„Nachts baden“ Planlos in der Pampa

Von Tilmann Gangloff 

„Nachts baden“ ist ein im Ansatz interessantes Mutter-Tochter-Drama mit Maria Furtwängler als fünfzigjährigem Teenager – die sich hier sogar einen lang gehegten Wunsch erfüllen darf: Sie singt jetzt auch.

Maria Furtwängler (links) und Tijan Marei als Mutter und Tochter in „Nachts baden“ Foto: ARD
Maria Furtwängler (links) und Tijan Marei als Mutter und Tochter in „Nachts baden“ Foto: ARD

Stuttgart - Die Studentin Jenny (Tijan Marei) ist in so ziemlich jeder Hinsicht das Gegenteil ihrer Mutter Pola (Maria Furtwängler), einer alternden Rocksängerin, die auf Mallorca lebt. Bei Gegenwind drohen Panikattacken, ständig erstellt Jenny Listen, zum Beispiel über „Dinge, die ich wirklich nicht brauchen kann“ („eine Mutter, die immer nur stresst, weil sich alles um sie dreht“). Um sich auf den Bachelor vorzubereiten, fliegt Jenny mit ihrem Kommilitonen Kasimir (Jonathan Berlin) nach Mallorca, wo Pola ein großzügiges Anwesen besitzt – doch die Mutter ist nicht wie gedacht auf Tournee, und nun bietet sich beiden unverhofft die Gelegenheit, sich auszusprechen. Das ist aber gar nicht so einfach, weil Pola Probleme am liebsten wegtrinkt. Dass Kasimir in Jenny verliebt ist, macht die Sache nicht leichter. Und dann lässt sich die eigentlich scheue junge Frau auch noch auf Polas Manager und Ex-Freund Butzke (Karsten Antonio Mielke) ein.

Der Stoff ließe sich gleichermaßen als Drama wie auch als Sommerfilm im Stil französischer Provence-Komödien erzählen, und das sind eigentlich gute Voraussetzungen. „Nachts baden“ der Regisseurin Ariane Zeller, die das Drehbuch gemeinsam mit Ehemann Frank geschrieben hat, ist aber weder das eine noch das andere. Vermutlich schwebte den Zellers eine Tragikomödie vor, schließlich ist zumindest Pola kräftig überzeichnet, und der Kontrast zwischen Mutter und Tochter könnte in der Tat kaum größer sein. Da die Umsetzung jedoch ernsthafter ausgefallen ist als von der Regisseurin womöglich beabsichtigt, wirkt Pola wie ein grotesker Fremdkörper: Als habe sich ein Bajazzo in eine hochdramatische Tragödie verirrt.

Furtwängler klingt nicht, als würde sie seit 30 Jahren so reden

Maria Furtwängler wird als fünfzigjähriger Teenager ohnehin für viele Zuschauer gewöhnungsbedürftig sein, und das nicht nur, weil die meisten sie als stets kontrollierte, kühle Kommissarin kennen. Wie groß auch immer ihr Einfluss auf die Gestaltung der Rolle gewesen sein mag: Es klingt wenig glaubwürdig, wie Pola – Lieblingsadjektiv: „fucking“ – ihre Sätze ständig mit Anglizismen durchsetzt („es schmeckt delicious“). Natürlich soll das die Figur auf gewisse Weise diskreditieren, zumal sich Pola auch ganz normal ausdrücken kann, wenn sie mit ihrer Tochter ernste Themen bespricht, aber der Sprachgebrauch klingt eben nicht, als würde sie schon seit 30 Jahren so reden. Ansonsten ist die „Forever young“-Attitüde vor allem eine Frage des sehr überzeugenden Kostümbilds (Bettina Helmi).

Im Vergleich zu Pola muss Jenny fast zwangsläufig spießig wirken, und natürlich ist die Diskrepanz reizvoll: hier die flippige Mutter, dort eine komplett unentspannte Tochter voller Versagensängste. Entsprechend harsch fällt Jennys Reaktion aus, als ausgerechnet die „planlos in der Pampa“ lebende Pola ihr Ratschläge geben will. Dass Jenny die Nacht mit Butzke verbringt, kommt daher etwas überraschend und dient dramaturgisch vor allem als Spiegel für Pola, die sich ihrerseits an Kasimir ranmacht. Der unglücklich verliebte junge Mann, in dem Jenny nur einen guten Kumpel sieht, ist im Grunde die einzig normale Figur in diesem Reigen.

Am Ende singt sie – nicht mal schlecht

Dass Maria Furtwängler den Anstoß zu diesem Film gegeben hat, ist übrigens nicht überliefert, wohl aber, dass sie schon immer mal in einem Film singen wollte. Das tut sie gegen Ende auch, und zwar gar nicht mal schlecht. Beeindruckend ist auch die Leistung von Tijan Marei, die schon in der Degeto-Komödie „Maria, Argentinien und die Sache mit den Weißwürsten“ sehr positiv aufgefallen ist und diesen Eindruck als Titeldarstellerin der witzigen Tragikomödie „Ellas Baby“ (beides Freitagsfilme im „Ersten“) bestätigt hat. Gleiches gilt für Jonathan Berlin, der schon als zentrale Figur in „Kruso“ beeindruckend war.

25.10., ARD, 20.15 Uhr