Nachwuchs-Rennfahrer aus Gerlingen Der Weg in die Profi-Karriere ist schwer

Von Yannik Buhl 

Laurents Hörr aus Gerlingen will Profi-Rennfahrer werden. Doch der Weg dorthin ist schwer. Der 20-Jährige stößt deshalb immer wieder an Grenzen – und am Ende geht es vor allem ums Geld.

Leonberg - Irgendwann kommt sie immer bei jungen Sportlern: die Frage nach großen Vorbildern. Selbstverständlich fallen Laurents Hörr da ein paar Namen ein: Der Formel-1-Pilot Fernando Alonso etwa, aber auch Marc Lieb, der Stuttgarter, der mit Porsche letztes Jahr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hat. Vor allem aber ist es jemand, den weniger Menschen kennen als Alonso und Lieb: „Der mit den langen Haaren da“, sagt der 20-Jährige und deutet grinsend auf den Vater, Oliver Dutt.

Vater und Sohn sind ein Team, nicht nur im familiären Sinne. Die zwei sind auch ein Rennteam. Gemeinsam mit einer Handvoll Freunden arbeiten sie daran, Hörr eine Karriere im Rennsport zu ermöglichen. Es ist ihr Traum, ihm ordnen sie alles unter. So fahren sie nach Feierabend in die Werkstatt nach Leonberg, schrauben nicht selten bis Mitternacht am Rennauto. Sie reisen in der Rennsaison einmal im Monat mit dem 40-Tonner-Lkw und dem Auto hinten drin quer durch Europa zu Hörrs Rennen. Sie kämpfen um jeden Sponsor, um jede öffentliche Warnehmung. Doch immer wieder stellen sie fest: Der Weg in die Profi-Karriere ist schwer.

Als Einziger aus der Region Stuttgart vertreten

Hörr fährt dieses Jahr als Einziger aus der Region Stuttgart in der Formel Renault 2.0, eine Klasse unter der Formel 3. Dieses Wochenende sind Hörr und Dutt beim Rennen im portugiesischen Estoril, es ist das letzte dieser Saison. „Die Konkurrenz ist gigantisch“, sagt Hörr. Deshalb gilt die Formel Renault 2.0 auch als einer der wichtigsten Schritte in Richtung Profikarriere. Schon hier arbeiten einige Fahrer mit einem Budget von bis zu 1,5 Millionen Euro. Dagegen muss man erst mal ankommen. „Ich habe 60 000 Euro zur Verfügung, ein Viertel erarbeite ich selbst“, sagt der Gerlinger. Der Rest kommt von Sponsoren, meist mittelständische Betriebe aus der Region, mit denen Hörr oder Dutt befreundet sind.

Den gesamten Rennbetrieb – Planung, Vorbereitung, Reparaturen – stemmen Hörr, Dutt und einige Freunden alleine. „Da gehen viele Urlaubstage für mich drauf“, sagt Hörr ein wenig zerknirscht. Ein Vorteil ist, dass Oliver Dutt eine Kfz-Werkstatt betreibt und selbst lange Rennen gefahren ist. So verfügen sie zumindest über das nötige Know-how. „Ich bin für das Fahren zuständig, mein Vater für alles Technische“, sagt Hörr.

Fahren, fahren, fahren – nur so wird man besser

Ohne Geld wäre der Traum schnell ausgeträumt. „Profi wird man durch Erfahrung“, sagt Hörr. Und die erkaufen sich junge Rennfahrer, indem sie jedes Jahr fahren und fahren und fahren. Das ist teuer. „Man kann sagen, dass allein ein Trainingstag auf einer Rennstrecke 5000 bis 7000 Euro kostet“, erklärt Hörr. Man müsse einen Ingenieur bezahlen, brauche zwei Sätze Reifen, müsse tanken, und auf die Strecke dürfe man natürlich auch nicht umsonst.

Nun sitzt Hörr in der Werkstatt neben seinem Rennwagen und wirkt ernüchtert und entschlossen zugleich. Er sagt: „Das Einzige, was ich kann, ist Auto fahren, es ist meine Berufung.“ Schon immer sei es seine „Droge“ gewesen. Mit fünf drehte er das erste Mal im Kart seine Runden. Heute studiert Hörr zwar 3-D-Design und Animation in Stuttgart. Doch in Wahrheit nimmt der Rennsport seinen gesamten Alltag ein. Geld verdient er, indem er jüngere Fahrer beim Einstieg im Kart berät, sie zu Rennen begleitet und ihr Material vorbereitet.

Auf der Suche nach Sponsoren

Klar, sagt Hörr, die Formel 1 sei ein Traum. „Dafür bräuchte ich aber bald mehr Sponsoren.“ Eine langfristige Alternative sei die Formel E mit ihren Elektroautos, die reize ihn sehr. Nächstes Jahr soll es zunächst voraussichtlich in die Klasse Le Mans Prototyp 3 gehen. „Aber auch das hängt davon ab, welche Sponsoren ich finde“, sagt Hörr.