Nachtzüge in Europa Wir brauchen ein besseres Nachtzug-Angebot
Im Klimapaket der Bundesregierung fehlt ein wichtiger Punkt, findet Thomas Wüpper: ein attraktives Netz für Nachtzüge. Unsere Nachbarländer machen vor, dass das funktionieren kann.
Im Klimapaket der Bundesregierung fehlt ein wichtiger Punkt, findet Thomas Wüpper: ein attraktives Netz für Nachtzüge. Unsere Nachbarländer machen vor, dass das funktionieren kann.
Berlin - Nachtzüge? Wer braucht denn so was? Warum zehn Stunden Zug fahren, wenn der Flieger viel schneller und oft obendrein noch billiger ist? So denken viele – und konnten sich lange bestätigt fühlen, weil die Flugreise als schick und die Bahn als altmodisch galt. Mit häufig allzu dürftigen Angeboten hat gerade die Deutsche Bahn diesen fatalen Trend noch verstärkt.
Doch seit der Klima- und Flugschamdebatte und den Fridays-for-Future-Protesten weht ein neuer Wind in Deutschland. Um ein Zeichen zu setzen, verzichtet die junge Klima-Aktivistin Greta Thunberg auf das umweltschädliche Fliegen, fährt zu Konferenzen lieber 40 Stunden mit dem Zug oder gar mit dem Segelschiff über den Atlantik. Was symbolisch zeigen soll: Es geht auch anders.
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Tatsache ist: Nachtzüge können eine prima Alternative sein, gerade zu den besonders schädlichen Kurzflügen im Inland oder in Nachbarländer. Im besten Fall steigt man abends in den Zug, macht sich auf der Liege oder im privaten Abteil lang, spart die Kosten für eine Nacht im Hotel und kommt am nächsten Morgen ausgeschlafen und pünktlich mitten im Stadtzentrum an. Das schöne Gefühl, etwas Gutes für die Umwelt getan zu haben, gibt es gratis dazu.
Doch die Politik verschläft das Thema bis heute, wie das dürftige Klimapaket der Bundesregierung zeigt. Längst hätte ein attraktives Nachtzugnetz in ganz Europa durch politische Allianzen mit den Mitgliedstaaten gefördert werden können. Zum Beispiel durch sehr niedrige Trassenpreise, einheitliche Buchungssysteme und hohe Investitionszuschüsse für Liege- und Schlafwagen.
Doch kaum etwas ist passiert. Im Gegenteil: Unter den Augen der Regierung Merkel durfte der frühere DB-Chef Rüdiger Grube sogar alle Nacht- und Autozüge komplett einstellen, ähnlich wie sein Vorgänger Hartmut Mehdorn die beliebten Interregio-Züge. Nun fehlen überall Kapazitäten – ein Beispiel für die desaströse deutsche Verkehrspolitik.
Der zuständige Minister Andreas Scheuer betont, er wolle für mehr Klimaschutz „keine Verbote, sondern Angebote“. Nun: Gerade hat der CSU-Mann der Bahn mit dem Klimapaket elf Milliarden Euro frisches Kapital aus der Staatskasse versprochen – bisher ohne Bedingungen. Mit dieser Summe könnte bei richtigem Einsatz ein viel attraktiverer Zugverkehr organisiert werden – auch in der Nacht.