Stephen Hawking galt als Popstar der Physik. Das Auktionshaus Christie’s hat nun einige persönliche Gegenstände des Briten versteigert. Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen.

London - Der erste erhaltene Rollstuhl des im März verstorbenen Ausnahmephysikers Stephen Hawking ist seit Donnerstagabend eines der wertvollsten Vehikel der Welt. Das motorisierte Modell (Hersteller: BEC Mobility, Seriennummer: 440609), das Hawking in den frühen 90er Jahren verwendete, brachte bei einer Online-Versteigerung 296 750 Pfund ein (umgerechnet 341 000 Euro), wie das Auktionshaus Christie’s am Donnerstag in London mitteilte. Gerechnet hatten die Organisatoren mit maximal 10 000 bis 15 000 Pfund.

Hawkings Doktorarbeit aus dem Jahr 1965, in der er die Ursprünge des Universums erörtert, übertraf ebenfalls alle Erwartungen: Der Hammer fiel bei 584 750 Pfund (671 457 Euro), das war etwa das Dreifache der ursprünglichen Schätzung. Seine Bomberjacke – Größe M – fand für fast 46 000 Euro einen neuen Besitzer. Mehrere Medaillen und Preise Hawkings erzielten knapp 340 000 Euro.

Mediziner hatten 1964 bei Hawking Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) festgestellt und ihm eröffnet, dass er nur noch wenige Jahre leben werde. Die Krankheit, die das Nervensystem zerstört, zwang ihn zwar in den Rollstuhl, doch Hawking lebte noch mehr als ein halbes Jahrhundert. Seine ruppige und bisweilen rücksichtslose Fahrweise war legendär auf den Fluren der Universität von Cambridge.

Menschen, die er nicht mochte, überrollte Hawking einfach

Menschen, die er nervtötend fand, fuhr er gerne mal über die Zehen. Das musste 1977 auch Prinz Charles während eines Treffens mit Hawking schmerzhaft erfahren. „Der Prinz war so fasziniert von Hawkings Rollstuhl — und Hawking, der zeigen wollte, was der so kann, ist ein paar Mal um ihn herumgefahren und dabei hemmungslos auch über dessen royale Zehen gerollt“, schreibt Kitty Ferguson in der 2012 erschienenen Biografie „Stephen Hawking: An Unfettered Mind“. Darauf angesprochen erklärte er: „Ein bösartiges Gerücht. Ich werde jeden überfahren, der das behauptet.“ Es heißt, Hawking habe es sehr bedauert, dass er niemals der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher über die Zehen gerollt sei.

Der Erlös der Versteigerung geht an die Hawking-Stiftung und an die Motor Neurone Disease Association, eine Organisation zur Erforschung von ALS. Im Rahmen der Online-Auktion „Auf den Schultern von Riesen“ hatte Christie’s auch Memorabilia von Albert Einstein, Isaac Newton und Charles Darwin versteigert. Dabei wurde ein Gesamterlös von rund 2,1 Millionen Euro erzielt.