Nachruf auf Fritz Schwegler Kunst fürs Trafohäuschen

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Fritz Schwegler hat in Düsseldorf gelehrt, in den Kunstmetropolen ausgestellt und in Eislingen Kreisverkehre mit Skulpturen bestückt. Seinen ureigenen Kunstkosmos hinterlässt er aber seinem Heimatdorf Breech.

Fritz Schwegler ist gestorben. Foto: Horst Rudel
Fritz Schwegler ist gestorben. Foto: Horst Rudel

Börtlingen - Die Einfälle mit den Nummern 4675, 6535 und 7737 haben noch einmal richtig für Aufmerksamkeit gesorgt. Die drei Bronzeskulpturen platzierte Fritz Schwegler vor zweieinhalb Jahren auftragsgemäß auf einer Eislinger Kreisverkehrsinsel. Doch obwohl der Bildhauer lange Zeit intensiven Kontakt mit Joseph Beuys pflegte, war es nicht die künstlerische Provokation, die die Gemüter bewegte. Vielmehr waren die Skulpturen teurer geworden als von Eislingens Finanzdezernenten Herbert Fitterling zunächst angegeben. Der hätte fast seinen Job verloren, und auch für Schwegler war die Affäre wohl ein Ärgernis. Am Dienstag ist der ehemalige Professor der Kunstakademie Düsseldorf in seinem Heimatort Breech bei Börtlingen nach längerer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben.

Vom Schreiner zum Künstler

Schwegler gehöre zu den großen singulären Erscheinungen der internationalen Kunstszene, sagte der Leiter der Göppinger Kunsthalle, Werner Meyer. Er habe nicht nur Zeichnungen, Aquarelle und Plastiken geschaffen, sondern auch Bücher geschrieben. Sogar gesungen hat Schwegler und das deutlich besser und mit weniger verbissenem Ernst als Beuys bei seinem verunglückten Friedenslied „Sonne statt Reagen“. Schwegler, der vor seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart auf Wunsch seines Vaters eine Schreinerlehre absolviert hatte, war ein Freund des hintergründigen Humors.

Bei all seiner Weltläufigkeit sei er seiner Heimat am Fuße der schwäbischen Alb treu geblieben, so Meyer. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2001 zog Schwegler wieder an seinen Geburtsort, wo er über Jahrzehnte seinen ureigenen Kosmos geschaffen hatte. Seine Frau Hildegard Schöneck-Schwegler hatte einen 100 Jahre alten Wasserturm vor dem Abriss gerettet und zum Hort der Kunst ihres Mannes gemacht. Es war der Anfang einer Sammelleidenschaft. Die Schweglers erwarben nach und nach in Breech sowie in den Nachbarorten Börtlingen, Rattenharz und Wäschenbeuren stillgelegte Trafohäuschen und Wassertürme und füllten sie mit Kunst.

Trauer im Heimatdorf

In der Gemeinde Börtlingen, zu der Breech heute gehört, herrsche Trauer über Schweglers Tod, sagte der Bürgermeister Franz Wenka. Viele hätten ihn persönlich gekannt. „Wir haben eine kunstinteressierte Bürgerschaft.“ Er selbst sei mit dem Bildhauer befreundet gewesen, erzählte Wenka. Und obwohl Schwegler durch Metropolen wie London, Paris, New York und Tokyo getourt sei und zweimal an der Documenta in Kassel teilgenommen habe, habe er sich seinen schwäbischen Witz bewahrt.

Bis zum Schluss habe Schwegler, obgleich die Kräfte nachgelassen hätten, künstlerisch gewirkt. „Welchen Schatz er uns in Börtlingen hinterlassen hat, können wir noch gar nicht ermessen“, sagte Wenka. Die Wassertürme und Trafohäuschen seien Teil einer Stiftung, die ihre Sammlung in Börtlingen belassen werde. Die Trauerfeier findet am kommenden Mittwoch, 13 Uhr, in der Börtlinger Johanneskirche statt.




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