Nahverkehr in Stuttgart Ausnahmejahr verdeckt großes SSB-Finanzloch

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Mit der Bilanz 2014 haben die SSB seit 1959 wieder einen Jahresabschluss mit Gewinn erreicht. Das Plus von 5,6 Millionen Euro kam allerdings nur durch den Verkauf von Immobilien zustande. Ansonsten hätte es ein Minus von 22 Millionen Euro gegeben.

In den nächstn Jahren wird dasLoch in der SSB-Kasse immer größer. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
In den nächstn Jahren wird dasLoch in der SSB-Kasse immer größer. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Einen Jahresabschluss mit einem Bilanzgewinn von 5,6 Millionen Euro haben die SSB am Dienstag für das Jahr 2014 auf einer Pressekonferenz im Möhringer SSB-Zentrum vorgelegt. „Dieses erste positive Ergebnis seit dem Jahr 1959 ist mit Sicherheit einmalig und verschleiert die gefährliche Entwicklung der Finanzlage“, sagte der Vorstandssprecher Wolfgang Arnold im Hinblick auf das im schlimmsten Fall – wie berichtet – bis 2030 drohende SSB-Finanzloch von fast 1,4 Milliarden Euro. Als Grund für die „einzigartige“ schwarze Zahl nannte das kaufmännische Vorstandsmitglied Stefanie Haaks den Verkauf von Immobilen und Grundstücken in Degerloch und Möhringen zur Stärkung des SSB-Eigenkapitals. „Ohne diese Einmaleffekte läge das Defizit in der Bilanz 2014 bei 22 Millionen Euro. “

Erfreulich ist für die kaufmännische Vorstandsfrau aber der anhaltende Zuwachs bei den Fahrgästen und den Fahrgeldeinnahmen. Mit rund 75 Millionen Euro entfallen rund 35 Prozent der Fahrgeldeinnahmen auf den Berufsverkehr, der mit einem Zuwachs von fast acht Prozent deutlich angestiegen sei.

Finanzierung des Nahverkehrs bleibt ein Sorgenthema

„Trotz aller Mehreinnahmen bleiben die SSB aber ein defizitäres Unternehmen“, bilanzierte Stefanie Haaks. Und wegen der pauschalierten öffentlichen Zuschüsse klaffe die Schere zwischen Aufwand und Ertrag immer weiter auseinander. „Die Finanzierung des Nahverkehrs bleibt unser großes Sorgenthema.“

„Denn bei diesem wichtigen Thema gibt es noch immer keine Lösungen“, ergänzte Personalvorstand Reinhold Bauer. „Es wird seit Langem zwar viel geredet, es gibt aber keine Beschlüsse.“ Man hoffe auf ein Sondertreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten im Herbst. Im Jahr 2019 laufe das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes aus, das größere Investitionen im Nahverkehr fördere. Im gleichen Jahr ende auch das so genannte Entflechtungsgesetz, mit dem das Land Vorhaben der Unternehmen und Verbünde unterstütze. „Dem Nahverkehr wird ein Stillstand in einer Zeit verordnet, in der er eigentlich an der Lösung drängender Mobilitätsprobleme mithelfen sollte“, kritisiert Bauer. „Die gute Qualität des Nahverkehrs ist in Gefahr“, sagte der SSB-Vorstand weiter. „Die Nahverkehrsabgabe und die Citymaut dürfen nicht mehr länger Tabuthemen sein.“




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