Es war eines jener Papiere, mit denen Manuel Hagel sich und die Landtags-CDU zu profilieren sucht. Nach einem Besuch beim Landeskommando der Bundeswehr in Stuttgart formulierte der Fraktionschef ein klares Bekenntnis zu den Streitkräften. Diese verdienten „unsere ganze Aufmerksamkeit und Wertschätzung“ und brauchten „endlich wieder ein Upgrade, sowohl bei der Ausstattung als auch in der Wahrnehmung der Gesellschaft“.
Einen Vorschlag dafür lieferte Hagel gleich mit. Die Armee solle auch „als attraktive, spannende und sinnstiftende Arbeitgeberin sichtbar sein“. Dem könne etwa der Besuch eines Jugendoffiziers in Uniform an den Schulen dienen; bisher entscheidet jede Lehrkraft selbst darüber. So ließen sich „früh Vorurteile bekämpfen“ und „das Interesse für einen Dienst für unsere Gesellschaft wecken“, empfahl der CDU-Mann. An den Schulen künftige Soldaten rekrutieren? Genau das will man bisher vermeiden. „Die Jugendoffiziere dürfen nicht für den Dienst in der Bundeswehr werben“, heißt es in einer Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2014. Doch für die Deutsche Friedensgesellschaft haben die Auftritte „natürlich auch einen Werbecharakter“. Auch der Verband Bildung und Erziehung zeigte sich skeptisch: Es gebe an den Schulen bereits genügend Plattformen, wo sich verschiedene Berufsbranchen präsentieren könnten.
Jobwerbung ist für Jugendoffiziere tabu
Doch die Bundeswehr ist gar nicht auf die Schulen angewiesen, um bei jungen Leuten für sich zu werben. Dieser Tage erhalten alle Jugendlichen, die nächstes Jahr 18 werden, Post vom Amt für Personalmanagement. „Hi“ und mit Vornamen werden sie auf der Karte angesprochen: „Vielleicht weißt du noch gar nicht, welche wichtigen und sinnvollen Jobs es bei der Bundeswehr gibt.“ Deswegen habe man „ein paar der besten Informationsmöglichkeiten herausgesucht“. Auf der in Smartphone-Optik gestalteten Vorderseite müsse man dazu nur einen QR-Code scannen. „Kein Small Talk, nur Facts“ verspricht der „Arbeitgeber Bundeswehr“.
Die heikle Frage nah Auslandseinsätzen
Näher kennenlernen könnten die jungen Menschen diesen am 17. Juni, wenn am „Tag der Bundeswehr“ auch ein Talentscout angeboten wird. An zehn Standorten winkten da „exklusive Blicke hinter die Kulissen“. Dort gebe es „actiongeladene Events aus der ersten Reihe“ zu verfolgen oder gratis Armeeverpflegung zu verkosten. In Baden-Württemberg lockt das ABC-Abwehrkommando in Bruchsal mit „Mega-Spaß“: Ob man die Panzerhaubitze 2000 in Aktion sehen oder im „Streichelzoo“ den Leopard-Panzer besuchen wolle – „hier gibt’s Defensiv-Power ohne Ende“.
Deutlich nüchterner klingt es, was auf der zugehörigen Webseite im Elternbereich erläutert wird. Dort werden auch jene Fragen angesprochen, die beim Umwerben der Jugendlichen nicht im Vordergrund stehen – zum Beispiel: „Muss mein Kind an Auslandseinsätzen teilnehmen?“ Antwort: ja, ab zwölf Monaten Verpflichtung sei die Bereitschaft dazu Bedingung, es müsse aber nicht zwangsläufig dazu kommen. Wer über die Direktansprache des Nachwuchses irritiert ist, wird auf der Karte über die Rechtsgrundlage aufgeklärt: Nach dem Soldatengesetz übermittelten die kommunalen Meldebehörden einmal jährlich die Daten jener Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit, die im Folgejahr volljährig würden – sofern kein Widerspruch vorliege.
„Gerne schon den Eltern vorstellen“
Anders als bei den Vätern der jungen Leute, für die noch die Wehrpflicht galt, gibt sich die Bundeswehr heute großzügig. „Wir freuen uns, wenn für dich etwas dabei ist“, endet das Anschreiben. „Aber wenn nicht, ist das auch o. k.“ Als ginge es um eine neue Freundin, folgt noch ein PS: „Du darfst uns gerne schon deinen Eltern vorstellen.“
Zuspruch für den CDU-Vorstoß zugunsten der Jugendoffiziere gab es übrigens von der FDP im Landtag, aber mit kritischem Unterton. Die Liberalen forderten schon lange, dass an den Schulen Vorbehalte gegen die Bundeswehr abgebaut würden; in Zeiten des Ukraine-Kriegs sei das wichtiger denn je. Noch hilfreicher als das verbale Bekenntnis wäre es, wenn Hagel & Co in der Koalition entsprechend aktiv würden.