Nacht der Roboter in Markgröningen Maschinen mixen Cocktails und servieren Currywurst

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Tanzende und Basketball spielende Roboter kennt man vielleicht. Aber eine Maschine, die Cocktails mixt? Die Auszubildenden der Firma Spinner Automation in Markgröningen haben sie gebaut und erstmals einem großen Publikum vorgeführt.

Hygienische Übergabe: Ein Roboter serviert  Currywürste. Foto: factum/Weise 6 Bilder
Hygienische Übergabe: Ein Roboter serviert Currywürste. Foto: factum/Weise

Markgröningen - Tanzende und Basketball oder Tischkicker spielende Roboter kennt man vielleicht. Aber eine Maschine, die Cocktails mixt? Die Auszubildenden der Firma Spinner Automation in Markgröningen haben sie gebaut und am Samstag erstmals einem großen Publikum vorgeführt. Mit seinen Bildungspartnern – dem Helene-Lange-Gymnasium und der Realschule Tamm – hatte das Unternehmen zu einer „Nacht der Roboter“ geladen.

In dem Science-Fiction-Film „Passengers“ spielt Michael Sheen einen charmanten Barkeeper in einem Superraumschiff, das einige Hundert Menschen auf einen anderen Planeten bringen soll. Da die Reise auch in dieser Zukunft noch 90 Jahre lang dauert, befinden sich die Reisenden in einem Kälteschlaf. Nur der Barmann hat damit keine Probleme, er ist immer wach, denn er ist ein Roboter. Er hört auf den Namen Arthur und kann nicht nur jedes gewünschte Getränke mixen, er kennt auch alle Sprüche, die an einer Bar zu hören sind.

Ganz so geschmeidig ist der von den Spinner-Azubis gebaute Cyborg noch nicht. Ihm fehlt auch noch das menschliche Aussehen, und die Bewegungen mit dem Shaker sehen eher ungelenk aus – rein mechanisch eben. Aber egal ob Caipirinha oder Tequila Sunrise: mixen kann er. Und anders als an der klassischen Bar kann man ihn bei jedem einzelnen Arbeitsschritt beobachten. Wie kompliziert das ist, haben drei Auszubildende versucht, dem Publikum zu erläutern. „Die Aufgabenstellung lautete einfach nur ‚Cocktailroboter’, und dann mussten wir zusehen, wie wir das hinbekommen“, sagte Geraldine Herrel, die an der Konstruktion beteiligt war.

Schon das Greifen eines Bechers stellte sich als hohe Hürde heraus: „Der Greifarm darf ihn nicht zerdrücken, muss ihn aber dennoch sicher halten“, sagte Herrel. Die Lösung lautete in diesem Fall Pneumatik: Die Azubis haben ein Vakuum hergestellt und so den richtigen Druck aufgebaut. Auch für Einzelkomponenten wie Becherausgabe oder Eismaschine sind bald Lösungen gefunden worden.

Doch die Azubis sind der Ansicht, dass ein Cocktail ohne Limette kein Cocktail ist – was die Sache noch einmal knifflig machte. „Unser Blechlieferant hat ganz schön geflucht“, sagte Herrel. Denn der Mann musste sehr spezielle Formen liefern, mit denen sich Limetten schneiden lassen.

„Wir wollen, dass unsere Leute ihr Po-tenzial auch entfalten können“, sagte der Spinner-Geschäftsführer Dominik Jauch. „Um das zu erreichen, gibt es bei uns keine Hierarchien.“ Doch am Samstag war nicht nur die Kreativität der Auszubildenden gefragt, sondern auch die der Schüler des Helene-Lange-Gymnasiums – genauer: der Theatergruppe des Gymnasiums.

Das Team hatte die Idee, das Spiel der teilweise auf- und umgerüsteten Industrieroboter, das von einer Sound- und Lightshow begleitet wurde, mit einer Dada-Inszenierung zu kontrastieren. Dieser Tribut an die Kunstform, deren 100-Jahre-Jubiläum vor einem Jahr gefeiert worden ist, erwies sich als sehr passend: Während einerseits Maschinen menschliche Bewegungen nachahmten, glichen sich die Schauspieler dank mechanischer Bewegungen zu rezitierten Nonsenstexten immer mehr irgendwelchen Automatenwesen an.

Im Übrigen konnten sich Kinder und Erwachsene den gesamten Abend über in der Industriehalle vergnügen, indem sie etwa gegen die Roboter zu Basketball- oder Tischkicker-Wettbewerben antraten, oder indem sie sich von den Maschinen bedienen ließen. Denn zum Maschinenpark der Markgröninger Firma Spinner gehört auch ein Currywurst-Roboter. Er ist in der Lage, die rohen Würste auf einen Grill zu legen und anschließend die gegarten zu servieren. Das sieht sehr viel geordneter aus als das, was man aus der Imbissbude kennt. Und – es mag Einbildung sein – es wirkt sehr viel hygienischer.




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