Nachkriegsbilder Graue Jahre in Stuttgart

Advent nach dem  Krieg:  verschneite Krippe  vor der Ruine des Neuen Schlosses Foto: Karl Weber 5 Bilder
Advent nach dem Krieg: verschneite Krippe vor der Ruine des Neuen Schlosses Foto: Karl Weber

Zwischen 1946 und 1958 hat der Hobbyfotograf Karl Weber seine Heimatstadt mit einer Kleinbildkamera eingefangen. Die düsteren Aufnahmen erinnern an eine Zeit, in der die Menschen nach neuen Perspektiven suchten.

Reportage: Frank Buchmeier (buc)

Stuttgart - Karl Weber war ein schweigsamer Mann – wer weiß, was er zu Kriegszeiten erlebt hatte. Am liebsten spazierte er in aller Herrgottsfrühe durch die noch menschenleere Stadt und bannte auf eine Kleinbildpatrone, was die Bomben von Stuttgart übrig gelassen hatten. „Weber hat die lähmende Trostlosigkeit der Nachkriegsjahre meisterhaft eingefangen“, sagt Walter Fuhrmann.

Fuhrmann, Internist im Ruhestand, lernte den ambitionierten Hobbyfotografen Karl Weber 1979 kennen, als er gerade seine Hausarztpraxis in Heumaden eröffnet hatte. Der betagte Patient wohnte seinerzeit mit seiner Frau Else in einem Hochhaus, Paprikastraße 28a. Das Ehepaar war kinderlos. An viel mehr kann sich Fuhrmann nicht erinnern – außer, dass Karl Weber 1982 starb und etwas später dessen Witwe mit einer beigen Mappe vor ihm stand und sagte: „Ich möchte Ihnen Fotos schenken, die mein Mann gemacht hat.“

Reise in die Vergangenheit

So kam der Hausarzt, Jahrgang 1944, an jene Schwarz-Weiß-Aufnahmen, entstanden im winterlichen Stuttgart zwischen 1946 und 1958, die Erinnerungen an seine eigene Kindheit wachriefen. Wie er als Bub mit seiner Mutter durch die Eberhardstraße schlenderte, wo inmitten von Ruinen wieder provisorisch Geschäfte eröffnet hatten. Das Wohn- und Geschäftshaus Reinsburgstraße 2, in dem seine Großmutter ein „Atelier für feine Damenmode“ betrieben hatte, lag noch in Trümmern. Ein Stück weiter, Ecke Marienstraße, war eine kleine Grünfläche mit einer Bank und einem Brunnen. Heute befindet sich dort ein Reifenservice. „Das Ziel, eine autogerechte Stadt zu erschaffen, hat Stuttgart viel von seiner Schönheit beraubt“, sagt Walter Fuhrmann.

Der Mediziner Fuhrmann hütet die Fotos, die ihm sein wortkarger Patient hinterlassen hat, seit 38 Jahren wie einen Schatz. Er teilt ihn gerne mit allen, denen der Blick zurück hilft, die gegenwärtigen Probleme in einem größeren Zusammenhang zu sehen.




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