Nachruf Der Retter der Philharmoniker
Gabriel Feltz hat als Chefdirigent in Stuttgart seinem Orchester zu ganz neuer Qualität verholfen. Dabei sah er sich nie als Star, sondern als Mittler.
Gabriel Feltz hat als Chefdirigent in Stuttgart seinem Orchester zu ganz neuer Qualität verholfen. Dabei sah er sich nie als Star, sondern als Mittler.
Es waren durchaus schwierige Zeiten, in denen Gabriel Feltz den Posten des Chefdirigenten der Stuttgarter Philharmoniker übernahm. Sein Vorgänger Jörg-Peter Weigle schmiss 2003 den Job hin, nachdem ihm zwei schon zugesagte Blechbläserstellen nicht genehmigt wurden. Der Bestand des Orchesters schien gefährdet, sogar die Fusion mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen stand zur Diskussion. Doch Feltz ließ sich davon nicht abschrecken. 2004 unterschrieb er seinen Vertrag, und die folgenden neun Jahre wurden zu einer Blütezeit für das Orchester.
Einiges kam da glücklich zusammen. Feltz’ gewinnendes Wesen und sein künstlerischer Enthusiasmus trugen dazu bei, dass sich im Zusammenspiel mit konsequenter Probenarbeit und vielen Neubesetzungen das Niveau der Philharmoniker im Laufe der Jahre drastisch verbesserte. Auch programmatisch setzte Feltz neue Akzente. Er pflegte das klassische Repertoire, koppelte dabei aber immer wieder bekannte mit wenig bekannten Werken. Ein weiterer Schwerpunkt von Feltz war spätromantische Musik. Werke von Richard Strauss, Sergej Rachmaninov und vor allem Gustav Mahler standen häufig auf dem Programm; man erinnert sich an eine grandiose Aufführung von Mahlers zweiter Sinfonie im letzten Jahr seiner Amtszeit 2013. Dazu kamen allerhand neue Konzertformate; nicht zu vergessen auch die Kinder- und Familienkonzerte, bei denen häufig Feltz selber am Pult stand.
Daneben war Gabriel Feltz auch ein sehr gefragter Gastdirigent. Die Liste der von ihm dirigierten Klangkörper im In- und Ausland ist lang, weltweit sind es über 60 Orchester.
Als er 2013 das Angebot erhielt, Generalmusikdirektor in Dortmund zu werden, sagte er zu. Denn länger als bis zu seinem Vertragsende 2015 hätte Feltz, der seine musikalische Ausbildung von 1989 bis 1994 an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin erhalten hatte und nach dem Studium Assistent bei Gerd Albrecht an der Hamburgischen Staatsoper gewesen war, ohnehin nicht in Stuttgart bleiben wollen. Man sei, sagte er damals, „auf einem wundervollen Niveau der Zusammenarbeit angekommen.“ Aber so einen glücklichen Zustand könne man nicht ewig aufrechterhalten. „Ich denke, nach rund zehn Jahren braucht das Orchester auch einen neuen Chef.“
Konsequent also, dass er auch nach elf sehr erfolgreichen Jahren in Dortmund weiterzog, hoch in den Norden nach Kiel, wo er seit einer Spielzeit die GMD-Stelle inne hatte. Auch dort hat Gabriel Feltz sich nie als Alleinherrscher am Pult verstanden. Man müsse, sagte er einmal, in der Lage sein, Fehler zuzugeben. Es gebe im Laufe der Jahre als Chefdirigent todsicher Momente, wo man sich in einer Entscheidung vergaloppiert habe. Dann müsse man dazu stehen. Was sein künstlerisches Credo anbelangt, so hat Gabriel Feltz immer Wert darauf gelegt, als Musiker ein Mittler zu sein. „Wir sind ein Brennglas, wo der Strahl des Komponisten hindurch fließt und gebündelt wird für das Publikum. So verstehe ich meine Aufgabe“.
Am vergangenen Freitag ist Gabriel Feltz unerwartet im Essener Universitätsklinikum verstorben. Er wurde 54 Jahre alt.