Nahverkehr in Fellbach Barrierefreiheit darf nicht am Bordstein enden

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Roswitha Morlok-Harrer und ihre Tochter fahren gerne mit dem Bus. Doch seit dem Fahrplanwechsel gibt es Probleme beim Einsteigen mit dem Rollstuhl. Schuld seien die Busfahrer, sagen sie.

Roswitha Morlok-Harrer (links) und ihre Tochter Ute nutzen häufig den Bus der Linie 60. Foto: Sascha Sauer
Roswitha Morlok-Harrer (links) und ihre Tochter Ute nutzen häufig den Bus der Linie 60. Foto: Sascha Sauer

Fellbach - Roswitha Morlok-Harrer ist fast jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Nicht nur allein, sondern auch mit ihrer Tochter Ute, die wegen einer Behinderung im Rollstuhl sitzt. Da trifft es sich gut, dass die Bushaltestestelle quasi direkt gegenüber der Wohnung in Oeffingen liegt – die Station in der Schulstraße ist eine praktische Sache.

Doch seit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember fahren Mutter und Tochter nur noch ungern mit dem Bus. „Die Linie 60 wurde von der SSB an die Firma Fischle übergeben. Die neuen Fahrer steuern die Haltestellen aber nicht so an, dass die vorgegebenen Einstiegsfelder optimal genutzt werden können“, sagt Roswitha Morlok-Harrer. Das bringe Probleme mit sich.

Die Stadt Fellbach gibt Millionenbeträge für barrierefreie Haltestellen aus

Am meisten ärgert es die beiden, wenn zwischen dem Bordstein und dem Bus der Abstand zu groß ist. Dann muss nämlich bei dem Fahrzeug eine Rampe ausgeklappt werden, um die Lücke zu schließen. „Ich möchte als Behinderte selbstständig einsteigen und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein“, erklärt Ute Harrer. Ihre Mutter fügt hinzu, dass die Stadt Fellbach für barrierefreie Haltestellen Millionenbeträge ausgibt, um auch gehbehinderten Menschen in der Stadt die Nutzung der Nahverkehrs gefahrlos zu ermöglichen. „Doch was nützen barrierefreie Haltestellen, wenn die Fahrer sie nicht ordnungsgemäß ansteuern?“, fragt Roswitha Morlok-Harrer.

Nicht nur die Rollstuhlfahrer würden unter dieser Situation leiden. Das Problem träfe auch Geh- und Sehbehinderte sowie Fährgäste, die mit einem Rollator oder dem Kinderwagen unterwegs sind. „Immer mehr ältere Menschen scheuen sich inzwischen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, weil sie Angst vor dem Ein- und Aussteigen haben“, sagt die in Oeffingen vor allem durch ihre Arbeit im Seniorentreff bekannte Frau. Ihr Verdacht: „Für mich hat es den Anschein, dass die Bus-fahrer von ihrem Arbeitgeber in keinster Weise eingewiesen worden sind.“

Die Firma Fischle verspricht, sich um das Problem zu kümmern

Fischle-Betriebsleiter Ralf Steinmetz räumt auf Nachfrage ein, dass das Problem mit dem Abstand zwischen Bus und Bordstein noch nicht an sein Ohr gedrungen ist. „Wir werden uns aber umgehend darum kümmern“, verspricht der Mitarbeiter der in Esslingen sitzenden Firma. Steinmetz will vor Ort die Situation analysieren und die Busfahrer gegebenenfalls gezielt nachschulen. „Eigentlich haben die Fahrer eine zweitägige Schulung der SSB erhalten“, sagt er. Da die Firma Fischle in jüngster Zeit aber viele neue Mitarbeiter eingestellt habe, könne es sein, dass bisher nicht alle die Schulung durchlaufen hätten.

Roswitha Morlok-Harrer wünscht sich, dass die Busfahrer neben der Nachhilfe beim Umgang mit Rollstuhlfahrern auch zusätzlich in Sachen Ortskenntnis geschult werden: „Kürzlich hat jemand im Bus gefragt, wie er denn zur Gäuäckerhalle in Fellbach kommt – da konnte der Fahrer nur mit den Schultern zucken“, erzählt die Oeffingerin. Jetzt hofft sie, dass sich bald etwas ändern wird. Denn die barrierefreien Haltestellen, die es in Fellbach gibt, seien ein Segen. „Es gibt viele Menschen, die kein Auto haben oder es infolge ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr nutzen können.“ Auch aus Umweltgründen möchten Roswitha Morlok-Harrer und ihre Tochter weiterhin mit dem Bus statt mit dem Auto fahren. Schließlich drohe auf den Straßen schon heute ein Verkehrsinfarkt. Die Lösung wäre einfach: „Wenn die Busfahrer nah genug am Bordstein halten, dann klappt auch die Barrierefreiheit.“