Nachtschwärmer in Stuttgart Streetworker am Eckensee stellen Entspannung fest

Hat man sich aneinander gewöhnt? Am Eckensee geht es deutlich entspannter zu. Foto: picture alliance/dpa/Christoph Schmidt

Die Schwerpunktaktionen der letzten Wochen in der Innenstadt scheinen zu wirken – jedenfalls scheint sich auch der Umgangston zu verändern.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Stuttgart - Hat sich die Lage in der Innenstadt wieder völlig eingerenkt? Nicht nur die Polizei, sondern auch die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit haben ein geradezu entspanntes Wochenende registriert. „Die Polizeikontrollen sind in einem sehr netten Rahmen und mit gegenseitigem Respekt abgelaufen“, sagt Streetworker Axel Kreutle. Zwei Wochen zuvor sei der Ton noch in Teilen aggressiver gewesen. „Das hätte man nicht erwartet, dass das in so kurzer Zeit passt“, sagt der erfahrene Sozialarbeiter, der schon beim vor Jahren eingestellten City Streetwork unterwegs gewesen ist. Vielleicht sei das aber auch nur eine Momentaufnahme.

 

Der Blick geht auch nach Karlsruhe

Die Polizei war wieder mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz – obwohl sich das Gesamtgeschehen diesmal nicht nur auf Stuttgart konzentriert hat. In Karlsruhe musste die Zahl der Kräfte hochgefahren worden, weil dort am Wochenende zuvor eine Polizeikontrolle fast eskaliert wäre. 50 Personen hatten sich auf die Seite eines 24-Jährigen gestellt, der die Beamten als „Hurensöhne“ bezeichnet hatte. An diesem Wochenende setzte die Karlsruher Polizei die Schließung des dortigen Schlossgartens nach Einbruch der Dunkelheit konsequent durch, 500 Besucher zogen von dannen. Ruhig blieb es auch in Frankfurt am Opernplatz.

Verlagerung Richtung Schlossplatz

In Stuttgart ist die Atmosphäre am Eckensee offenbar so entspannt, dass die Polizei den Platz nach Mitternacht nicht komplett räumen muss. Vielmehr habe man nach Beobachtung der Streetworker lediglich eine Art Sperrstunde ausgerufen. Nur wer noch weiter Alkohol trinken wollte, wurde darauf hingewiesen, das dann woanders zu tun. Allerdings sei nach 1 Uhr nicht mehr so viel am Eckensee los gewesen. Wohin sich die Eckensee-Klientel danach verlagert, ist noch unklar. „Es sind dann mehrere Grüppchen, die zum Schlossplatz oder Richtung Hauptbahnhof ziehen“, sagt Axel Kreutle von der Mobilen Jugendarbeit.

Und wie geht es jetzt weiter?

Die Sozialarbeiter stellen „eine gewisse Langeweile“ unter den Jugendlichen fest. Nun gehe es darum, die Kontakte zu vertiefen und Angebote zu überlegen. „Die jungen Leute sind ansprechbar“, sagt Kreutle, „und offen dafür, dass jemand nach ihnen guckt.“

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