Nachtkritik SWR-Symphonieorchester: zum ersten Mal

Von miw 

Leicht gemacht hat es das neue SWR Symphonieorchester dem Publikum nicht, bei seinem ersten Konzert. Immerhin: Am Ende wollte in der Liederhalle doch noch ein wenig Anfangsbegeisterung aufkommen.

Das neue SWR Symphonieorchester mit Dirigent Peter Eötvös in der Stuttgarter  Liederhalle. Foto: dpa
Das neue SWR Symphonieorchester mit Dirigent Peter Eötvös in der Stuttgarter Liederhalle. Foto: dpa

Stuttgart - Obwohl nun schon x-Mal unfallfrei notiert, sträuben sich ein wenig (ein wenig!) noch die Finger, wenn es gilt zu schreiben: dies war nun das erste Konzert des neuen, Achtung, SWR Symphonieorchesters in der Stuttgarter Liederhalle, geleitet, für dieses Mal, vom einfühlsamen, mitgehenden, manches Mal nicht genug fordernden Dirigenten Peter Eötvös, dem eine ganze Zeit lang jetzt die unterschiedlichsten Kollegen folgen werden, bis der neue Klangkörper sich einigt auf einen Chefdirigenten. Aber Gemach. Der SWR jedenfalls, wie alle anderen ARD-Anstalten gerade mittendrin in einer Legitimationsdebatte, hat sich den Abend – mit neuer Website, SWR Classic, Programmheft zum Dauerdownload, Talkrunde etc. Einiges kosten lassen. Und allerhand Gedanken darauf gerichtet, dass nicht noch einmal große Abschiedsschmerzen aufkämen. „Nach vorne!“ war die Devise, aber es streckte sich kommunikativ erst mal nur ein Finger, keine Hand einem entgegen: Kaaija Saariahos „Cinq Reflets“ schwebten schwermütig und komplex (und weitgehend in sich verschlossen) dahin. Gustav Mahlers Adagio aus der Zehnten Sinfonie, gut gegeben, ließ Melancholien (mindestens) nicht vermeiden.

Erst Peter Eötvös‘ grundlegende, grundlegend witzige Komposition „DoReMI“ nach der Pause ließ dann, nicht zuletzt dank der Schlangenbeschwörerin, Eintänzerin und, über allem, Teufelsgeigerin Patricia Kopatchinskaja, so etwas wie Stimmung, wohl temperiert, aufkommen. Hernach ein ungarischer Bruder im Geiste: Bela Bartoks Suite „Der wunderbare Mandarin“, richtig Heavy Metal, deutete selbst in der durchanalysierten Form an, welche Entwicklung das SWR Symphonieorchester nehmen kann, wenn es gut geht: weder an Transparenz noch an Gemeinschaftsgeist fehlte es da. Am Ende klatschte sich eine längst nicht voll besetzte Stuttgarter Liederhalle kollektiv zu ein wenig Anfangsbegeisterung durch. Leicht gemacht hatte man’s dem Publikum nicht. Morgen mehr.