Nachtkritik: Premiere im Schauspielhaus Robert Icke inszeniert „Iwanow“ in Stuttgart

Von Nicole Golombek 

Plausibel, aber eindimensional: Robert Ickes Inszenierung von Anton Tschechows Drama „Iwanow“ am Sonntag in Stuttgart.

Szene aus Anton Tschechows „Iwanow“ bei der Premiere am Sonntag im Stuttgarter Schauspielhaus. Foto: Thomas Aurin 12 Bilder
Szene aus Anton Tschechows „Iwanow“ bei der Premiere am Sonntag im Stuttgarter Schauspielhaus. Foto: Thomas Aurin

Stuttgart - Ursprünglich hatte Anton Tschechow seinen Vierakter „Iwanow“ 1887 als Komödie konzipiert. Doch dann veröffentlichte er das Stück um einen Ehebetrüger als Tragödie. Robert Icke hat den Tschechow-Text bearbeitet und im Schauspielhaus Stuttgart inszeniert.

Der intellektuelle Zauderer Nikolaj Iwanow liebt seine Frau nicht mehr und betrügt sie, obwohl er weiß, dass sie todkrank ist. Was sagt den Menschen heute Tschechows Drama „Iwanow“ aus dem Jahr 1887? Der Regisseur Robert Icke treibt dem Stück bei seiner gut zweistündigen Inszenierung am Sonntag im Schauspielhaus Stuttgart den russischen Weltschmerz aus.

Flapsig auf Unterhaltung getrimmte Inszenierung

Nikolai Iwanow, gespielt von Benjamin Grüter, heißt jetzt Nikolas Hoffmann und ist ein schwerst depressiver Normalo mit Geldproblemen. Seine Frau Anna (Paula Skorupa) stirbt nicht mehr an Schwindsucht, sondern an Krebs. Und die junge Geliebte Sascha (Nina Siewert) ist eine resolute junge Frau, die sich selbstbewusst den schönen, traurigen Nikolas angelt. Wie schwer der an seiner Depression leidet, sieht aber leider keiner.

So plausibel die Akzentverschiebung ist, so eindimensional sind die Figuren geraten – und so flapsig auf Unterhaltung getrimmt ist der Rest der Inszenierung. Dieser Iwanonw, Pardon, Hoffmann, hat nicht nur seine russische Seele verloren.

Eine ausführliche Besprechung lesen Sie in der Dienstagsausgabe unserer Zeitung.