Nachhaltigkeit im Kreis Ludwigsburg Esskastanien und Mehlbeeren für den Wald von morgen gepflanzt

Kinder setzen kleine, blätterlose Stämmchen in das Pflanzloch im Waldboden. Foto: Werner Kuhnle

Das Interesse am Waldtag im Hardtwald ist riesig gewesen. An vielen Stationen wurde der Klimawandel anschaulich gemacht.

Sophie, David und Tim sind mit Feuereifer bei der Sache: Sie setzen das nur wenige Zentimeter hohe, blätterlose Stämmchen in das Pflanzloch im Waldboden. „Darf ich euch helfen?“, fragt Wolfgang Braun, Mitarbeiter der Forstverwaltung im Hardtwald. Er weist die Geschwister ein: „Noch ein bisschen tiefer.  .  . So, und nun die Erde gleichmäßig verteilen.“ Zum Schluss kommt die Gießkanne zum Einsatz, damit aus dem Winzling eine stattliche Esskastanie werden kann.

 

Kinder pflanzen Bäume, aber nicht nur sie. Der Walderlebnistag, mit Stationen an einem Rundweg um die Kaisersberghütte, zieht am Sonntag etliche Besucher in den frühlingsgrünen Hardtwald. Noch vor Mittag sind viele Familien unterwegs, aber auch Erwachsene ohne Nachwuchs.

Landrat Dietmar Allgaier (Dritter von links hinten) und Vertreter der Kommunen und der Politik haben angepackt. Foto: Werner Kuhnle

Der Tag ist einem ernsten Thema gewidmet. Das Motto lautet „Wald erleben, Wald verstehen – Unser Wald im (Klima) Wandel.“ Der Fachbereich Wald des Landratsamtes und die Forstbetriebsgemeinschaft Hardtwald haben ihn organisiert und die neun Mitmachstationen für Kinder aufgebaut.

Zum Auftakt greifen Landrat Dietmar Allgaier und prominente Vertreter der beteiligten Kommunen selbst zu Spaten und Pflanzschaufel. Auf einer kahlen Fläche, auf der Fichten im großen Maßstab dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, werden 500 neue Bäume gepflanzt. Allgaier setzt eine Mehlbeere, den „Baum des Jahres“. Sie wird zwar nicht sehr groß, so Simon Boden, Leiter des Fachbereichs Wald, gehört aber zu den Bäumen, die mit Trockenheit zurechtkommen.

Die Aufforstung mit robusten Arten schreite voran, betont Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter. „In den vergangenen Monaten haben wir hier 5000 Bäume gepflanzt.“ Allgaier unterstreicht die Bedeutung des Waldes für die Menschen. Die Corona-Zeit habe deutlich gemacht, wie wertvoll die Natur vor der Haustür sei. Der Wald müsse wieder stärker in den Blick genommen werden, gerade im Landkreis Ludwigsburg, der mit nur 18 Prozent Forstanteil zu den waldärmsten überhaupt gehört.

Der Wald ist durch die Dürrejahre schwer geschädigt, weiß Boden. „Eigentlich brauchen wir fünf wettermäßig schlechte Jahre“ – mit viel Regen. Zur Pflanzaktion stehen 300 Esskastanien und 200 Roteichen bereit, ebenso einzelne Mehlbeeren. Alles Arten, die Hitze und Trockenheit besser ertragen.

Müll im Wald

Stefan Kegreiß, Erster Beigeordneter aus Freiberg, hat seine Söhne Maximilian und Florian mit in den Wald genommen. Der siebenjährige Maximilian schaufelt mit Hingabe an seiner kleinen Kastanie. „Das macht Spaß“, sagt er.

Viel Spaß haben die Kinder auch an anderen Stationen. Zum Beispiel an der Station „Unliebsame Waldbesucher“. Gemeint sind Plastiktüten, Glasflaschen, Getränkedosen. Auf die unerwünschten Hinterlassenschaften, auf Holztafeln befestigt, können die Kleinen mittels einer Schleuder Tannenzapfen abfeuern. Und nebenbei lernen, wie erschreckend lange dieser Müll in der freien Natur verbleiben kann. Glasflaschen bis zu 4000 Jahre, Plastikteile geschätzt sogar noch länger.

Infos gibt es aber auch für Erwachsene. Etwa an der Station „Klimawandel-Waldwandel“. Steffen Frank, Förster in Heimerdingen, zeigt eine Anpflanzung von Zedern. Eine Schautafel macht deutlich, dass die steigenden Temperaturen altvertrauten heimischen Arten die Luft abschnüren. Die Fichte ist schon am Ende ihres Temperaturfensters angelangt, die Buche nicht mehr weit davon entfernt. Optimismus? „Wir pflanzen neu und müssen beobachten. Die Natur kann sich vielleicht auch anpassen.“

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