen nutzt jede Kooperation, um Kosten zu sparen und der Umwelt etwas Gutes zu tun und ist so auf bestem Weg zu einer lokalen Kreislaufwirtschaft.
Ehningen - Die grünen Presslinge sehen aus wie Kaninchenfutter. Sie würden den possierlichen Nagern allerdings schlecht bekommen. „Das ist Schafwolle und bestes Düngemittel für unsere Grünflächen“, sagt Rüdiger Seifert. Der Techniker im Bauhof der Gemeinde Ehningen strahlt dabei. Schließlich ist dies ein weiterer Baustein zu einer lokalen Kreislaufwirtschaft, die auf Nachhaltigkeit und Artenreichtum setzt.
Der 54-Jährige ist seit dem Jahr 2000 unter anderem zuständig für die kommunalen Grünflächen. Seither hat sich vieles verändert auch und gerade aufgrund des Sparzwangs. „Immer mehr Flächen müssen von immer weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gepflegt werden. Dabei soll dies immer naturnäher bewerkstelligt werden“, bringt der Bauhof-Techniker, der auch schon mal Pläne für Grünflächengestaltungen zeichnet, die Anforderungen auf den Punkt.
Not macht eben erfinderisch, weiß Seifert und wenn dann für alle Beteiligte nur Gutes dabei herauskommt, umso besser. Die Schafwollpellets seien bestes Beispiel. Denn mit dem Verkauf der Wolle als Düngemittel in Pelletsform verdiene der Schafhalter Joachim Kern von der Herdstelle mittlerweile mehr als wenn das Naturprodukt Menschen kleiden würde. Zum Festpreis nimmt die Gemeinde dem Ehninger Schafhalter ungefähr die Menge ab, die durch die Abweidung kommunaler Flächen den Tieren erwächst. Die ersten 150 Kilo des Schafwolldüngers sind im Bauhof jüngst eingetroffen. „Mehr Kreislauf geht nicht“, freut sich Seifert.
Während die Schafe derzeit im Maurener Tal als ökologische Rasenmäher 3.0 für die Gemeinde im Dienst sind, kauen die Rindviecher im Stall der Familie Irschig brav das Grünfutter von kommunalen Flächen. „Wir haben uns eigens Balkenmäher angeschafft, damit die Flächen seltener und auch insektenschonender gepflegt werden können“, kommt Seifert auf die Teilnahme am landesweiten NABU-Projekt „Natur nah dran“ zu sprechen. Durch das Abräumen der Flächen und die Nutzung des Grünschnitts als Futter werde zudem Geld gespart, weil es keine Kompostierung oder Entsorgung mit horrenden Kosten mehr braucht. Das lokal produzierte Fleisch mit Futter von hier ist somit ein weiteres Vorzeigeprojekt des kommunalen Bauhofs in Sachen Kreislaufwirtschaft.
Früher brauchte es in Ehningen auch einen Häckselplatz fürs Schnittgut. Und das eingesammelte Laub ging im Herbst für teures Geld in den Container zur Entsorgung. „Landwirt Stefan Tafel nimmt heute alles ab, kompostiert es und bringt das Material auf seine Ackerflächen aus“, nennt Seifert einen weiteren Kooperationspartner. Die Kreislaufwirtschaft ist für den Bauhof-Techniker aber nur eine Seite der Medaille in seinem Streben nach einer naturnaher Grünpflege. Denn die Tiere produzieren nicht nur Fleisch und Wolle, sondern seien auch wichtige Botschafter in der Umweltpädagogik. So dürfen die Schafe bald in der Nähe des Naturkindergartens unter alten Streuobstbäumen in Gesellschaft der Kinder und eines Esels das Gras kurz halten, kündigt Seifert ein weiteres Projekt an. Diesmal ist das Plenum Heckengäu Projektpartner, das auch Naturpädagogen für entsprechende Aktionen abstellt, beispielsweise für herbstliches Apfelsaftpressen. Sollte auch diese Projektidee auf fruchtbaren Boden fallen, dürfte sich Ehningen bald mit dem Titel der „Naturgemeinde“ schmücken.
Auch andere Baustellen kommen nicht zu kurz, etwa die Spielpätze in Ehningen. Zusammen mit der Jugendsozialarbeit werden Ideen für die Neugestaltung der Spielplätze erarbeitet, damit der Gemeinderat in seiner Dezembersitzung dem Nachwuchs etwas unter den Weihnachtbaum legen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was ist Kreislaufwirtschaft?
Wegwerfgesellschaft
Mit Arbeitsteilung, Industrialisierung und Handel setzte sich die Linearwirtschaft durch. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach nur kurzer Nutzungszeit weggeworfen mit den bekannten Folgen für Mensch und Umwelt.
Nachhaltigkeit
In der Abfallwirtschaft wird in Kreisläufen gedacht. Kreislaufwirtschaftsgesetze postulieren ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen verringert werden. (wei)