Nachtbummel in Weil der Stadt Nachts allein im Stadtmuseum

Von Brunhilde Arnold 

Beim Nachtbummel heißt es: Shoppen und etwas über die Geschichte und das Leben im Ort erfahren.

Türmer Willi Bothner (Dritter von rechts) erklärt das historische Uhrwerk im Turm von  St. Peter und Paul. Foto: factum/Bach
Türmer Willi Bothner (Dritter von rechts) erklärt das historische Uhrwerk im Turm von St. Peter und Paul. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Eingeladen zum spätabendlichen Besuch der Innenstadt hatte der Gewerbeverein, und zahlreiche Geschäfte öffneten bis 23 Uhr. Weit geöffnet stand auch die Tür zum Stadtmuseum am Marktplatz, während das benachbarte Keplermuseum geschlossen war. Der Besucherandrang hielt sich am Freitagabend zwar in Grenzen, doch Katrin Fischer, die Vorsitzende des Heimatvereins, war dennoch zufrieden. Etwa ein Dutzend Neugierige fanden sich ein, um einen Blick in die bewegte Geschichte der alten freien Reichsstadt zu werfen. Unter ihnen waren auch zwei Schüler, die das Museum gegen 22 Uhr ganz für sich allein hatten.

Der zwölfjährige Silas, der mit seinem jüngeren Bruder durch die stillen Räume streift, findet das alles „ganz schön spannend und auch interessant“, obwohl er nicht zum ersten Mal dort ist. Stephanie Köhnlein schaut sich ebenfalls in den Ausstellungsräumen um. Zuvor ist sie schon auf dem Turm der Kirche St. Peter und Paul gewesen. Die junge Frau aus Böblingen erzählt, dass sie extra an diesem Abend zum Nachtbummel hergekommen ist. Sie fahre immer wieder kurz mal durch den Ort, mit der Innenstadt habe sie sich aber noch nie näher beschäftigt. „Dies ist ein tolles Angebot“, so ihre Einschätzung.

Eindrucksvoller Blick vom Kirchturm

Die Böblingerin ist bei Weitem nicht die einzige auf dem Kirchturm, wo man sich dem strahlend hellen Fast-Vollmond ein Stückchen näher fühlt und einen eindrucksvollen Blick über die nächtliche Stadt mit ihren vielen Lichtern hat. Wer die 176 Stufen nach oben geschafft hat, erfährt von Ralf-Dieter Krüger in der ehemaligen, noch bis 1928 bewohnten Türmer-Unterkunft einiges über das karge Leben dort oben. Einige Meter weiter unten, auf halber Höhe, erläutert Türmer-Kollege Willi Bothner das historische Uhrwerk aus dem Jahr 1656, das 272 Jahre in Betrieb war.

Wieder unten angekommen, leuchten im großen Baum vor der Kirche die „Flammen der Freiheit“ rot aus dem Geäst hervor. Sie sind Teil des Skulpturenweges „Hier Brenz – Feuer und Flamme für die Reformation“, der zur Erinnerung an den Reformator Johannes Brenz aus Weil der Stadt angelegt wurde. Gegenüber, in der Stuttgarter Straße, stehen Nachtbummler plaudernd beim Essen und Trinken zusammen, informieren sich beim Weil der Städter Car-Sharing-Verein, der derzeit sein fünfjähriges Bestehen feiert, oder kaufen den Adventskalender des Lions-Clubs. Roland Müller-Fiedler, der noch spät am Abend unter den Arkaden am Rathaus steht, ist zufrieden. „Wir haben heute bis jetzt 196 Kalender verkauft“, sagte er.

Viel Betrieb in der Tourist-Info

Auch gegenüber, in den Räumen der Tourist-Info herrscht Betrieb. „Es waren bestimmt schon über 150 Leute heute Abend hier, darunter auch etliche Auswärtige“, sagt Beate Kienzle, die gerade dabei ist, die Ausflugskarten im Regal wieder aufzufüllen. Auch die verschiedenen Souvenirs mit Motiven von Weil der Stadt oder Johannes Kepler seien gut verkauft worden, so die Mitarbeiterin.

Nicht auf dem Programm des Nachtbummel-Veranstalters stand in diesem Jahr die sehenswerte Ausstellung des Fotoclubs Schwarz-Weiß in der Wendelinskapelle. Trotz der Lage am Rande der Altstadt haben an dem Abend rund vierzig Neugierige die Gelegenheit genutzt, die gestern zu Ende gegangene Fotoschau, die unter dem Motto „4 im²“ stand, zu besuchen.




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