Nachtleben in Stuttgart Neue Wirte und neuer Name für das Schocken

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Immer mehr Clubbetreiber geben auf, weil sie sich mit den Hauseigentümern nicht über Mieterhöhungen einigen können. So auch das Schocken in der Stuttgarter Innenstadt – dort sind allerdings neue Pächter gefunden, die das in Kauf nehmen. Und einige Dinge verändern werden.

Im Club Schocken  wird weitergefeiert – allerdings unter neuem Namen. Foto: Andreas Weise
Im Club Schocken wird weitergefeiert – allerdings unter neuem Namen. Foto: Andreas Weise

Stuttgart - Dass die Mieten in Stuttgart durch die Decke gehen, das spüren nicht nur Bürger, sondern auch Clubbetreiber. So erklären es zumindest Ralf Bauer und Ninette Sander, die den Club Schocken in der Hirschstraße zum Jahreswechsel abgegeben haben und steigende Mieten als Begründung nennen. „Das war für unser Konzept einfach keine Perspektive mehr“, sagt Bauer, „und so gut wie vor fünf Jahren lief es auch nicht mehr.“

Endet damit eine 13 Jahre währende Ära in der Stuttgarter Clubgeschichte? Mitnichten, schenkt man den neuen Betreibern Glauben. Muhlis Kilic betritt im Nachtleben Neuland, der Gerlinger war bislang vor allem in der Immobilienbranche tätig. „Mit dem eigenen Club erfülle ich mir einen Traum“, sagt er. Das Konzept des Schockens auf den Kopf stellen will er nicht. Aber ein paar Änderungen sind bereits in Planung.

So soll der Club zwischen Frühjahr und Sommer einen neuen Namen erhalten. Eine notarielle Entscheidung, so Kilic: Die ehemaligen Betreiber hätten sich die Markenrechte am Schocken gesichert und diese behalten wollen. Wie der dreistöckige Club heißen wird, sollen die Gäste entscheiden. Der Prozess der Namensfindung soll in sozialen Netzwerken stattfinden.

Mehr Live-Musik

Auch dem Club selbst, der in optischer wie technischer Ausstattung etwas in die Jahre gekommen sei, will Kilic im Frühjahr eine Frischzellenkur verpassen. „Ein neuer Schliff, eine neue Lichtanlage, neue Möbel und farblich etwas freundlicher“, fasst es der neue Geschäftsführer zusammen.

Bei den Künstlern will er etwas weniger auf DJs und etwas mehr auf Live-Musik setzen. „Dabei wollen von Alternative bis Soul sehr viele Sparten bedienen“, sagt Kilic. Dafür könnte es in Stuttgart auf jeden Fall Bedarf geben: Das Popbüro Stuttgart etwa betont seit Jahren, dass es mit der Schließung von Clubs wie der Röhre an geeigneten Räumlichkeiten für mittelgroße Konzerte fehle. Darüber hinaus will Kilic vor allem zusätzlichen Umsatz über das Tagesgeschäft unter der Woche generieren. Wie das genau aussehen soll, will er noch nicht verraten. Allerdings sollen die Terrassenplätze vor dem Club eine Rolle spielen.

Das alte Mitarbeiter-Team wurde beim Pächterwechsel komplett übernommen. Insofern werden die Gesichter im Service für Stammkundschaft die gleichen bleiben. Auch Ex-Schocken-Betreiberin Ninette Sander bleibt im Januar noch in beratender Funktion mit im Boot, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Andere Clubbetreiber geben ganz auf

Sie und Ralf Bauer werden sich dann künftig verstärkt um die Bar und den Club White Noise in der Eberhardstraße kümmern, das sie zwei Jahre lang parallel zum Schocken betrieben haben. „Wir sind froh, dass wir da unsere ganze Energie reinstecken können“, sagt Bauer.

Das Schocken ist nicht der erste Club, dem die stetig steigenden Mieten in Stuttgart Probleme machen. So verkündeten die Betreiber des Clubs Zwölfzehn in der Paulinenstraße im Dezember, zu schließen, weil für die Zukunft mit dem Eigentümer keine Einigung zu erreichen gewesen sei, was die Höhe der Pacht angeht.

In etwa zwei Monaten ist dort fürs Erste sogar ganz Schluss. Doch die Zwölfzehn-Clubbetreiber sind bereits auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Man sei mitten in den Verhandlungen mit dem Eigentümer eines neuen Standorts, kommunizierten sie auf Facebook.

Auch das Zollamt in Bad Cannstatt hat seit Ende des vergangenen Jahres seine Pforten geschlossen. Hier waren es allerdings nicht die Mieten, die den Betreiber Jens Petzhold zur Aufgabe gezwungen haben wollen. Es lag an Anwohnerklagen – wegen des Lärmes. An den dürfte man sich ums Schocken mitten in der City zumindest gewöhnt haben.

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