Nahverkehr auf den Fildern Wie kann der neue Schnellbus bei Stau schnell sein?

Von und Götz Schultheiss 

Befürworter versprechen sich viel von Schnellbuslinien. Zwischen Stuttgart-Degerloch, Stuttgart-Fasanenhof und Filderstadt soll eine neue Linie eingerichtet werden. Doch wie kommt der Expressbus zu Stoßzeiten auf einer verstopften Bundesstraße voran?

Der Schnellbus X1 zwischen Bad Cannstatt und der City hat eine eigene Spur. Foto: picture alliance/dpa
Der Schnellbus X1 zwischen Bad Cannstatt und der City hat eine eigene Spur. Foto: picture alliance/dpa

Filder - Expressbusse gehören zu den neuesten Pfründen der öffentlichen Nahverkehrsplanung. Verschiedene neue Linien sind in und um Stuttgart geplant. Eine davon könnte langfristig quer über die Filderebene führen – wenn sie von einer bestimmten Anzahl an Fahrgästen angenommen wird. Von Degerloch nach Filderstadt und zurück, der Schnellbus mit dem Namen X7. Er soll als Ergänzung im öffentlichen Nahverkehr Pendlern werktags eine Alternative zum eigenen Auto bieten. Doch was genau ist da eigentlich geplant? Wir klären die wichtigsten Fragen dazu.

Welche Strecke soll der neue Expressbus X7 fahren?

Die Buslinie soll die Filderstädter Stadtteile Harthausen, Bonlanden und Plattenhardt mit dem Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten, den Gewerbegebieten Fasanenhof und Sternhäule und dem Zentralen Omnibusbahnhof Degerloch verbinden. Eine langsamere Verbindung mit mehr Haltestellen und der Einbeziehung Echterdingens gibt es bereits: nämlich die Buslinie 77.

Wann soll die Expressbuslinie X7 eingeführt werden?

Die Expressbusse der Linie X7 sollen erst einmal in einem zweijährigen Probebetrieb verkehren. Die Buslinie wird laut der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) mit dem Fahrplanwechsel von Dezember 2019 an eingeführt. „Der X7 verkehrt auf einer Taktlücke zur Linie 77 und stellt damit ab Harthausen einen 15-Minuten-Takt her. Er fährt von Montag bis Freitag zwischen 5.30 Uhr und 21 Uhr“, erklärt die SSB-Sprecherin.

Wie kommt ein Expressbus am Stau auf den Fildern vorbei?

Vermutlich gar nicht, denn wer entkommt schon dem Stau, wenn selbst Nebenstrecken von all denjenigen verstopft sind, die dem Stau eigentlich entfliehen wollten? Die neue Express-Linie gewinnt laut SSB ihren Zeitvorsprung auf andere Art und Weise. „Die Beschleunigung zur parallel fahrenden Linie 77 ergibt sich durch die reduzierte Haltestellenzahl und die schnellere Linienführung über die B 27 zwischen Stetten und Degerloch unter Umfahrung von Echterdingen“, sagt die SSB-Sprecherin. „Dadurch dauert die Fahrt zwischen Stetten und Degerloch unter Umgehung von Echterdingen 36 Minuten statt 48 Minuten wie bisher bei der Linie 77.“

Der Zeitvorteil der Expressbus-Linie liegt demnach also bei zwölf Minuten. Ob diese Berechnung angesichts der Stauprobleme auf der Bundesstraße vor allem während der Stoßzeiten der täglichen Praxis auch wirklich standhält, ob es genügend Fahrgäste gibt, damit sich der finanzielle Aufwand überhaupt rechnet – das alles soll der zweijährige Probebetrieb zeigen. Die Betriebskosten werden von den SSB jedenfalls mit 1,1 Millionen Euro im Jahr beziffert.

Wären ausgewiesene Busspuren an der Bundesstraße eine Möglichkeit?

Diese Option wird immer wieder ins Gespräch gebracht. Unter anderem auch von Filderstadts OB Christoph Traub, aber auch von anderen. Die Vorstellung ist charmant: Wer in einem Bus sitzt, kann auf einer eigenen Spur den Stau links liegen lassen. Nun, da die B 27 um eine Spur ausgebaut werden soll, könnte das eine gute Gelegenheit sein, über eine solche Busspur nachzudenken. Konkret ist hier allerdings noch nichts.

Derlei Sonderspuren sind eher die Seltenheit, aber im Kommen. Der Schnellbus X1 zwischen Bad Cannstatt und der Stuttgarter City hat beispielsweise seit geraumer Zeit eine eigene Fahrspur, wie viel das tatsächlich bringt, ist allerdings höchst umstritten.

Ganz neu ist eine sogenannte Umweltspur in Düsseldorf. Auf drei Einfallsstraßen der Stadt soll testweise eine Spur reserviert werden für jene, die weniger CO2 ausstoßen. Nämlich für Busse, Taxis, Radler, E-Fahrzeuge und Fahrgemeinschaften. Als Letztere gilt, wer mindestens zu dritt im Auto sitzt.