Nachwuchsforscherin Ein Käpsele mit Boller Wurzeln
Die Nachwuchsforscherin Julia Trapp kann mit ihrer Entdeckung möglicherweise die Welt verändern. Ihr Vater ist der Chemieprofessor Oliver Trapp aus Bad Boll.
Die Nachwuchsforscherin Julia Trapp kann mit ihrer Entdeckung möglicherweise die Welt verändern. Ihr Vater ist der Chemieprofessor Oliver Trapp aus Bad Boll.
Ihre Entdeckung kann die Welt verändern. Dann braucht es den zerstörerischen Lithium-Abbau in Chile nicht mehr. Den erbarmungswürdigen Abbau in den Kobalt-Minen im Kongo auch nicht. Julia Trapp aus Bayern hat einen vielversprechenden Stoff für die Batterie der Zukunft gefunden, der ungiftig ist, nicht brennbar und der ohne seltene Erden auskommt. Dafür wurde sie als einzige Nachwuchsforscherin aus Deutschland zur Nobelpreis-Feier nach Stockholm eingeladen. Dort war sie Gast, was eine hohe Auszeichnung ist, und beim begleitenden „Youth Science Seminar“ für Forschungstalente aus aller Welt stellte sie ihr Projekt vor. Vor 600, 700 Zuhörern plus 300 im Livestream. Vorausgegangen waren Preise bei Jugend forscht.
Julia Trapp ist noch Schülerin. Mit gerade mal 18 Jahren hat sie schon zum zweiten Mal den Landespreis von Bayern geholt, und das war’s noch nicht: Auf Bundesebene wurde sie einmal Zweite und einmal Dritte. Nochmal erfolgreicher war sie mit dem weltweit vierten Platz bei der „International Science and Engineering Fair“ in Los Angeles.
Es wurde ihr in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist Oliver Trapp, Chemieprofessor aus Bad Boll. Seine Tochter tritt buchstäblich in seine Fußstapfen. Oliver Trapp war als Schüler am Göppinger Mörikegymnasium auch schon Preisträger bei Jugend forscht, hat dann Furore gemacht mit dem Innovationspreis Nordrhein-Westfalen und mit Grundlagenforschung auf Spitzenniveau, für die er EU-Fördergelder von knapp 1,5 Millionen bekam. Er hält auch einige Patente. In der Welt der Moleküle ist auch sein Sohn Alexander zu Hause. Der trat mit der jüngeren Schwester Julia vor drei Jahren bei Jugend forscht an, gemeinsam waren sie erfolgreich. Mittlerweile schlägt sein Herz für die Wirtschaftswissenschaft, er studiert in Ulm. Das dürfte für das Geschwister-Team noch ungemein wertvoll sein. Denn: „Er kümmert sich um die Vermarktung“, verrät der Vater. Da strecken sie schon ihre Fühler aus. Julia Trapp hat ihre Entdeckung als Patent angemeldet.
Entdeckung oder Erfindung: Es ist beides. Und am Anfang stand eine starke Idee. Oliver Trapp, Chemieprofessor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, weiß: „Weltweit wird nach organischen Stoffen für die Batterie gesucht. Das ist ein heißumkämpftes Gebiet. Aber niemand hat bisher daran gedacht, zu fragen: Wie macht es eigentlich die Natur?“ Der Mensch habe in den Zellen Energiespeicher, die gefüllt und abgerufen werden. Leben wäre sonst nicht möglich. Da gibt es zwei Stoffe, sagt Trapp: das ATP und das NADH. Mit dem letzteren haben es die Geschwister Trapp beim ersten Jugend-forscht-Antritt probiert. Da schauten sie: Kann man aus der Hefe, in der es vorkommt, durch Vergärung einen Energieträger gewinnen? Einen, der elektrische Ladung stabil speichern kann. Da ging auch schon was.
Interessant wurde es, als Julia Trapp an den Kern dieses relativ komplizierten Moleküls NADH heranging und auf das Nicotinamid kam. Das ist, auch wenn der Name Nicotin drinsteckt, ein lebenswichtiger Stoff, nämlich das Vitamin B 3. Das erwies sich als Zwischenschritt. Als 17-Jährige hat Julia Trapp ein verändertes Nicotinamid entwickelt, das man bisher nicht kannte oder nicht beachtete, und das ist der Knüller. Das ist ein schlankes Molekül, das sich mit Strom aufladen lässt, sagt Professor Trapp. Praktisch ein reiner Energieträger, ohne unnötigen Ballast in der Molekül-Struktur. Das mache den Stoff nicht nur effizient, sondern auch leicht. Zum Vergleich: „Lithium braucht eine immense Ummantelung, weil es sonst brennen würde“, sagt Trapp. „Das macht das Gewicht der Lithium-Batterien aus.“ Er ist davon überzeugt, dass der Stoff, den seine Tochter gefunden hat, mit heutigen Batterien mithalten kann. Dann könnte man all die Nachteile von Lithium und Co. vergessen, auch die Abhängigkeit von diesen Rohstoffen.
Und es kommt sogar noch besser: Die Produktion dieser organischen Batterie – es gibt dafür noch keinen Namen – geht mit Basis-Chemikalien, sagt Professor Trapp. Die habe man schließlich endlos zur Verfügung auf der Welt. Den Batteriestoff könne man großtechnisch herstellen. Zu einem marktfähigen Preis.