Nahverkehr in Plieningen Die Linie 65 soll den 79er Bus ersetzen

Eine Weiterführung der Linie 65 zum Flughafen wäre wirtschaftlich, rechnet der CDU-Bezirksbeirat Jürgen Holzwarth vor. So könnte der gestrichene 79er-Bus ersetzt werden.

Die Linie 79 soll zum Mai 2016 gestrichen werden. Dagegen kämpfen die Bezirksbeiräte. Foto: Archiv Sägesser
Die Linie 79 soll zum Mai 2016 gestrichen werden. Dagegen kämpfen die Bezirksbeiräte. Foto: Archiv Sägesser

Plieningen/Birkach - Jürgen Holzwarth ist sich sicher: Die Kalkulation der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), was die Buslinie 79 zum Flughafen und das daraus entstehende Defizit angeht, stimmt so nicht. Darum hat er eigene Berechnungen angestellt. Diese ergeben, dass eine Verlängerung der Buslinie 65 zum Flughafen ganz ohne Defizit betrieben werden und somit den 79er ersetzen könnte; die Linie 79 soll, wie berichtet, zum Mai 2016 eingestellt werden. Diese Verlängerung hatte der Bezirksbeirat bereits im Februar gefordert.

Holzwarth, Birkacher Bezirksbeirat für die CDU, hat seine Präsentation in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Plieningen/Birkach vorgestellt. Momentan, erklärte Holzwarth, startet die Linie 79 an der Garbe und kommt zwölf Minuten später am Terminal 1 des Flughafens an. „Mit einer intelligenten Bus-Priorisierung und einem Halt am Stuttgart Airport Busterminal statt am Terminal 1 können acht Minuten Fahrzeit gespart werden“, erklärte Holzwarth. So soll die Linie 65, die von Obertürkheim über Holzmaden zur Plieninger Garbe fährt, dort nicht mehr enden, sondern eben bis zum Stuttgart Airport Busterminal (SAB) weiterfahren. Dieses Busterminal liegt ein Stückchen näher und ist somit schneller erreichbar. Damit wäre der Bereich der Linie 79 abgedeckt – und außerdem 300 000 Euro Betriebskosten pro Jahr gespart, da ein Bus ja wegfalle.

Das Defizit schrumpfe erheblich

Holzwarth zweifelt auch die Angaben der SSB an, die Linie 79 habe lediglich 15 000 Euro an jährlichen Einnahmen eingebracht. „Das kommt mir sehr wenig vor“, sagte er im Bezirksbeirat, selbst wenn man pro Fahrt mit lediglich zwei Personen rechne, die den vollen Ticketpreis zahlen – also ohne Abo oder andere Vergünstigungen – komme man auf 200 000 Euro im Jahr. „Und da sieht die Welt schon ganz anders aus“, so Holzwarth. Das von der SSB errechnete Defizit schrumpfe erheblich.

Die Verlängerung der Linie 65 böte eine kürzere Fahrzeit und keine Umsteigeverluste in Hedelfingen oder an der Garbe: „Bei einem so attraktiven Angebot lässt man auch eher das Auto stehen“, folgerte Holzwarth. „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Linie 79 zum Mai eingestellt würde und dann erst über die Verlängerung der 65 nachgedacht würde.“ Denn dann, so Jürgen Holzwarth, würden sich die Leute, die bisher die 79 nutzten, wieder umorientieren. „Die muss man dann später wieder zurückgewinnen.“

Wolfgang Höpfner, Regionalrat für die Linken und SSB-Betriebs- und Aufsichtsrat, meldete sich in der Sitzung zu Wort. „Die Kostenrechnung geht von falschen Voraussetzungen aus“, kritisierte er, außerdem werde eine Buslinie desto störungsanfälliger, je länger sie sei: „Und die 65 kommt heute schon oft zu spät für den Stadtbahn-Anschluss an der Garbe.“

Keine Bierdeckel-Expertise

Er solle die Kirche im Dorf lassen, entgegnete Michael Wörner, CDU-Bezirksbeirat für Plieningen. Holzwarths Präsentation sei als Anstoß zu verstehen: „Es ist ein Versuch, das nicht so stehenzulassen, ein Prüfauftrag an die SSB.“ Holzwarth ergänzte: „Nur ablehnen und nichts untersuchen ist nicht das Richtige.“ Außerdem wollte er seine Präsentation als „ernst zu nehmenden Vorschlag“ verstanden wissen, nicht als „Bierdeckel-Expertise“. „Wenn Sie etwas Besseres finden, dann ist das ja kein Problem.“ Ulrich Berger (SPD) meinte, dass die Verlängerung der 65 sicher auch für viele Daimler-Mitarbeiter in Hedelfingen attraktiv wäre.

Höpfner erwiderte, man müsse politisch diskutieren, ob die 79 Sinn ergebe oder nicht: „Ich will die Linie auch behalten.“ Er schlage vor, mit dem 79er als Teil der Plieninger Ortsanschließung zu argumentieren, nachdem der Takt der Linien 70, 73 und 74 heruntergefahren worden sei. Gerhard Hütter (SÖS-Linke-Plus) meinte, die Bezirksbeiräte seien nun in der Pflicht, auf die Stadträte zuzugehen und das Thema dort vorzubringen.

Die SSB soll nun, so der extra formulierte Antrag der CDU, die vorgelegten Berechnungen prüfen und gegebenenfalls bestätigen. Die Lokalpolitiker aus Plieningen und Birkach votierten einstimmig dafür. Die Hoffnung ist weiterhin, die Busverbindung zwischen Plieningen und dem Flughafen doch erhalten zu können.

Resolution gegen die Entscheidung

In Sillenbuch hat der SPD-Bezirksbeirat Ulrich Storz vorgeschlagen, dass die von der Einstellung der Buslinie 79 betroffenen Bezirke gemeinsam eine Resolution gegen die Entscheidung der Stuttgarter Straßenbahnen AG einbringen. So soll zusammen Druck auf das Verkehrsunternehmen ausgeübt werden, auch für Sillenbuch eine direkte Verbindung an den Stuttgarter Flughafen anzubieten.

Die Sillenbucher Bezirksbeiräte setzen sich seit Längerem für eine Verlängerung der Linie 65 zum Flughafen ein. Wie ihre Kollegen in Plieningen sind sie gegen die Einstellung des 79er-Busses von Mai an. Nun will der Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck im Gespräch mit Kollegen aus anderen Bezirken klären, ob Interesse am gemeinsamen Vorgehen besteht.

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