Nachverdichtung in Leinfelden-Echterdingen „Die Ablehnung hat mich nicht überrascht“

Von Thomas Krämer 

Baubürgermeister Frank Otte bilanziert die heftigen Debatten zur Innenverdichtung in der Stadt. Geärgert hat er sich über disqualifizierende Äußerungen.

Bei vier Veranstaltungen hatte die Stadt Ideen für eine Nachverdichtung präsentiert – und dafür Kritik der Besucher geerntet Foto: Krämer
Bei vier Veranstaltungen hatte die Stadt Ideen für eine Nachverdichtung präsentiert – und dafür Kritik der Besucher geerntet Foto: Krämer

Leinfelden-Echterdingen - Seit etlichen Monaten beschäftigt das Thema Innenverdichtung die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen. Im Herbst wurden der Bevölkerung Pläne vorgestellt, wo nach Ansicht der Planer in bestehenden Wohngebieten weitere Gebäude entstehen könnten. In den vergangenen Wochen tingelten Baubürger-meister Frank Otte sowie Vertreter des Stadtplanungsamtes durch die einzelnen Stadtteile, um die Pläne nochmals vorzustellen und die Meinung der Grundbesitzer zu hören.

Und die war, wie sich herausstellte, überwiegend negativ. „Die Ablehnung hat mich nicht überrascht“, sagt Otte eine Woche nach der letzten Veranstaltung in Stetten. Zu solchen Veranstaltungen kämen im Allgemeinen nur Menschen, die bestimmte Besitzstände haben und diese wahren wollen. „Die Zielgruppe erreichen wir dabei nie“, ergänzt er mit Blick auf die Menschen, die Wohnraum in der Filderkommune suchen.

Fachleute wurden ausgelacht

Überrascht sei er jedoch gewesen, wie disqualifizierend manche Äußerungen der Bürger gewesen seien. „Es hat mich geärgert, wie die berufliche Qualifikation der Planer beurteilt wurde“, sagt Otte. Für „unverschämt“ hält er es, dass die Fachleute zum Teil für ihre Vorschläge ausgelacht wurden. Es sei nie darum gegangen, schon jetzt auf Details einzugehen. „Das Ziel war, die Möglichkeiten einer Nachverdichtung aufzuzeigen“, betont der Baubürgermeister. Allerdings räumte er ein, dass die Planer nicht immer die Sprache der Bürger gesprochen hätten, sondern bisweilen in ihre Fachsprache verfallen seien.

Zudem macht der Erste Bürgermeister auch den „Druck der Masse“ für die überwiegend kritischen Stimmen verantwortlich. „Im Nachhinein haben sich einige Bürger anders geäußert als während der Veranstaltungen“, sagt er. Kritik äußert er an Anwohnern, die bereits in der zweiten Reihe gebaut und damit Vorgaben für andere geschaffen hätten. Genauso wenig könnten manche Besitzer von großen Grundstücken sich nicht vorstellen, dass man auch mit einem 200-Quadratmeter-Besitz zufrieden sein könne.

Auf vielen Flächen könnte heute schon gebaut werden

Zwei Ziele wolle man nach wie vor mit der Innenverdichtung erreichen. „Es geht darum, den immensen Flächenverbrauch zu reduzieren. In Baden-Württemberg wird im Jahr die Fläche von 3500 Fußballfeldern überbaut“, verdeutlicht er seine Aussage. Im Jahr 2010 seien das täglich 6,6 Hektar gewesen. „Die Neuausweisung wird zunehmend schwieriger“, sagt er und sieht die Landwirte als doppelt Leidtragende. „Bei manchen Bürgern herrscht leider das Sankt-Florians-Prinzip“, ergänzt Otte.

Außerdem wolle man mit den Planungen zur Innenverdichtung Fehlentwicklungen vermeiden. Auf etlichen Flächen könne schon heute gebaut werden. „Damit werden Tatsachen geschaffen, die auf Nachbarflächen das Baurecht nehmen“, erläutert der Baubürgermeister und spricht von „Schlüsselgrundstücken“. Mittlerweile gebe es auf zwei, drei von den zur Innenverdichtung angedachten Flächen Interesse an einer Bebauung.

Über die Frage, ob es ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber den Stadtplanern gebe, muss Otte kurz nachdenken. „Stadtplanung geht am meisten in den Bereich der Grundbesitzer hinein“, sagt er. Es sei eine weit verbreitete Einstellung, dass ein Eigentümer mit seinem Grundstück machen könne, was er wolle, aber bei anderen mitsprechen will. „Gute Stadtplanung,“ betont Otte seinen Grundsatz, „muss sich aber an den Zielen der Stadt orientieren“.

Bürgerbeteiligung noch früher ansetzen?

Der Aufwand für Veranstaltungen wie die zur Innenverdichtung sei riesig. „Vielleicht müssen wir die Bürgerbeteiligung noch früher anfassen, wenn die Pläne noch nicht so konkret sind“, sagt Otte. In einer solchen, eher informellen Phase könnte das Verantwortungsgefühl für die Stadt und die städtebaulichen Ziele noch größer sein. „Ich glaube jedoch nicht“, so Otte, „dass das Verständnis größer wird, wenn anschließend konkrete Pläne vorgelegt werden.“




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