Nahverkehr in Stuttgart Züge rollen frühestens 2022 zwischen Hauptbahnhof und Staatsgalerie

Der Neubau der Stadtbahnröhren unter der Schillerstraße zieht sich hin. Frühestens in vier Jahren fahren wieder Bahnen zwischen Staatsgalerie und Hauptbahnhof.

Beim Planetarium entsteht die neue Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Beim Planetarium entsteht die neue Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Unterbrechung der Stadtbahnstrecke zwischen den Haltestellen Staatsgalerie und Hauptbahnhof wird noch vier weitere Jahre anhalten. Als Termin für die Inbetriebnahme der neuen Tunnel, die wegen Stuttgart 21 gebaut werden müssen, nannte Winfried Reichle das Jahr 2022. Reichle, bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) für den Bereich Infrastruktur verantwortlich, kündigte ferner an, dass zwei Jahre zuvor der neue, auf den Tunneln von S 21 liegende Halt Staatsgalerie in Betrieb genommen werden soll – allerdings nur für Bahnen, die weiter in Richtung Charlottenplatz fahren.

SSB weist auf zahlreiche Überschneidungen mit der Bahnhofsbaustelle hin

SSB-Sprecherin Birte Schaper nennt das Jahr 2022 für den Ast zum Hauptbahnhof, auf dem zwei reguläre Linien und die Veranstaltungslinie U 11 unterwegs sind, „eine Perspektive“. Die lange Bauzeit bis dahin erklärt sie mit den zahlreichen gegenseitigen Abhängigkeiten beim Bau der neuen Stadtbahnstrecke und des Durchgangsbahnhofs für Stuttgart 21. So muss etwa der Nesenbachabwasserkanal neu gebaut werden, da er den Stadtbahnstrecken im Weg ist sowie den Trog des Bahnhofs unterqueren muss. Um die Beeinträchtigungen für den oberirdischen Verkehr in Grenzen zu halten, arbeiten sich die SSB „in verhältnismäßig kleinen Abschnitten“ voran, wie Schaper sagt. Zudem gelte es für Teilbereiche in der Schillerstraße noch zu klären, wer dort die Arbeiten verantwortet, die SSB oder die Bahn. Entsprechende Verhandlungen bestätigt ein Sprecher der Bahn-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm (PSU). Die Berührungspunkte zwischen den Vorhaben seien so zahlreich, dass es sinnvoll sein könnte, wenn die Bahn die Verantwortung für diesen Abschnitt der SSB-Tunnel übernehme.

Bislang hatten sich die SSB gescheut, einen konkreten Termin für das Schließen dieser Lücke im Stadtbahnnetz zu nennen. Seit Dezember 2017 fahren keine Bahnen mehr auf dem Abschnitt unter der Schillerstraße. Die Linien werden umgeleitet. „Der Zeitpunkt, an dem die SSB die gewohnten Verbindungen von der Haltestelle Staatsgalerie in beiden Richtungen wieder aufnehmen kann, ist noch unbekannt“, heißt es auf der noch nicht aktualisierten Internetseite der SSB.

Schon die erste Umbauphase verzögerte sich

Die heutige Haltestelle Staatsgalerie liegt den Röhren von Stuttgart 21 im Weg. Sie wird deshalb etwas höher gebaut und rückt ans Planetarium heran. Der Halt, der derzeit vollständig unter der Erde liegt, soll dann teilweise nach oben geöffnet sein. Für den Neubau und die sich anschließenden Tunnel war in der Zeit zwischen Mai 2016 und Dezember 2017 die Strecke von der Staatsgalerie zum Charlottenplatz gesperrt. Diese Unterbrechung hätte eigentlich im August 2017 wieder aufgehoben werden sollen. Der Zeitplan erwies sich als zu ehrgeizig.

Auch für Autofahrer bringt die Baustelle weitere Veränderungen mit sich. Im August 2018 sollen die Fahrspuren der Schillerstraße, die derzeit teils durch einen Zipfel des Mittleren Schlossgarten verlaufen, wieder direkt vor den Eingang des Königin-Katharina-Stift verlegt werden. Mit dem derzeitigen Schlenker war Platz geschaffen worden für die Baustelle, auf der bereits ein erster Abschnitt der Stadtbahntunnel Richtung Hauptbahnhof entstanden ist.

Der Eingriff in das Stadtbahnnetz hatte immer wieder zu harscher Kritik geführt. Die Initiative „Unsere Stadtbahn“ etwa klagt: „Die Stuttgarter Stadtbahn ist durch die Stuttgart-21-Baustellen derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie ihre Aufgabe, die verlässliche Beförderung der Fahrgäste, nicht mehr erfüllen kann.“ Die SSB entgegnen, dass trotz der Bautätigkeit stets alle Haltestellen bedient werden. In der Baugenehmigung aus dem Jahr 2005 für den Tiefbahnhof heißt es, die Bahn sage zu, „Betriebsunterbrechungen beziehungsweise Umleitungen von Stadtbahn und Buslinien auf das äußerst notwendige Maß zu beschränken und diese rechtzeitig anzumelden.“