Nachruf auf Thomas Züfle Die Stuttgarter Polizei verliert einen guten Chef

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Der am Sonntag tödlich verunglückte Polizeipräsident Thomas Züfle hat in kurzer Zeit viel bewegt. Nicht nur seine Kollegen trauern um einen Ausnahmebeamten, von dem sie sagten: „Der Tom ist ein Guter.“

Thomas Züfle hat Großes geleistet. Foto: dpa 15 Bilder
Thomas Züfle hat Großes geleistet. Foto: dpa

Stuttgart - Polizisten sind hart im Nehmen. Am Montag sind im Polizeipräsidium und in vielen Dienststellen in der Stadt und im Land aber die Tränen geflossen. Die Kollegen weinten um ihren Polizeipräsidenten Thomas Züfle, der für viele von ihnen einfach „der Tom“ war. Er war am Sonntag bei einem Unfall bei Wildberg (Landkreis Calw) ums Leben gekommen, als er von einer Tour mit seinem Motorrad, ein Oldtimer, auf dem Heimweg war. Ein 65-Jähriger Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen. Die Ärzte konnten nichts mehr für den 57-jährigen Züfle tun. Er starb auf der Landstraße. Seine Ehefrau, die hinter ihm gefahren war, musste den Unfall mitansehen. Der Autofahrer blieb unverletzt, die Beifahrerin erlitt schwere Verletzungen. Gegen den Lenker hat die Staatsanwaltschaft nun wegen des Anfangsverdachts auf fahrlässige Tötung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Nur zwei Jahre hatte Thomas Züfle das Amt bekleidet, und in diesen zwei Jahren ist ihm etwas Großes gelungen, was man nicht nur intern, sondern auch in der ganzen Stadt bemerkte: Er hat einen neuen Stil in die Polizei gebracht. Offen, kommunikativ, menschlich, herzlich. So war „der Tom“, und das hat alle angesteckt.

Über den Horizont hinausgeschaut

Damit war Züfle der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle. Er hat die meisten Stuttgarter und ihre Polizei wieder miteinander versöhnt. Und er hat seiner Polizei einen neuen Teamgeist eingehaucht. „Er war in weiten Teilen der Polizei akzeptiert, hatte in der Polizei und in der Stadt hervorragende Netzwerke. Thomas Züfle hat weit über den polizeilichen Horizont hinausgeschaut“, sagt ein enger Freund Züfles, der Landespolizeipräsident Wolf Hammann.

Das Verhältnis zwischen der Polizei und den Bürgern war in den Monaten vor Züfles Amtsantritt zerrüttet gewesen. Unter der Führung des Vorgängers Siegfried Stumpf waren die Beamten in einen unbeherrschbaren Einsatz am 30. September in den Schlossgarten geschickt worden, der als „schwarzer Donnerstag“ mit vielen Verletzten in den Reihen der Stuttgart-21-Gegner und der Polizei in die Geschichte einging. Die Stuttgarter verloren an diesem Tag das Vertrauen in ihre Ordnungshüter, und viele Polizisten fühlten sich von der Politik und ihrem Präsidenten alleingelassen. Als Stumpf im April 2011 offiziell aus gesundheitlichen Gründen den Platz frei machte, dauerte es nur einen Monat, bis der Innenminister Reinhold Gall den Nachfolger Züfle präsentierte. Eine wesentliche Rolle bei der Auswahl spielte der Landespolizeipräsident.

Er ging auf die zu, die ihn beschimpften

„Man muss mit den Leuten reden“, das war Züfles Credo. Das hat er getan, er hat die Begegnungen, gerade auch mit denen, die ihn rückwirkend für den „schwarzen Donnerstag“ mit in Sippenhaft nahmen, nicht gescheut – er hat sie gesucht. Bei den beiden großen Stuttgart-21-Einsätzen, der Absperrung des Südflügels und der Räumung des Schlossgartens, saß Züfle nicht in seinem Büro im vierten Stock des Präsidiums. Er war mittendrin. „Züfle weg!“ und wüstere Beschimpfungen schlugen ihm entgegen. Er ging auf die Schimpfenden zu, und redete, redete, redete. „Er war immer entspannt und gelassen“, sagt Hammann, das habe er bewundert. Wenn montags Stuttgart-21-Gegner zur Demo fuhren, stieg am Pragsattel Thomas Züfle in die Stadtbahn und saß mitten unter ihnen. Die Passagiere staunten, wenn der Mann, dessen Konterfei auf ihren Plakaten prangte, das Abteil betrat. Und gewöhnten sich daran, dass dieser Präsident, den sie mit ihren Rufen wegwünschten, unter ihnen war und diskutierte, egal welche Einstellung sein Gegenüber zur Polizei hatte.

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