Die Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie wird in den kommenden viereinhalb Jahren umgebaut. Dafür wird unter anderem die Verbindung zum Charlottenplatz gekappt. Die Linien U1 und U2 von und nach Bad Cannstatt werden umgeleitet. Nicht jeder zeigt dafür Verständnis.

Bad Cannstatt - Am Takt wird sich nichts ändern, am Streckenverlauf der Stadtbahnen sehr wohl. Dass sich an der Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie etwas tut, ist nicht mehr zu übersehen. Nach einigen Vorarbeiten soll nun im Mai der eigentliche Umbau der Haltestelle beginnen. Das berichteten Winfried Reichle, Leiter des Bereichs Infrastruktur, und Nils Himmelmann, Leiter des Bereichs Betrieb der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), in der jüngsten Sitzung der Bad Cannstatter Bezirksbeiräte. Die waren über den Folgen für den Nahverkehr aus und nach Bad Cannstatt teils nicht besonders glücklich.

Der Anlass für den Umbau der in die Jahre gekommenen Haltestelle ist das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Damit der neue Tiefbahnhof gebaut werden kann, muss die Haltestelle angehoben werden – in diesem Zuge bauen die SSB sie komplett um. Die Folgen der viereinhalb Jahre Bauzeit sind weitreichend. Auch die Linien U1 und U2, die Stuttgarts größten Stadtbezirk anfahren, sind betroffen.

Linie U1 fährt direkt zum Rotebühlplatz

Es wird zwei Bauphasen geben. In der ersten wird unter anderem der Tunnel zwischen Staatsgalerie und Charlottenplatz erneuert. Die Folge: Die Stadtbahnen auf dieser Route können den wichtigen Umstiegsknoten nicht mehr direkt erreichen, betroffen sind auch die U1 und U2. „Sie werden über den Hauptbahnhof umgeleitet“, erklärte Himmelmann. Von dort gehe es über den Berliner Platz wieder auf die gewohnte Strecke. Der Charlottenplatz und die Haltestelle Rathaus seien dann nur noch mit Umstieg erreichbar. „Die Linie U1 wird in dieser Zeit direkt zum Rotebühlplatz fahren.“

In der zweiten Bauphase wird der Tunnel zum Hauptbahnhof erneuert. Dann sind andere Bahnen betroffen, bei der U1 und U2 ist wieder alles beim Alten. Auf die Nachfrage, was denn mit der Linie U14 sei, kamen die Experten der SSB ins Stocken. Dass diese ebenfalls Bad Cannstatt erschließt, hatten sich anscheinend vergessen. Die U14 sei erst in jener zweiten Phase betroffen, sagte Himmelmann. Wie man dann reagiere, sei jedoch noch nicht endgültig geplant. Die genauen Infos dazu gebe es im Herbst.

Die U11 könnte in Zukunft ganzjährige fahren

Zu dieser Zeit könne er dann wohl auch beantworten, ob die Stadtbahn-Linie U11 zum Neckarpark, die derzeit nur bei Veranstaltungen verkehrt, ganzjährig fahren wird. Das werde nämlich überlegt, wie Himmelmann den Lokalpolitikern mitteilte. Wie das denn plötzlich sein könnte, wo der Bezirksbeirat das schon so lange fordere und die SSB es immer ablehne, wollten die Bezirksbeiräte wissen. Himmelmann blieb vage: Das Netz würde sich mit diesem Schritt komplett verändern, Konkreteres könne er auch dazu erst im Herbst sagen.

Über die Auswirkungen des Umbaus zeigten sich vor allem die Bezirksbeiräte jener Fraktionen, die sich offen gegen Stuttgart 21 aussprechen, verärgert. Sowohl aus dem Publikum als auch von den Grünen und der Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus kam die Frage auf, ob die Umstände denn wenigstens zu einer Minimierung der Fahrpreise führen würden. Das verneinte Winfried Reichle. Die Deutsche Bahn bezahle der SSB zwar die Kosten für den Umbau und alle nötigen Ersatzmaßnahmen, für die Ticketermäßigung würde sie aber wohl nicht aufkommen.

Die Zeitschiene

Die Zeitschiene

Nach den bisherigen Vorarbeiten sollen nun im Mai 2015 die Arbeiten für den Umbau der Haltestelle Staatsgalerie beginnen. Von Ende Mai 2016 bis Ende August 2017 soll die Strecke zum Charlottenplatz unterbrochen werden, danach der Tunnel zum Hauptbahnhof. 2018 geht laut Planung der SSB die neue Haltestelle Staatsgalerie in Betrieb. 2019 sollen die Bauarbeiten endgültig abgeschlossen sein. Die Kosten betragen geschätzt rund 100 Millionen Euro, die Deutsche Bahn trägt sie komplett. Geht es nach Winfried Reichle, könnte die Haltestelle nach dem Umbau Hauptbahnhof Süd heißen. Kunden können sich bei Fragen per E-Mail an staatsgalerie@mail.ssb-ag.de an die SSB wenden.