Nachruf: Verleger Planitz ist tot Sachsen im Herzen, Schwaben aber ebenso

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Der immer diskussionsfreudige Stuttgarter Verleger Ulrich Frank-Planitz ist kurz nach seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag gestorben.  

Ulrich Frank-Planitz (1936–2011) Foto: factum/Weise
Ulrich Frank-Planitz (1936–2011) Foto: factum/Weise

Stuttgart - So selten kommt es gar nicht vor, dass die Neig'schmeckten sich zu den größten Anhängern schwäbischen Geistes und württembergischer Lebensart aufschwingen. Ulrich Frank-Planitz ist so einer gewesen. Zwei Jahrzehnte lang, von 1978 bis 1997, leitete der gebürtige Sachse die traditionsreiche Deutsche Verlags-Anstalt, und als der 150 Jahre zuvor in Stuttgart gegründete Verlag keine zwei Jahre nach seinem Ausscheiden vom Neckar an die Isar verpflanzt wurde, rief Frank-Planitz , dem nichts ferner lag als die Idee des Ruhestands, sogleich ein Nachfolgeunternehmen ins Leben: den Hohenheim Verlag, firmierend in Stuttgart und Leipzig.

Dahinter steckte zunächst das berechtigte Kalkül, dass wohl einige der in Stuttgart verwurzelten DVA-Autoren, allen voran Oberbürgermeister Manfred Rommel, diesen Wechsel nach München nicht mitmachen würden. Aber dieses Kindlein des umtriebigen Buchmannes war in seiner westöstlichen Doppelgestalt zugleich Ausdruck des lebenslang gesamtdeutschen Temperaments seines Erzeugers. Ulrich Frank, der seinen Geburtsort Planitz bei Zwickau in seinen Namen aufnahm, blieb zeitlebens unüberhörbar Sachse - in der einen Herzkammer. In der anderen hauste das Schwäbische, das ihm, nach einer Station in Bonn als Hauptstadtkorrespondent des "Handelsblatts", Ende der sechziger Jahre zur zweiten Heimat geworden war: zunächst als Chefredakteur von "Christ und Welt" und schließlich, vermittelt durch seine Tätigkeit für den Bosch-Konzern, als Verleger der DVA. Eine "sächsisch-schwäbische Gesellschaft" würde er am liebsten gründen, ließ Frank-Planitz sich gelegentlich vernehmen; die Gemeinsamkeiten der beiden ebenso tüchtigen wie erfindungsreichen Volksstämme hatte er auch in einem großen Beitrag für die Wochenendbeilage dieser Zeitung einmal auf zuzeichen versucht.

Seine Stimme wird in Stuttgart fehlen

Das alles kam erst vor drei Wochen wieder einmal zur Sprache, als der am 13. April 1936 Geborene seinen Fünfundsiebzigsten im Literaturhaus Stuttgart feierte und die Gratulantenliste (neben anderen standen da Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der ehemalige "Mr. Tagesthemen" Ulrich Wickert und der dichtende Alt-OB Manfred Rommel) einen Eindruck von der ungebrochenen Wertschätzung gab, derer sich der Jubilar weit über die Grenzen von Stuttgart hinaus erfreute. Auch, dass er seinen Geburtstag wieder im Literaturhaus feierte, war kein Zufall: Frank-Planitz war einer der namhaften Bürger der Stadt, die ihr Gewicht für dessen Gründung vor zehn Jahren in die Wagschale geworfen hatten.

Am 7. Mai ist der nimmermüde, immer diskussionsfreudige Verleger Ulrich Frank-Planitz gestorben. Seine Stimme wird in Stuttgart fehlen.