Nachtleben in Stuttgart Der Krampf mit den Club-Konzessionen

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Mit dem Tonstudio und der Muttermilch schließen auf der Theo zwei Clubs in Stuttgart. Stimmt nicht ganz: Beide hatten keine Konzessionen als Tanzlokale. Das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Die Schräglage ist einer der wenigen Stuttgarter Clubs, in denen auch amtlich bis in die Morgenstunden getanzt werden darf. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Schräglage ist einer der wenigen Stuttgarter Clubs, in denen auch amtlich bis in die Morgenstunden getanzt werden darf. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Bis 2014 schwebte über Heiko Grelle ein Damoklesschwert. Denn der Betreiber des Clubs Schräglage beim Rathaus wusste: Würde die Gaststättenbehörde ernst machen, säße er am kürzeren Hebel. Die Rede ist von der Konzession mit der Bezeichnung „Versammlungsstätte mit Tanz“, in den Fluren des Ordnungsamts Tanzlokal-Konzession genannt, von Grelle wohl eher als Club-Konzession bezeichnet. Damit war es amtlich: In der Schräglage darf getanzt werden.

Das Stuttgarter Nachtleben auf dem Papier ist die eine, das wirkliche Nachtleben eine ganz andere Sache. So ist die Partymeile Theodor-Heuss-Straße, wo jüngst das Tonstudio und das Muttermilch ihre Schließung bekanntgaben, bei der Gewerbe- und Gaststättenbehörde offiziell eine Bundesstraße mit Schankbetrieben. Clubs mit Konzessionen gibt es dort praktisch keine.

Natürlich weiß das die Gaststättenbehörde ganz genau, und neben der überschaubaren Liste, die die amtlichen 13 Clubs in Stuttgart führt, kursiert intern noch eine zweite, die jene Betriebe aufzählt, in denen halblegal getanzt wird. Von letzterer Sorte gibt es laut Martin Treutler, dem Leiter der Gewerbe- und Gaststättenbehörde, heute rund 45.

Das Problem mit der Stellplatzablöse

Und es werden immer mehr – nicht nur auf der Theo. „Weniger Clubs insgesamt sind es in den letzten Jahren sicher nicht geworden“, sagt Treutler. Einer der Gründe heißt Zwischennutzung. Viele der in den vergangenen Jahren eröffneten Clubs waren ohnehin nur auf Zeit konzeptioniert. So wie zum Beispiel das Kimtimjim an der Hauptstätter Straße, das sich nicht mal um eine Club-Konzession bemüht hatte und Anfang 2013 wegen Brandschutzmängeln schließen musste.

Aber selbst wenn ein Club langfristig erfolgreich sein will, überlegen viele Betreiber zwei Mal, ob sie sich um das offizielle Gütesiegel der Stadt bemühen. Denn die Konzessionen sind teuer. Laut Heiko Grelle von der Schräglage waren Investitionen in Höhe von 250 000 Euro nötig, um alle Auflagen der Stadt zu erfüllen.

Heute wäre das etwas günstiger: Die sogenannte Stellplatzablöse wurde im März 2015 für den Innenstadtbereich per Gemeinderatsbeschluss deutlich gesenkt. Bei der Stellplatzablöse handelt es sich um eine häufig kritisierte Pflichtzahlung, da es dabei um imaginäre Stellplätze geht. Der Gedanke: Wer Besucher in die Stadt zieht, muss ihnen Parkraum zur Verfügung stellen. Und wer das nicht kann, wird für Parkplätze im öffentlichen Raum zu Kasse gebeten. Faktisch hat es diese Parkplätze aber nie gegeben. Der Gemeinderat hat eingesehen, dass diese Regelung womöglich nicht ganz fair ist und darum die Stellplatzsatzung umgeschrieben.

Weniger Lärmbeschwerden als früher

Aus Sicht der Gaststättenbehörde ist die neue Regelung ein großer Anreiz für halblegale Etablissements, den Titel zu erwerben: „Das erleichtert die Sache für alle Beteiligten.“ Vergangenes Jahr ging die Verwaltung auf die Clubs an der Theo zu und versuchte, sie zum Umdenken zu bewegen. Mit bescheidenem Erfolg. Im Frühjahr will sie einen neuen Vorstoß wagen.

Mit dem Holzhammer werden die Behörden der Partymeile wohl trotzdem nicht begegnen. Augenmaß und Verhältnismäßigkeit der Mittel sind die Stichworte, nach denen die Gaststättenbehörde angewiesen ist, zu handeln. Da sich das Clubleben örtlich kaum verlagert und bleibt vor allem an der Theo und der Achse Rotebühlplatz Richtung Hans-im-Glück-Brunnen lebendig.

Die Verwaltung bewertet die jüngsten Entwicklungen positiv. „Der runde Tisch Innenstadt, wo sich Verwaltung und Clubbetreiber austauschen, hat viel erreicht“, sagt Treutler von der Gaststättenbehörde. Das Gremium, dem Ordnungsbürgermeister Michael Schairer (CDU) vorsitzt, trifft sich das nächste Mal am 22. Februar. „Sehr großen Gesprächsbedarf haben wir von unserer Seite aus aber nicht“, sagt Treutler, „die Beschwerden von Anwohnern, zum Beispiel wegen Lärm, sind kontinuierlich zurückgegangen.“

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