Marbella - Das erste Mal, als der Sportdirektor Sven Mislintat erlebt hat, wie Luca Mack als Fußballer wirklich tickt, lief das Finale um die deutsche A-Junioren-Meisterschaft. Es war der 2. Juni des vergangenen Jahres, und der Nachwuchsspieler des VfB Stuttgart war kurz zuvor wegen einer Notbremse mit Rot vom Platz geflogen. Der Innenverteidiger hatte sich für sein Team geopfert.
Dennoch bemerkte Mislintat in Großaspach schnell, dass Mack noch mittendrin statt außen vor war. Auch wenn er seine Defensivqualitäten, seine Spielintelligenz und sein Organisationsvermögen nicht mehr direkt einbringen konnte. Mack musste zwar den Innenbereich der Arena verlassen, aber der damalige VfB-Kapitän versuchte seine Mitspieler unermüdlich von der ersten Tribünenreihe aus zu unterstützen. Er sprang auf, er schrie, er coachte. Alles, um den Titel gegen Borussia Dortmund zu gewinnen. Vergeblich.
Luca Mack kämpft sich wieder heran
Wenige Wochen später präsentierte sich der 19-Jährige im ersten Trainingslager unter Tim Walter ebenfalls gut. Lernwillig und mit rascher Auffassungsgabe. Mack schien an dem Punkt, an den sich viele Jungs wünschen. Wohl nur seine Sperre verhinderte, dass er zu seinem Profidebüt kam. Wenig später brach er sich jedoch in einer Oberliga-Partie für die zweite Mannschaft den Außenknöchel. Jetzt, fünf Monate später, kämpft er sich in Marbella an seine Form heran. „Es war meine erste erwähnenswerte Verletzung, und die Reha-Zeit kam mir viel länger vor, als sie es tatsächlich war“, sagt Mack.
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Schritt für Schritt geht es nur voran. Nach einer langen Ausfallzeit ebenso wie im Entwicklungsprozess eines Eigengewächses. Zarte Pflänzchen sind das, die in Stuttgart wieder verstärkt gehegt und gepflegt werden sollen, um sie im Profibereich zur vollen Blüte zu bringen. Das gehört zum Auftrag des neuen Trainers Pellegrino Matarazzo. „Wir wollen nicht nur darüber reden, dass wir die eigenen Jungen ins Profiteam einbauen wollen, sondern wir wollen es umsetzen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger. „Es geht darum, ihnen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich am besten entwickeln können“, erklärt Mislintat.
Lilian Egloff könnte schon bald debütieren
Für Lilian Egloff könnte diese Bühne schon bald die zweite Liga sein. Trotz seiner erst 17 Jahre. Egloff hat stets Altersklassen übersprungen, er gilt als Versprechen für die Zukunft. Der Mittelfeldspieler bringt eine außergewöhnliche Fußballbegabung mit. Er erfasst Spielsituationen blitzschnell, er stößt in Räume, die anderen verschlossen bleiben. Mit Ball am Fuß und großer Selbstverständlichkeit.
Deshalb muss man beim VfB kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass Egloff auch nach den Tagen in Spanien im Profikader bleiben wird. Selbst wenn geplant ist, dass er weitere Einsätze in der U 19 oder der U 21 erhält, um Spielpraxis zu erhalten und auch persönlich voranzukommen. In den Nachwuchsmannschaften nimmt Egloff eine ganze andere (verantwortungsvollere) Rolle ein als an der Seite von Mario Gomez oder Daniel Didavi.
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24 Spieler plus fünf eigene Talente lautet die VfB-Rechnung für die Zeit in Andalusien. Wobei Mack schon zur ersten Gruppe zählt, weil er im vergangenen Sommer aufgerückt ist, und Egloff nun sportlich eine junge VfB-Bande anführt, zu der noch Florian Kleinhansl (19/Linksverteidiger), Nick Bätzner (19/Mittelfeldspieler), Antonis Aidonis (18/Innenverteidiger) und Sebastian Hornung (18/Torwart) gehören. „Sie machen ihren Job gut“, sagt Matarazzo. Und sie sollen die etablierten Spieler angreifen, damit sich möglichst bald schon wieder ein schwäbischer Jugendstil herausbilden kann.
Mehr Wertschätzung für die Talentschmiede
„Die Distanzen für die Einzelnen sind unterschiedlich“, sagt Mislintat, „aber sie haben alle die Chance, durch die Tür zu gehen, die wir geöffnet haben.“ Das ist das Bild, das der Sportdirektor in diesem Zusammenhang gerne verwendet. Für Aidonis, der in der Vorsaison bereits Bundesliga-Minuten sammelte, bedeutet es, dass er zwar noch robuster geworden ist, er aber den Ball noch schneller spielen soll, um sich zu verbessern. Für das Leichtgewicht Bätzner heißt es, sich eine Stufe höher körperlich durchzusetzen, ohne seine Geschmeidigkeit zu verlieren. Für Kleinhansl lautet die Aufgabe, sich mit all seinem Fleiß mehr Präzision in den Ballaktionen zu erarbeiten, und für Keeper Hornung, sich weiter zu strecken.
So soll sich eine neue Wertschätzung der eigenen Talentschmiede durch die bessere Durchlässigkeit nach oben bezahlt machen. Ohne die Geduld zu verlieren – was allgemein gilt, aber speziell für Mack und seine Situation. „Der Trainer hat mir mitgeteilt, dass ich mir keinen Druck machen soll“, sagt er. Der kommt von allein.
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