Es gilt als offenes Geheimnis: Drogen sind ein fester Bestandteil des Nachtlebens. Wo bis in die frühen Morgenstunden gefeiert und getanzt wird, konsumieren manche Menschen legale oder illegale Substanzen – darunter Alkohol, Nikotin, MDMA, Kokain oder sogenannte Designerdrogen. Zwar greift nicht jede:r Partygänger:in selbst zu Drogen, doch viele kommen im Laufe eines Abends mit dem Thema in Berührung – sei es durch Bekannte oder durch Beobachtungen auf der Toilette oder der Tanzfläche.
Vier junge Stuttgarter:innen über Drogen im Stuttgarter Nachleben
Max, 38 Jahre:
„Auf den Stuttgarter Toiletten wird unfassbar viel gekokst. In der Männertoilette verschwinden die Leute dann in einer der Toilettenkabinen und von draußen hört man Schniefen und wie irgendwas durch die Nase gerotzt wird. Wenn man darauf achtet, fällt das schon sehr auf. Das kenne ich von meinem vorherigen Wohnort Tübingen nicht in dem Ausmaß.“
Lena, 33 Jahre:
„Ich glaube beim Feiern in den Stuttgarter Techno Clubs werden viele Teile, also Exctasy konsumiert - aber auch Koks, Speed und MDMA. In den Clubs mit Mainstream-Musik trinken die Leute vor allem viel Alkohol, wenn illegale Drogen, dann eher Koks. Wie sich das in den letzten Jahren verändert hat, kann ich nicht sagen, da ich früher nicht so viel in Technoclubs unterwegs war wie das heute der Fall ist. Der Konsum findet teilweise nicht heimlich, sondern recht offensichtlich statt. Mehrere Personen verschwinden dann zusammen in einer Klokabine. Oder auch so steckt man sich unter der Hand etwas auf der Tanzfläche oder in den Sitzecken zu. Für manche gehört der Konsum zum Weggehen dazu, um „besser abschalten zu können“.“
Carolin, 29 Jahre:
„Nach dem Ende der Coronapandemie, also so vor zwei oder drei Jahren, wurde vor dem Feierngehen vor allem Koks und Pep genommen. Ob sich das geändert hat, weiß ich nicht, weil ich in letzter Zeit kaum mehr in Clubs gehe. Was mir aktuell aber auffällt, ist, dass es überall mehr nach Gras riecht und Joints auch offen in der Bahn rumgetragen oder gedreht werden.“
Flo, 30 Jahre:
„Ich finde es traurig, dass in unserer Gesellschaft immer noch nicht offen über das Thema Drogen gesprochen wird. Konsumiert wird sowieso. Eine Verbotspolitik und die Verfolgung der Konsument:innen bringt erwiesenermaßen nichts. In meinem Freundeskreis gibt es kaum Personen, die nicht schon mal Drogen genommen haben. Aber das heißt nicht, dass die alle automatisch ein ernstzunehmendes Problem haben. Viele davon arbeiten in Vollzeit und haben ihr Leben im Griff.
Ich will hier aber natürlich nicht alles gut reden. Im Stuttgarter Nachtleben beobachtet man selbstverständlich auch kritischen Konsum. Innerhalb der Szene müssen wir aufeinander aufpassen, uns nicht über den Konsum definieren, ihn aber akzeptieren. Hilfsangebote und Beratungsstellen sollten niederschwellig vorhanden und bekannt sein. Dort wird sich dann um diejenigen gekümmert, die den Konsum nicht mehr im Griff haben.
Das Nachtleben ist mehr als nur Feiern und Konsum. Ich finde es wichtig für eine diverse und demokratische Gesellschaft. Hier treffen unterschiedliche Personenkreise aufeinander, aus Freundschaften wachsen Ideen, woraus wiederum bereichernde neue Kulturangebote oder politische Aktionen entstehen. Das Thema Drogenkonsum sollte nicht im Mittelpunkt stehen, aber manchmal entstehen diese fantastischen Ideen eben auch mal auf einer Afterhour, bei der Drogen konsumiert werden.“
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