Die junge Familie steht mit Kinderwagen und Rollkoffer vor der steilen Treppe zu den S-Bahn-Gleisen am Bahnhof Bad Cannstatt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die schweren Utensilien nach oben zu tragen. Denn der Aufzug ist außer Betrieb. Wie ein Plakat auf den Absperrgittern zeigt erneuert die Deutsche Bahn derzeit die Anlage – noch bis zum März 2023.
Mehr als 54 000 Reisende am Tag
Mit mehr als 54 000 Reisenden an Werktagen ist der Bahnhof in Bad Cannstatt einer der meistfrequentierten in Baden-Württemberg. Umso mehr sei die Bahn daran interessiert – wie an allen anderen Stationen –, dass die Anlagen für einen barrierefreien Zugang zum öffentlichen Nahverkehr auch gewährleistet ist, erklärt eine Bahnsprecherin. Doch das ist derzeit nicht der Fall. Wer mit schwerem Gepäck, Kinderwagen oder auch Rollstuhl unterwegs ist, benötigt vielmehr pure Muskelkraft, um die steilen Treppen erklimmen zu können – oder muss einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen.
Weite Umwege für Fahrgäste
Denn von der Unterführung zwischen Bahnhofsvorplatz sowie dem Ausgang zum Cannstatter Wasen führt lediglich eine steile Treppen zu den Bahnsteigen 2/3, an denen in der Regel die S-Bahnen der Linien 1, 2 und 3 verkehren. Wer zumindest in den Genuss einer Rolltreppe kommen will, muss das Bahnhofsgebäude verlassen und über die Eisenbahnstraße bis annähernd zur König-Karl-Straße laufen, um über den Anschluss des Martin-Mayer-Stegs zu den Gleisen zu gelangen. Ein gehöriger Umweg – Zeitverzögerung inklusive. Gar überhaupt keinen barrierefreien Zugang gibt es zum weniger genutzten Bahnsteig 8 zu den Regionalzügen.
Deutsche Bahn investiert 2,1 Millionen Euro
Hintergrund ist der turnusgemäße Austausch der Aufzüge. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bahn bereits die Aufzüge zu den weiteren Gleisen am Bahnhof Bad Cannstatt sowie am Bahnhof Obertürkheim ausgetauscht. Nach eigenen Angaben investiert das Verkehrsunternehmen rund 2,1 Millionen Euro in die neue Technik. „Die Fahrgäste profitieren künftig von mehr Komfort und einem verlässlicheren Betrieb“, betont die Bahnsprecherin.
Fünf Monate Bauzeit wegen komplexer Technik
Für die lange Einbauzeit von rund fünf Monaten sei die komplexe Technik verantwortlich. Neben der Aufzugsanlage müssen auch die Stahlschachtgerüste vor Ort kleinteilig de- und wieder neu montiert werden. Zudem seien für die Sicherheit umfangreiche Tests notwendig. Eine Umleitung der Züge auf andere Gleise sei aus betrieblichen Gründen nicht möglich – somit bleibt der Umweg den mobilitätseingeschränkten Fahrgästen vorbehalten.