Nachruf auf Eugen Klunzinger Trauer um einen „blitzgescheiten“ Kopf

Eugen Klunzinger (r.) im Jahr 2005 mit dem damaligen Bundestagsabgeordneten Clemens Binninger. Foto: Archiv

Der CDU-Politiker Eugen Klunzinger ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war nicht nur ein politisches Original, sondern Rechtsgelehrter, Rhetoriker – und Musiker.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Eugen Klunzinger ist tot. Diese prägende Figur der CDU im Kreis Böblingen ist vielen noch in leibhaftiger Erinnerung: Im Landtag vertrat er von 1979 bis 2006 sage und schreibe 27 Jahre lang den Landkreis Böblingen. Die krumme Zahl ergibt sich durch die Änderung der Wahlperioden von vier auf fünf Jahre anno 1996 – und durch die Tatsache, dass Klunzinger 1979 für Arthur Gruber in den Landtag nachrückte. Insgesamt sechs Mal wählten ihn die Bürger mit satten Mehrheiten direkt in das Landesparlament.

 

Eugen Klunzinger ist das Kind einer Böblinger Bäckersfamilie, die ihren Betrieb an der Ecke Klaffenstein- und Pestalozzistraße hatte. Exakt dort, wo sein Parteifreund Helmut Baur später mit der ersten Filiale 1975 den Grundstein für Binder Optik legte – heute einem der größten Optik-Filialisten in Deutschland. „Klunzinger hat seine Wurzeln im Handwerk nie vergessen und war Böblingen stets eng verbunden“, sagt Wolfgang Heubach. Der ehemalige CDU-Kreisvorsitzende war enger Weggefährte und persönlicher Freund Klunzingers.

Beide besuchten sie das Sindelfinger Goldberg-Gymnasium, nach dem Klunzinger sich der Rechtswissenschaft zuwandte, in der er promovierte, habilitierte und später den Lehrstuhl für bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht an der Universität Tübingen innehatte. Er verfasste Standardwerke zum Zivilrecht und hatte darüber hinaus noch einen Lehrauftrag an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Stuttgart. Seine politische Karriere begann zunächst in den Reihen der Freien Wähler im Böblinger Gemeinderat, bevor er sich der CDU zuwandte.

Stets am Steuer einer S-Klasse

Sein Wirken als Abgeordneter fiel in eine Zeit der außerordentlichen wirtschaftlichen Prosperität. Er selbst prägte das Zitat „Jede zweite Mark im Landkreis Böblingen wird mit dem Export verdient“, was zu den Glanzzeiten von Mercedes und Porsche sicher nah an der Wahrheit war. Dass Klunzinger stets am Steuer einer S-Klasse saß, war Ausdruck dieses schwäbischen Wohlstands. Wenngleich er aufgrund seiner Körpergröße von 1,58 Meter am Volant nicht immer sofort auszumachen war.

Klunzinger (2.v.l.) im Kreis von CDU-Weggefährten Foto: Archiv

Über viele Jahre hinweg leitete Klunzinger den Ausschuss für Wissenschaft und Forschung im Landtag und setzte sich mit Nachdruck für die Belange des Wissenschaftsstandorts Baden-Württemberg ein. Gemeinsam mit dem damaligen Landrat Reiner Heeb hegte er den Traum einer Universitätsansiedlung im Landkreis, der allerdings nie in Erfüllung ging. Als Vorsitzender der Enquete-Kommission führte er die Fusion von SDR und SWF zum heutigen SWR. „Zu Recht hat der Bundespräsident seine herausragende Leistung mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse gewürdigt“, sagt Landrat Roland Bernhard.

Auch wenn Klunzinger ein renommierter Rechtsgelehrter und Politiker war – persönlich ist er vor allem durch seine musischen Qualitäten in Erinnerung. In den 1950er Jahren betrieb er mit seiner ersten Frau Christine einen Jazzclub im Sindelfinger Gasthof Hirsch, an der Universität Tübingen war er Schlagzeuger der Gelehrten-Band „Swing Daddies“. Ein CDU-Parteifreund erzählt begeistert, wie sich Klunzinger spontan an den Flügel setzen und stundenlang spielen konnte. Sein musisches Talent war auch ein sprachliches: Schwäbisch-knitz trug er etwa Beiträge auf dem politischen Aschermittwoch der CDU in Gäufelden immer in Reimform vor, die stets mit der Formel endeten: Ihr Klunzinger, Eugenius.

Jazzmusiker aus Leidenschaft

Nie um schlagfertigen Spruch verlegen

„Ein blitzgescheiter Kopf, der nie um einen Spruch verlegen war: humorvoll und schlagfertig“, erinnert sich Wolfgang Heubach. In der Tat spuckt das Bildarchiv unserer Zeitung fast nur Bilder aus, die einen überaus heiteren Klunzinger zeigen, bierernst sah man ihn selten dreinschauen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag machte er sich in der Öffentlichkeit allerdings rar

Eugen Klunzinger verstarb am 29. August im Alter von 86 Jahren in Fulda, die Beerdigung an seinem letzten Wohnort in Stuttgart fand bereits im Familienkreis statt.

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