Nachruf auf Babis Katranis Wirt der Waldschenke Sieben Linden überraschend verstorben

Leidenschaftlicher Gastronom: Babis Katranis mit seiner Frau Evgeniya Foto: Lichtgut

Seit mehr als 30 Jahren war Babis Katranis als leidenschaftlicher Gastronom in Stuttgart bekannt. Der griechische Koch meisterte die schwäbische Küche.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Auch am Ruhetag war Babis Katranis oft in seiner Waldschenke Sieben Linden anzutreffen. „Wir sind sieben Tage die Woche hier“, sagte er in einem Gespräch, in dem es um Qualität und schwäbische Küche ging. Maultaschen machte er dann unter anderem und in aller Ruhe. Seine Gäste liebten sie, auf ihr Geheiß bot er sie zum Mitnehmen an in immer mehr Varianten. Als Babis Katranis mit seiner Frau Evgeniya vor 15 Jahren das Ausflugslokal übernahm, das nicht mit dem Auto zu erreichen ist, war ihm klar: „Nur wenn man richtig gut kocht, laufen die Leute zu uns.“ Er war ein Gastronom aus Leidenschaft, seit mehr als 30 Jahren in der Küche und im Geschäft. In der Nacht zum vergangenen Donnerstag ist er im Alter von 58 Jahren völlig unerwartet gestorben.

 

In der Gänsesaison praktisch ausgebucht

Die Gänsesaison war gerade in vollem Gang, die Waldschenke praktisch ausgebucht. Nun ist das Lokal erst einmal vorübergehend geschlossen. „Unser geliebter Wirt, Koch und Freund Babis ist von uns gegangen“, heißt es auf der Webseite. „Mit seiner Herzlichkeit, seinem Humor und seiner Leidenschaft fürs Kochen hat er unser Restaurant zu einem Ort gemacht, an dem sich jeder willkommen fühlte“, steht dort weiter. Beweise dafür sind auch im Internet zu finden: Einem Video vom Spätzleschaben gab er den Titel „Sonntagmorgensport“, zum Foto von einer Rinderhälfte von der Schlachterei schrieb er „Workoholic“, hausgemachte Würste gab es bei ihm und auch mal einen hausgebeizten Lachs mit gepickelter Zucchini und Wasabi-Buttermilch. Alle drei bis vier Wochen wechselte er die Speisekarte. „Innereien dürfen bei uns nicht fehlen“, zählte Babis Katranis weitere Spezialitäten in dem Gespräch auf. An einem Wochenende mit schönem Wetter waren allerdings mehr als 40 Prozent der Gerichte vegan – wie etwa sein Kicherbsenragout. „Wir sind nicht von gestern“, sagte er dazu.

Ein Kleinod am Waldrand: die Waldschenke Sieben Linden Foto: Kathrin Haasis

Von den Schlangen, die sich an solchen Tagen vor der Waldschenke Sieben Linden bildeten, ließ sich Babis Katranis möglichst nicht aus der Ruhe bringen. Qualität brauche seine Zeit, war er eben überzeugt, sein Lokal sei keine Kantine. „Einfach lächeln und weitermachen“, lautete seine Devise bei ungeduldiger Kundschaft. Im Herbst 2022 machten sich viele Gäste Sorgen, weil das Gebäude verkauft worden war. Aber wäre der Pachtvertrag nicht verlängert worden, hätte sich Babis Katranis eine neue Wirkungsstätte gesucht. Vor dem Restaurant oberhalb von Uhlbach hatte er schließlich 17 Jahre lang eine Vereinsgaststätte betrieben. „Nichts ist ein Selbstläufer“, erklärte er zum attraktiven Standort der Waldschenke in der Finsterklinge am Waldrand und meinte damit: Ohne guten Wirt und Koch würde sie auch nicht laufen.

Im Sommer erholte sich Babis Katranis von den Strapazen des Berufs in Griechenland oder in Bulgarien, dem Heimatland seiner 47-jährigen Frau. Er war ein Familienmensch. Evgeniya Katranis hat mit den beiden Kindern Georgios und Niki Zoi zu einer öffentlichen Trauerfeier am Freitag, 28. November, um 14 Uhr eingeladen. In der Kirchengemeinde Himmelfahrt Christi, Rotenwaldstraße 30, soll er verabschiedet werden. „Sein Geist, seine Freude am Leben und seine Liebe zum Kochen werden in unserem Restaurant und unserem Herzen weiterleben“, steht auf der Homepage.

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