Den Traum vom Fußballprofi träumen viele Kinder – doch nur die allerwenigsten erreichen dieses Berufsziel auch. Foto: VfB
143 Bundesligaspieler hat die Jugend des VfB Stuttgart bis heute hervorgebracht. Jetzt stellt der Verein die Ausbildung in seinem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) detailliert in einem 50-seitigen Leitfaden vor.
Die Erfolge des Nachwuchses des VfB Stuttgart können sich ja bekanntermaßen sehen lassen: Zehnmal wurden die U-19-Junioren deutscher Meister, was nationalen Rekord bedeutet. Siebenmal holte die U 17 den Meistertitel an den Neckar, nur Borussia Dortmund war hier einmal erfolgreicher.
Um sich Eltern potenzieller neuer Spieler, aber auch den Fans und interessierten Fußballfreunden einmal näher vorzustellen, gewährt der Verein nun detaillierte Einblicke in die Arbeit seines Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Dies geschieht in Form einer 50-seitigen Publikation, die es im Internet einzusehen gibt. Was genau passiert fußballerisch im Grundlagenbereich der Ausbildung? Wie funktioniert das Bildungskonzept mit den Partnerschulen? Wo ist der Fahrdienst unterwegs? All dies und mehr sind Fragen, welche der VfB in seiner neuen Broschüre des NLZ beantwortet.
„Der Traum, eines Tages Profifußballspieler zu werden, lebt in sehr vielen Kindern“, schreibt Stephan Hildebrandt, der Direktor des NLZ, in seinem Vorwort: „Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass nur ein sehr geringer Teil der Nachwuchsspieler dieses große Ziel erreichen wird. Aus diesem Grund folgt das Ausbildungskonzept einem ganzheitlichen Ansatz, an dessen Ende nicht nur starke Fußballspieler, sondern auch gefestigte Persönlichkeiten stehen sollen, die im Leben alle Möglichkeiten haben.“
Größen wie Khedira, Gomez oder Kimmich
42 A-Nationalspieler, Champions-League-Sieger wie Sami Khedira, Joshua Kimmich, Mario Gomez, Serge Gnabry, Timo Werner, Antonio Rüdiger, Holger Badstuber und Sven Ulreich, sowie Welt- und Europameister wie Khedira, Hansi Müller und Karlheinz Förster hat die Stuttgarter Talentschmiede über die Jahrzehnte bisher hervorgebracht; 143 Spieler, die mindestens ein Jahr bis zur U 19 in der Jugend des VfB verbracht haben, sind bisher in der Bundesliga zum Einsatz gekommen.
Aber auch spätere Bundesliga- und Nationaltrainer wie Ralf Rangnick, Thomas Tuchel, Domenico Tedesco, Thomas Schneider, Tayfun Korkut oder Jens Keller haben einst die VfB-Fußballjugend mit ihrem Wissen bereichert und ihren Weg mitgeprägt. Ziel des VfB ist es dabei unter dem Motto der „Jungen Wilden“, die besten Talente aus der Region, dem Großraum Stuttgart, zu finden, um diese letztlich im Optimalfall in die Lizenzspielermannschaft in der Bundesliga zu integrieren.
„Zu unserer Ausbildung zählt aber noch mehr als Technik, Taktik und Tore. Unsere Philosophie umfasst drei Säulen: Sport, Schule und Beruf sowie Persönlichkeitsentwicklung“, heißt es in dem Leitfaden: „Die schulische Bildung und die Vermittlung sozialer Kompetenzen haben in unserem NLZ einen hohen Stellenwert.“
Daher arbeitet der VfB mit Partnerschulen und eigens engagierten Pädagogen zusammen, welche die Spieler neben dem Präsenzunterricht an der Schule und dem Training auf dem Platz zusätzlich auf dem VfB-Campus oder dem Teilzeitinternat unterrichten. Mit Erfolg: In den vergangenen elf Jahren erreichte jeder Spieler, der den Jugendbereich zum Ende der U 19 verließ, mindestens die mittlere Reife; 84 Prozent machten das Abitur oder Fachabitur.
Kooperation mit Partnerschulen
Beim VfB beginnt die fußballerische Ausbildung mit regelmäßigem Training auf dem Clubgelände in der Altersklasse U 11, daher wird bereits in den Altersklassen von der U 8 an, wo es Perspektivteams gibt, intensiv durch die Scouts des Vereins gesichtet. Drei Trainingseinheiten stehen hier pro Woche an, ehe dieses Pensum beim Übergang auf das Großfeld auf bis zu sechs Einheiten pro Woche gesteigert wird. Von der U 15 an bestehen dann Kooperationen mit Partnerschulen, etwa der Kolping-Schule oder der Cotta-Schule, und es gibt die Möglichkeit, ins Internat des VfB einzuziehen.
In den Leistungsbereich geht die Ausbildung letztlich von der U 17 an, wo die VfB-Teams in den Nachwuchsligen des DFB in den bundesweiten Wettbewerb eintreten. Hier wird bis zu sieben Mal in der Woche trainiert – und die jungen Fußballer werden schrittweise an den Hochleistungsbereich im Herrenfußball herangeführt.
Zuletzt war die U 19 des VfB mit Lauri Penna (re.) dem FC Liverpool einen Schritt voraus. Foto: Imago//Pressefoto Rudel/Robin Rudel
Aktuell mit Erfolg auf höchstem Niveau. Weil sich die Profis für die Champions League qualifiziert hatten, tritt die U 19 des VfB in dieser Saison zusätzlich zum nationalen Betrieb in der Uefa Youth League gegen internationalen Spitzennachwuchs an. Nach dem sich das Team von Nico Willig in der Ligaphase durchgesetzt hatte, wurde zuletzt der FC Liverpool in der ersten K.o.-Runde nach einem 2:2 in der regulären Spielzeit mit 7:5 nach Elfmeterschießen besiegt. Im Achtelfinale tritt die U 19 nun am 5. März bei Sporting Lissabon an.
Allerdings hat die Ausbildung junger Talente beim VfB auch ihren Preis. Rund zwölf Millionen Euro lassen sich die Stuttgarter ihr NLZ pro Jahr kosten.