Nachruf Ein Kulturmensch alter Schule

Von Georg Linsenmann 

Der 83-jährige Stammheimer Kunstsammler wurde am Montag, 10. November, tot im Neckar aufgefunden. Fremdeinwirkung wird als Todesursache ausgeschlossen.

Für Diethelm Lütze gehörte die Kunst zum Leben. Er starb im Alter von 83 Jahren. Foto: Georg Linsenmann
Für Diethelm Lütze gehörte die Kunst zum Leben. Er starb im Alter von 83 Jahren. Foto: Georg Linsenmann

Stammheim - Wer Diethelm Lütze auch nur ein wenig gekannt hat, der muss erschüttert sein von den tragischen und traurigen Umständen seines Todes. Dass der Leichnam des 83-Jährigen im Neckar gefunden wurde, ist der pure Widerspruch zu dem, was Lütze in der Öffentlichkeit repräsentierte. Denn Diethelm Lütze war eine noble Erscheinung, ganz „alte Schule“. Ein „Ordensritter“, geprägt von der preußischen Herkunft seiner Familie, wobei seine mütterliche Linie hinunterreichte bis zu den mosaischen Madai. Und er war ein Mann der Kultur. Entsprechend kultiviert – und bescheiden, bar jeder Eitelkeit im Auftreten.

Diethelm Lütze liebte die Oper und das Ballett. Vor allem aber die Bildenden Künste. So wurde er zu einem Kunstsammler, dem Museen in der ganzen Republik gewichtige Stiftungskomplexe verdanken: Von Bibelillustrationen und Wiegendrucken der Gutenberg-Zeit bis zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Staatsgalerie Stuttgart etwa besitzt bedeutende Werke des deutschen Expressionismus. Für Lützes Sammlung süddeutscher Kunst hat Sindelfingen eigens einen Museumserweiterungsbau erstellt: das Lütze-Museum. Für seine bundesweit beachteten Leistungen als Privatsammler wurde Lütze vielfach geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Im bürgerlichen Leben hatte der 1931 in Weingarten Geborene als gelernter Betriebswirt Führungspositionen inne und gründete schließlich selbst eine Unternehmensberatung. Und doch lebte er fast 50 Jahre in ein und derselben Parterrewohnung in einem Stammheimer Zweifamilienhaus. Wer ihm dort begegnen durfte, für den war es eine Begegnung mit den Kraftfeldern der Kunst, nichts weniger als eine Begegnung mit den schönen Dingen des Lebens – und deren Wahrhaftigkeit. Im Gespräch vermochte er bis zuletzt mit ansteckender Freudigkeit aus dem Reichtum erfüllter Lebensziele zu schöpfen.

Zuletzt hatte Lütze Preussiana gesammelt und war damit wieder nah an seinen Wurzeln: „Das hat mich geprägt. Ich bin ein ausgesprochener Vernunftmensch“, betonte er vor drei Jahren aus Anlass seines 80. Geburtstages. Die paar Bilder im kleinen Wohnzimmer? „Ohne Kunst könnte ich nicht leben. Sie umgibt mich überall“, bekannte er. Und so wird Diethelm Lütze in Erinnerung bleiben: als bedeutender Sammler – und als ein feiner Kulturmensch alter Schule.

Sonderthemen