Nahverkehr im Kreis Ludwigsburg Die Strohgäubahn fährt nicht bis Feuerbach

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Der Regionalverband sagt Nein: Die Strohgäubahn soll nicht von Korntal bis nach Feuerbach verlängert werden. Das sorgt im Kreis Ludwigsburg für große Enttäuschung. Nun setzt man auf die Stadtbahn.

Die Strohgäubahn wird erst einmal nicht bis nach Stuttgart-Feuerbach fahren. Stattdessen soll die S-Bahn bis zu acht Mal pro Stunde verkehren. Foto: factum/Granville
Die Strohgäubahn wird erst einmal nicht bis nach Stuttgart-Feuerbach fahren. Stattdessen soll die S-Bahn bis zu acht Mal pro Stunde verkehren. Foto: factum/Granville

Kreis Ludwigsburg - Die Ernüchterung ist mit Händen zu greifen. Nach jahrelangen Verhandlungen kommt jetzt ein klares Nein aus Stuttgart: Der für Verkehr zuständige Regionaldirektor Jürgen Wurmthaler lehnt es ab, die Strohgäubahn bis nach Feuerbach zu verlängern. Er verweist auf ein Gutachten, wonach es sinnvoller sei, die S-Bahn häufiger fahren zu lassen. „Wir sind enttäuscht“, sagt Markus Klohr, der Sprecher des Landratsamts, und der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf sagt: „Wir bedauern das außerordentlich.“

Im Strohgäu und im Landkreis wähnte man sich jahrelang auf der sicheren Seite. In der Kreisbehörde verweist man auf eine Art Gentlemen’s Agreement, einen Deal zwischen Regionalverband und dem Zweckverband der Strohgäubahn. „Wir hatten die Aufgabe, die Signaltechnik so umzurüsten, dass die Strohgäubahn auf Bahngleisen fahren kann“, sagt Markus Klohr. Im Gegenzug sollte die Entwicklung der Fahrgastzahlen beobachtet werden – und bei guter Entwicklung sollten die gelb-grünen Wagen bis Feuerbach rollen können. „Wir haben unser Wort gehalten“, sagt Wurmthaler, „wir haben das geprüft und uns für die Lösung entschieden, die für die meisten Fahrgäste im Strohgäu die beste ist.“

Das Problem mit den Bahnsteigen

Nun platzt die S-Bahn aus allen Nähten, auch die Strohgäubahn ist ein Erfolgsmodell, täglich nutzen 3600 Pendler die Bahn. Der Ausbau bis Heimerdingen ist abgeschlossen. Nun hoffte man, mit dem Regionalverband bei der Deutschen Bahn vorsprechen zu können. Doch daraus wird nichts. Ein Gutachten des Verkehrswissenschaftlichen Instituts (VWI) in Stuttgart ergab, dass auf der S-Bahnlinie S 6/60 deutlich mehr Fahrgäste zu erwarten seien. Zwischen Ditzingen und Feuerbach könnten acht S-Bahnen je Fahrtrichtung in einer Stunde verkehren, so die Idee.

Zudem verweisen die Experten auf technische Probleme: An der Haltestelle ist der Bahnsteig mit 96 Zentimetern zu hoch, die Strohgäubahn benötigt 55 Zentimeter hohe Bahnsteige. Auch müsste im Bahnhof Feuerbach das Gleis 130 ausgebaut werden. Dies soll aber bei Störungen als „Wendegleis“ für die S-Bahn aus Ludwigsburg genutzt werden. S-Bahn und Strohgäubahn sind aber unterschiedlich hoch.

Landrat: Das ist eine Rolle rückwärts

Auch ein Gespräch von Landrat Rainer Haas und den Bürgermeistern am 17. Oktober bei Wurmthaler konnte den Regionaldirektor nicht umstimmen. „Das ist eine Rolle rückwärts“, sagt Markus Klohr, „bisher wurden wir vom Regionalverband in jeder Sitzung darauf hingeweisen: Denkt an die Durchbindung.“ Deswegen habe man die Signaltechnik für mehrere Millionen Euro saniert.

Der Korntal-Münchinger Rathauschef Joachim Wolf verweist darauf, dass für die vielen Fahrgäste aus Hemmingen und Heimerdingen eine direkte Anbindung viel attraktiver wäre. Den Vorschlag, als Variante die Strohgäubahn in den Stuttgarter Salzweg Richtung Ludwigsburg zu verlängern, hält man im Landkreis für unsinnig.

Landrat Rainer Haas will mit der Bahn verhandeln

Ganz aufgeben will der Landrat aber nicht: Haas schlägt vor, eben ohne Unterstützung des Regionalverbandes mit der Bahn zu verhandeln. Formal könnte die DB Regio die Einfahrt nach Stuttgart genehmigen, dann würde die Strohgäubahn aber ohne Halt in Zuffenhausen bis Feuerbach fahren. Allerdings wissen auch die Kommunalpolitiker aus dem Kreis, dass solche Verhandlungen mit der Bahn langwierig sind – und ohne Zustimmung des Regionalverbandes nahezu aussichtslos. Mittelfristig ist das Projekt auf Eis gelegt, langfristig will man es aber nicht aus den Augen verlieren.

Vielleicht spielt eine alte Rivalität eine Rolle: Jahrelang haben sich Region und Landkreis gestritten, wer die Bahn betreiben soll. Den Durchbrach brachte für den Kreis damals Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), der aus Ditzingen stammt. Zum Leidwesen der Region.




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