Nahost-Konflikt Viele Opfer durch Offensive in Gaza

Von SIR/dpa 

Weiter kein Einlenken im Nahost-Konflikt in Sicht. Israel hat seine Militäroffensive ausgeweitet. Dabei stiegen die Opferzahlen. 338 Menschen sind seit Beginn der israelischen Luftangriffe am 8. Juli bereits getötet worden.

Israel will trotz steigender Opferzahlen seine Offensive im Gazastreifen ausweiten. Foto: Getty Images Europe
Israel will trotz steigender Opferzahlen seine Offensive im Gazastreifen ausweiten. Foto: Getty Images Europe

Weiter kein Einlenken im Nahost-Konflikt in Sicht. Israel hat seine Militäroffensive ausgeweitet. Dabei stiegen die Opferzahlen. 338 Menschen sind seit Beginn der israelischen Luftangriffe am 8. Juli bereits getötet worden.

Gaza/Tel Aviv - Nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen ist die Zahl der Opfer unter den Palästinensern deutlich gestiegen. Unter den Bewohnern des Gazastreifens gebe es mittlerweile 338 Tote, wie der Leiter der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, am Samstag mitteilte. Zudem seien insgesamt 2380 Menschen verletzt worden. Die in der Nacht auf Freitag begonnene Bodenoffensive wird von den israelischen Streitkräften mit schwerem Raketenbeschuss unterstützt. In Israel starb bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser ein zweiter Zivilist an den Folgen seiner Verletzungen.

Vor der Bodenoffensive hatte es nach palästinensischen Angaben etwa 200 Tote in den eigenen Reihen gegeben. Die Gefechte zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas hatten vor zwölf Tagen begonnen.

Die israelische Armee weitete ihre Angriffe auf das Zentrum der dicht besiedelten Mittelmeer-Enklave aus. Die Hamas lehnt weiterhin die Bedingungen für eine Feuerpause ab. Ägypten will sein Vermittlungsangebot nicht nachbessern. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wollte am Samstag in den Nahen Osten reisen und sich für eine Waffenruhe einsetzen.

Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete traf am Samstag ein Haus in einem Beduinendorf nahe der südisraelischen Stadt Dimona. Ein 32 Jahre alter Mann starb. Zwei Kleinkinder im Alter von einem und vier Jahren sowie zwei 30 Jahre alte Frauen seien mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte Polizeisprecher Micky Rosenfeld mit. In der Nähe der Stadt befindet sich Israels Atomreaktor. Die Beduinen in der Negev-Wüste hatten sich zuletzt darüber beklagt, dass ihre oft ärmlichen Siedlungen nicht vom wirkungsvollen israelischen Raketenabwehrsystem „Eisenkuppel“ geschützt würden. Eine israelische Militärstreife wehrte am Samstag auf der israelischen Seite der Gaza-Grenze einen Angriff aus dem Untergrund ab. Eine Gruppe von Hamas-Kämpfern war aus einem Tunnelloch aufgetaucht - den dazugehörigen unterirdischen Stollen hatten die Islamisten unter der Grenze durchgegraben. Doch bevor die Islamisten eine der nahe gelegenen israelischen Ortschaften angreifen konnten, eröffnete die Streife das Feuer auf die Eindringlinge. Bei dem Gefecht wurde nach israelischen Angaben ein Angreifer getötet. Die anderen zogen sich durch den Tunnel nach Gaza zurück. Zwei israelische Soldaten erlitten Verletzungen.

Hamas-Kämpfer versuchen erneut Tunnel-Angriff

Es war der zweite derartige Angriff militanter Palästinenser durch einen Tunnel binnen drei Tagen. Am Donnerstag waren 13 Hamas-Kämpfer aus einem Tunnel beim grenznahen Kibbuz Sufa aufgetaucht. Ein israelischer Luftangriff hatte sie zur Umkehr gezwungen, bevor sie den Kibbuz angreifen konnten.

Die israelische Armee weitet ihre Angriffe auf das Zentrum des Gazastreifens aus. Sie rief die Bewohner der Flüchtlingslager Al-Bureidsch und Al-Maasi auf, ihre Unterkünfte zu verlassen. „Wir wollen die Operationen ausweiten und nach unseren Erfordernissen ausrichten“, sagte der israelische Generalstabschef Benny Gantz bei einem Besuch des Streitkräfte-Kommandos Süd in Beerscheva. Das Militär hat bisher etwa 2300 Ziele im Gazastreifen attackiert, rund 300 davon seit Beginn der Bodenoffensive in der Nacht zum Freitag.

Für die Zivilbevölkerung wird die Lage in der Mittelmeer-Enklave immer unerträglicher. Zur permanenten Todes- und Verletzungsgefahr gesellen sich lang anhaltende Stromausfälle und der Zusammenbruch der Wasserversorgung. Immer mehr Menschen fliehen vor den israelischen Angriffen. 50 000 Palästinenser hätten in den Schulen des Flüchtlingshilfswerks UNRWA Schutz gesucht, teilte UNRWA-Sprecher Chris Gunness am Samstag mit.

Israel will nach eigenen Angaben mit der Militäroffensive den täglichen Beschuss durch militante Palästinensergruppen unterbinden. Mit Bodentruppen versucht die Armee nach eigenen Angaben, zahlreiche Tunnel unter seiner Grenze zu dem Palästinensergebiet zu zerstören. Durch diese Tunnel wollen Hamas-Kämpfer nach Israel eindringen, um dort Anschläge zu verüben oder Menschen zu entführen.