Der frühere Grünen-Abgeordnete Willi Halder ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf einen lebensklugen, bescheidenen Streiter mit politischem Gespür und trockenem Humor.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Er war keiner, der im Rampenlicht glänzen wollte. Willi Halder – Buchhändler, Politiker, Zuhörer. Einer, der mit eher leiser Stimme viel bewirkte. Am vergangenen Donnerstag ist der langjährige Gemeinderat, Kreisrat und Grünen-Landtagsabgeordnete aus Winnenden (Rems-Murr-Kreis) im Alter von 67 Jahren gestorben.

 

Sein Tod reißt eine Lücke – nicht nur in die politische Landschaft, sondern auch in viele Herzen. „Er war ein Mensch mit Weitsicht, besonnen, ehrlich und mit Blick auf das Gute“, würdigt ihn Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth (CDU), der den Verstorbenen seit Jahrzehnten kannte.

Politisches Rückgrat: Vom Flugblatt zur Grünen Liste

Halder war ein politischer Mensch mit Rückgrat. Schon 1973, als Jugendlicher im Allgäu, verteilte er Flugblätter gegen den Putsch in Chile. Später gründete er mit seiner Frau die „Buchhandlung Halder“ in Winnenden – und wenig später die Alternative und Grüne Liste (ALI). Der Einstieg in die Kommunalpolitik war die logische Folge. 1992 rückte er in den Gemeinderat nach, fünfmal wurde er im Stadtgremium wiedergewählt.

Willi Halder einst als junger Mann in Irland. Foto: privat

Sein Ton? Klar. Sein Stil? Trocken, mit Ironie gespickt. Seine Haltung? Unverhandelbar. In Haushaltsreden im Gemeinderat und im Kreistag hielt er den Rekord für Kürze – und Pointen.

Brückenbauer der Vernunft: Halders Dialog über Konfessionen hinweg

Willi Halder verstand Politik nicht als Bühne, sondern als Werkstatt. Er setzte auf Vernunft statt Ideologie, auf Dialog statt Lautstärke. Er war ein Brückenbauer – auch zwischen den Konfessionen. Als religionspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag gewann er das Vertrauen von Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen.

„Seine Meinung und sein Sachverstand wurden über alle Fraktionsgrenzen hinweg sehr geschätzt“, betonte Rems-Murr-Landrat Richard Sigel bei Halders Verabschiedung aus dem Kreistag im Sommer 2021.

Verantwortung im Detail: Halders leise, aber wirkungsvolle Rollen

Nicht die große Pose war sein Stil, sondern die Verantwortung im Detail. Als Mitglied zahlreicher Ausschüsse, als Jugendschöffe am Landgericht, als Vertreter im Verwaltungsrat der Kreissparkasse: Halder machte nie viel Aufhebens um seine Rollen.

Ob Kreistag, Landtag oder Gemeinderat: er hatte seine Heimatstadt Winnenden im Blick. „Er hat sich auf allen Ebenen für die Themen eingesetzt, die ihm für ein gutes Zusammenleben der Menschen wichtig waren“, so Holzwarth.

Wer ihn kannte, wusste um seine Liebe zur Literatur, zur Geschichte – und zum Kochen. Acht-Gänge-Menüs bereitete er mit derselben Akribie wie politische Anträge. Albanien war ihm Herzenssache, ebenso die Allgäuer Küche.

Grüner Triumph: Halders Weg ins Landesparlament

2011 zog Willi Halder erstmals in den Landtag ein – mit einem Zweitmandat, möglich gemacht durch die „Fukushima-Wahl“. Fünf Jahre später holte er im traditionell schwarzen Wahlkreis Waiblingen das Direktmandat für die Grünen.

Willi Halder trat Konzernen entgegen, wenn sie zu viel Macht beanspruchten. Er sprach sich gegen Rechtsextremismus aus, wenn andere schwiegen. Und er konnte über sich selbst lachen.

Auch wenn ihn gesundheitliche Gründe 2021 zum Rückzug zwangen, blieb er ein wacher Beobachter der Welt. Er habe beim Zeitunglesen und über die sozialen Medien am öffentlichen Geschehen weiterhin regen Anteil genommen, schreibt OB Hartmut Holzwarth: „Gemeinderat, Stadtverwaltung und mich schmerzt der große Verlust durch seinen Tod. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.“