Nachnutzung für Areal in Süd Bürger haben viele Wünsche für Stala-Gelände

Von Petra Mostbacher-Dix 

Die Initiative Solidarische Nachbarschaft Schoettle-Areal hat zur Tagung über die Zukunft des Statistischen Landesamts ins Gerationenhaus Heslach eingeladen. Dabei wurden Ideen für die künftige Nutzung des Geländes gesammelt.

Auf den Stellwänden notieren die Teilnehmer Ideen für die Gestaltung des Stala-Areals. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Auf den Stellwänden notieren die Teilnehmer Ideen für die Gestaltung des Stala-Areals. Foto: Petra Mostbacher-Dix

S-Süd - Schnell füllt sich das Papierband auf den Stellwänden im Garten des Generationenhauses Heslach. Um Kitas- und Pflegeplätze geht es da, Frauenhäuser, Räume für nachbarschaftliche Begegnungen, kulturelle und politische Veranstaltungen, ein unkommerzielles Fitnessstudio. Wohnen dürfe „keine Frage des Einkommens“ sein, Vielfalt müsse zugelassen werden. Ein „kreativer Schwabe“ will einen Grund, um „nicht weiter Berlin gentrifizieren zu müssen“. Alles Wünsche für das Stala, das Statistische Landesamt Baden-Württemberg an der Böblinger Straße, das im Jahr 2023 vom Stuttgarter Süden gen Fellbach ziehen soll.

Initiative statt Investoren

Zusammengetragen wurden sie auf der Tagung „Räume erobern! Solidarische Nachbarschaft am Schoettle-Areal und darüber hinaus“, die die Initiative Solidarische Nachbarschaft Schoettle-Areal veranstaltete, unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg. 50 durften kommen, auf Abstand, andere schalteten die Liveübertragung ein. „Wir wollen nicht mehr hinnehmen, dass große Flächen an Investoren gehen, die nur profitorientiert handeln“, so Architekt Tommi Fadini. Momentan habe die Initiative zwölf Leute aus Architektur, Kunst, Kultur, Politik und anderen Berufen. Darunter Sabine Vogel, Bezirksbeirätin Stuttgart-Süd und Verdi-Gewerkschaftssekretärin, die die Fakten erläuterte. „Das Stala hat rund 5000 Quadratmeter, die Gesamtfläche mit Unigelände beträgt insgesamt 15000 Quadratmeter. Das birgt großes Potenzial.“ Seit 2018 wisse die Stadt von Freiwerden des Landesareals, nun stünden Gespräche an.

Denn: Die grüne Landtagspräsidentin Muhterem Aras hatte als Abgeordnete für die Stuttgarter Innenstadtbezirke dem Finanzministerium vorgeschlagen, das Land möge – statt im Bieterverfahren – das Grundstück verbilligt direkt an die Stadt abgeben. Und da das Land Bereitschaft signalisierte, will die Initiative nicht erst „hinterher partizipieren“, sondern vorher mitgestalten.

Gute Beispiele von anderswo

Knackpunkte schilderten Marco Trotta und Matthias Knödler vom Künstlerverein Contain’t in „Erfolgreich Scheitern in Stuttgart“. Zehn Jahre Zwischenraumnutzung hätten gezeigt, dass es viel Bereitschaft gebe, aber oft jemand fehle, „der sagt, das machen wir jetzt“. Im Stala können sie sich eine Kunst- und Kulturetage vorstellen, nach dem Initiativen-Motto „Gekommen, um zu bleiben!“

Im Modellprojekt Haus der Statistik Berlin passiert das schon, wie – online zugeschaltet – Leona Lynen von „ZUsammenKUNFT eG – Genossenschaft für Stadtentwicklung“ (ZKB) beschrieb. Dessen 50 000 Quadratmeter standen seit 2008 leer, nun entstehen günstiger Wohnraum, Büros, Höfe für gemeinschaftliche Nutzung und Begegnung, „Experimentierhäuser“ für wechselnde Nutzungen – etwa Ateliers und eine Recycling-Werkstatt –, Gemeinschaftsterrassen. Dank Ideen der Bürgerschaft und der ZKB, zuvor Initiative Haus der Statistik. Sie bildete die „Entwicklerin“ Koop 5: mit Stadtentwicklung und Wohnen, Bezirksamt Mitte, Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte und Berliner Immobilienmanagement.

In Tübingen hat die Initiative Neustart solidarisch wohnen + leben nun eine Genossenschaft gegründet, um das Marienburger Areal zu bebauen. Dabei: Carola Kochner, die schon im französischen Viertel Teil einer Baugemeinschaft war. „Tolle Erfahrung, aber die Vielfalt fehlt, die Bewohnerschaft ist weiß, akademisch geprägt.“ Daher engagiert sie sich im Neustartprojekt nach Schweizer Beispiel, wo sich Wohnen, ökologisches Versorgen, Arbeiten, Erholen und Vergnügen, Privatsphäre und Gemeinschaft, Kultur des Teilens träfen.

Finanziert werden könne derlei, so Paul von Pokrzywnicki vom Linken Zentrums Lilo Herrmann, per „Mietshäusersyndikat“. Als Gesellschafterin in einem Hausverein habe sie Vetorecht beim Hausverkauf. „Das Haus wird auf Dauer dem Immobilienmarkt und der Spekulation entzogen.“ Auch Formen des Grundbesitzes wie Erbpacht seien vorstellbar. Viele Ideen, über die am 12. November auf dem nächsten Treffen der Initiative weiter gesprochen wird.




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