Ins Shoppingfieber verfällt Mona Jeuk so gut wie nicht. Zumindest was neue Kleidung angeht. Ihr Schrank ist vor allem gefüllt mit ausgebesserten Kleidungsstücken. Ein Pulli mit Mottenloch, oder eine aufgeribbelte Jeanshose landen bei der 57-Jährigen nicht im Mülleimer. Und wenn die Freibergerin sich etwas Neues kauft, dann legt sie Wert auf das GOTS-Label. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist seit 2006 ein weltweiter Standard für die Herstellung von Textilien, die aus Naturfasern mit biologischer Herkunft gefertigt werden – Umwelt- und Sozialkriterien spielen hierbei eine Rolle.
Bereits vor der Coronapandemie begann Jeuk, sich mit dem Thema Fairtrade zu beschäftigen. „Die Stadt Freiberg ist noch keine Fairtrade-Stadt, aber es gibt eine Steuerungsgruppe“, erzählt sie. 2022 hat das Mitglied der Initiative Bürger für Bürger sowie der örtlichen Fairtrade-Gruppe im Rahmen des Freiberger Bürgertags den Nachhaltigkeitspreis der Stadt verliehen bekommen – für ihr „umfangreiches Wirken und ihren außergewöhnlichen Einsatz für nachhaltige Mode und mehr Nachhaltigkeit im Alltagsleben“.
Ein Projekt der Initiative Bürger für Bürger ist die Kittelflickerei, die Jeuk ins Leben gerufen hat. Im Bürgertreff haben die derzeit fünf Frauen einen Raum, in dem sie sich zwei Mal im Monat treffen. „In unserer Textil-Reparaturwerkstatt geben wir kostenlos Hilfe und finden meist auch kreative Lösungen für Probleme“, erzählt sie. Beim letzten Mal sei eine Frau mit einem Mottenloch im Wollpulli gekommen, oft würden auch ausgeleierte Gummis in Kleidungsstücken ersetzt oder offene Nähte wieder geschlossen.
Die Textilwirtschaft verantworte einen Löwenanteil am CO2-Ausstoß, moniert Jeuk. Darüber hinaus steckten in Textilien – egal ob in Kleidung oder Stoffen – viel Arbeit und nicht selten auch Leid. Doch nachhaltige Kleidung einzukaufen sei eine Herausforderung, sagt Jeuk. Und nachhaltige Stoffe und Kurzwaren zu bekommen, sei beinahe unmöglich: „Das Angebot ist extrem rar.“ Gleichzeitig würden so einige Schränke und Nähzimmer überquellen. „Einkaufen geht so viel schneller als die Einkäufe zu verarbeiten. Und Handarbeiten in Zeiten von Überfluss ist leider eng mit Konsum und Verschwendung verknüpft.“
Ressourcen wertschätzen
Am vergangenen Samstag fand daher in Freiberg bereits zum vierten Mal ein Altstoff-Flohmarkt statt. Zum zweiten Mal in der Stadthalle, da der Platz im Bürgertreff zu eng wurde. „Im Oktober waren wir im Foyer, dieses Mal sogar in der Halle“, freut sich Jeuk über die Resonanz. Stoffe, Knöpfe, Fäden, Bücher – und vor allem auch Tipps gab es zuhauf. Mona Jeuk ist zufrieden. Gerade weil das Konzept neu sei, habe der Flohmarkt auch symbolischen Charakter: „Er ist unser Statement für mehr Wertschätzung für vorhandene Ressourcen, bewussteren Konsum und Kreislaufwirtschaft.“