Nahverkehr in Esslingen Stadt biegt bei O-Busverkehr auf die Zielgerade ein

Oberleitungsbus am Esslinger Bahnhof: Bis Ende 2026 soll der gesamte Esslinger Busverkehr elektrisch fahren. Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen treibt den Ausbau der Oberleitungen voran. Der letzte Bauabschnitt am Altstadtring steht bald an. Das ist auch nötig: Bis Ende 2026 muss das Projekt stehen.

Der Weg Esslingens zu einem komplett elektromobilen Busverkehr ist eine Geschichte mit vielen Wendungen. Doch in jüngster Zeit geht es recht zielstrebig vorwärts. Die Arbeiten an der Verlängerung der Oberleitungen in den Esslinger Norden und auf den Zollberg sind noch nicht beendet, da bringt die Stadt nun schon den nächsten und letzten Bauabschnitt auf den Weg: Im kommenden Jahr soll der Oberleitungsausbau am Altstadtring weitergehen.

 

So hat der Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) in seiner jüngsten Sitzung den Weg frei gemacht für die Ausschreibung der Arbeiten am Altstadtring. Diese soll möglichst im Frühjahr erfolgen, damit im Sommer mit den Bauarbeiten gestartet werden kann und diese noch bis Ende 2026 beendet werden können. Das ist wichtig, um die bereits bewilligten Fördergelder auch abrufen zu können.

Oberleitungsausbau am Esslinger Altstadtring schließt das Netz

Konkret soll der Oberleitungsausbau am Altstadtring über die Berlinerstraße, die Augustiner- und Ebershaldenstraße sowie die Grabbrunnen-, die Entengraben- und die Kiesstraße führen. An der Kreuzung von Schelztorstraße und Berlinerstraße sowie an der Maillekreuzung schließen die neuen Oberleitungen dann an die bereits vorhandenen an, sodass der Altstadtring komplett versorgt sein wird. Beim Neckarforum soll zudem ein Abzweig in die Mülbergerstraße führen, der dann an die Oberleitungen im Esslinger Norden anknüpfen soll.

Im Zuge dieses letzten Bauabschnittes sollen auch die bereits vorhandenen Oberleitungen in der Hauptfahrgasse am Esslinger Omnibusbahnhof ausgebaut werden. Diese letzte Etappe des Oberleitungsausbaus in der Esslinger Innenstadt sei sehr komplex, teilt die Stadtverwaltung mit. Weil teils aufwendigere Baulösungen notwendig seien und streckenweise erschwerte Rahmenbedingungen etwa bei den Gründungsarbeiten zu erwarten seien, rechne man mit höheren Kosten als ursprünglich kalkuliert. Allerdings könne man die Kostensteigerungen durch Umschichtungen innerhalb des Gesamtprojekts kompensieren.

Ladeinfrastruktur für Esslingens Elektrobusse wird ausgebaut

Um die elektisch betriebene Busflotte künftig einsatzbereit halten zu können, muss auch die Ladeinfrastruktur in den Betriebshöfen aufgerüstet werden. So soll im Betriebshof Heilbronner Straße ein Trafo sowie im Betriebshof Wäldenbronn in der Stettener Straße eine mobile Trafostation eingebaut werden. Insgesamt sollen auf den Betriebshöfen 54 Ladeplätze mit 23 Wall-Boxen entstehen, an denen die 52 neuen Oberleitungsbusse künftig während der nächtlichen Betriebspause zwischen 0.30 Uhr und 4.30 Uhr für den nächsten Betriebstag geladen werden können.

In der Esslinger Innenstadt werden die Oberleitungen bald noch weiter ausgebaut. Foto: Roberto Bulgrin

Zudem ist laut Johannes Müller vom Städtischen Verkehrsbetrieb (SVE) wegen der geplanten Netzerweiterung auch der Neubau eines sogenannten Gleichrichterunterwerks am Hirschlandkopf sowie die Ertüchtigung der vorhandenen fünf Unterwerke erforderlich. Denn mit der steigenden Anzahl an Oberleitungsbussen müsse man auch dem veränderten Verbrauch gerecht werden. Auch diesem Vorhaben stimmte der ABMK geschlossen zu.

Esslingen steuert auf 100 Prozent Elektromobilität zu

Damit scheint der Ausbau auf 100 Prozent Elektromobilität im Esslinger Busverkehr auf die Zielgerade einzubiegen. Das ist auch notwendig, denn nur wenn das Projekt bis Ende 2026 abgeschlossen wird, kann die Stadt die gesamte Fördersumme von rund 27,4 Millionen Euro auch abrufen. Dass das überhaupt klappt, war nicht immer klar. Denn auf dem Weg zum elektromobilen Busverkehr war die Stadt lange im Schlingerkurs unterwegs.

Schon die Entscheidung des Esslinger Gemeinderats im Jahr 2017, dass der städtische Busverkehr schnellstmöglich rein elektrisch betrieben werden solle, war denkbar knapp ausgefallen. Nach schwierigen Jahren mit dem Calwer Busunternehmen Rexer und der darauf folgenden Entscheidung, den Busverkehr zu 100 Prozent in städtische Hand zu legen, wurde im Jahr 2022 dann die belgische Firma van Hool mit der Produktion der elektrohybriden Busflotte beauftragt.

Esslingen sichert Fördergelder trotz Insolvenz von van Hool

Doch als van Hool im Jahr 2024 Insolvenz anmeldete, geriet die Neuvergabe der Busproduktion erneut zur Grundsatzdebatte über die künftige Ausrichtung des Esslinger Busverkehrs. Letztlich stimmte aber eine deutliche Mehrheit im Gemeinderat für eine Busflotte aus batterieergänzten Oberleitungsbussen. Zudem hielt der Bund seine Förderzusage von rund 27,4 Millionen Euro trotz der Verzögerungen durch die Insolvenz von van Hool aufrecht, sodass die Stadt nun bis Ende 2026 Zeit hat, das Projekt umzusetzen. Derzeit sieht es so aus, als könnte das klappen.

Neue Oberleitungen für neue Elektrobusse

Oberleitungen
Damit das gesamte Stadtgebiet mit Batterieoberleitungsbussen angefahren werden kann, muss Esslingen sein Oberleitungsnetz ausbauen. In einem ersten Schritt wurden die Oberleitungen in der Pliensauvorstadt im vergangenen Jahr verlängert. Derzeit wird das Netz in den Esslinger Norden und auf dem Zollberg erweitert. Im kommenden Jahr folgt der Ausbau der Oberleitungen auf dem Altstadtring.

Busproduktion
Nachdem der ursprünglich beauftragte Bushersteller van Hool Insolvenz angemeldet hatte, befürchteten viele Stadträte eine massive Kostensteigerung bei der Neuvergabe der Busproduktion. Doch sie erlebten eine angenehme Überraschung: Das Angebot der nun beauftragten Firma Skoda Electric liegt mit rund 41,1 Millionen Euro für die inzwischen 52 benötigten Elektrohybridbusse deutlich niedriger als die einst von van Hool angesetzten 50 Millionen Euro für 46 Batterieoberleitungsbusse.

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