Nahverkehr in Leonberg Neuer Bus bringt Höfingen und Gebersheim zusammen

Nicht nur die Haltestelle Korntaler Straße im Leonberger Haldengebiet wird auch künftig angefahren. Foto: Simon Granville

Wie aus einer Verschlechterung eine Verbesserung wird: Die gestrichene Linie ins Haldengebiet wird durch eine ersetzt, die drei Stadtteile miteinander verbindet.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Das Haldengebiet liegt zwar in der Leonberger Innenstadt und ist ein großes Quartier. Aber der Weg von dort zum Marktplatz oder gar zum Leo-Center ist weit. Noch haben insbesondere viele ältere Anwohner die Möglichkeit, mit der Buslinie 643 direkt in die Altstadt oder zum Bahnhof zu kommen. Doch zum Jahreswechsel ist Schluss damit: Die Stadt hat die Durchführung des Linienbetriebs im Stadtgebiet an den Landkreis Böblingen übertragen. Und der stellt die Direktlinie zum 1. Januar ein.

 

Der Protest bei den Anwohnern ist groß. Und die Stadträtin Christa Weiß (SPD) wies darauf hin, dass für viele der älteren Menschen der Weg zu Haltestellen anderer Linien zu weit sei. Jetzt finden die Einwände Gehör. Es soll auch künftig einen durchgehenden Bus vom Bahnhof über die Altstadt ins Haldengebiet geben. Mehr noch: Eine neue Linie 65X führt sogar weiter über Höfingen nach Gebersheim – und verbindet damit beide Stadtteile erstmals.

Neue Buslinie stellt eine echte Verbesserung dar

Angesichts des Unmuts über den Streichungsplan des Böblinger Landratsamtes hatte die Stadt Leonberg das Verkehrsplanungsbüro Graunke beauftragt, mögliche Alternativen zu prüfen. Die Experten aus Stuttgart beließen es nicht bei der bisherigen Verbindung, die in der Tat lediglich einen überschaubaren Zuspruch hatte, sondern entwickelte eine Variante, die eine echte Verbesserung darstellt.

Zwischen Höfingen und Gebersheim gibt es bis jetzt keine Busverbindung

Während der jetzige Bus 643 schleifenförmig durch das Haldengebiet fährt und zum Bahnhof zurückkehrt, führt die neue Linie 65X weiter nach Höfingen und von dort nach Gebersheim. Seit Jahren wird beklagt, dass es zwischen den beiden Teilorten, die gerade einmal fünf Kilometer voneinander entfernt liegen, keine Busverbindung gibt. Jetzt kommt buchstäblich Bewegung in die Sache.

Noch fährt ein kleiner Bus als Linie 643 vom Bahnhof ins Haldengebiet. Foto: Granville

Die Fachleute des Planungsbüros haben einen Fahrplan entwickelt, der den Bahnhof und Gebersheim über das Haldengebiet und Höfingen in 28 Minuten miteinander verbindet. Sie schlagen einen werktäglichen Stundentakt von 7 bis 20 Uhr vor, mindestens aber von 8 bis 16 Uhr.

Im Gemeinderat zeigten sich jetzt alle Fraktion sehr angetan von dem neuen Angebot. Das Problem: Auf die Stadtwerke als Verkehrsträger und damit auf die Stadt kämen Betriebskosten von jährlich 180 000 bis zu 295 000 Euro zu, je nachdem, wie lange und wie oft die Busse fahren. Zwar wollen die Leonberger den Verkehrsverbund VVS dazu bewegen, die Hälfte zu übernehmen. Doch selbst wenn der VVS mitmachen würde, blieben immer noch 90 000 Euro oder knapp 150 000 Euro pro Jahr an der Stadt hängen.

Für Haltestellen muss die Stadt viel Geld ausgeben

Außerdem müssen neue Haltestellen gebaut und bestehende umgerüstet werden. Das haben die Planer im Maximalfall mit 96 000 Euro veranschlagt. All das würde den städtischen Haushalt, der kurz vor Weihnachten verabschiedet werden soll, zusätzlich belasten. Höhere Kredite wären die Folge.

Trotz finanzieller Bedenken waren sich alle Fraktionen einig, dass die vorgesehene Linie eine echte Verbesserung des Leonberger Nahverkehrsangebots darstellt. Zumal auf dem Weg von der Innenstadt nach Gebersheim auch das Höfinger Gewerbegebiet angefahren werden soll, was die Fahrgastzahl deutlich erhöhen würde.

Der Gemeinderat einigte sich einstimmig bei drei Enthaltungen auf ein drei Jahre währendes Pilotprojekt bis 2028. Anschließend werden das Fahrgastaufkommen und die Wirtschaftlichkeit ausgewertet. Sollte die neue Linie ein Erfolgsmodell werden, könnte auch mit dem Landkreis über eine Kostenbeteiligung verhandelt werden.

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