Nahverkehr in Stuttgart S-Bahn-Misere: Verkehrsclub rügt Politik

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland versagt der Verband Region Stuttgart in seiner Rolle als Aufgabenträger für die S-Bahn. Der VCD stellt deshalb einen 15-Punkte-Katalog für einen pünktlichen und zuverlässigen S-Bahn-Verkehr vor.

Die S-Bahnen in der Region sollen wieder auf Kurs gebracht werden. Foto:  
Die S-Bahnen in der Region sollen wieder auf Kurs gebracht werden. Foto:  

Stuttgart - Nach Ansicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) nimmt der Verband Region Stuttgart (VRS) seine Rolle als politisch verantwortlicher Aufgabenträger für die S-Bahn nicht ausreichend wahr. „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge sind spätestens seit dem Baubeginn von Stuttgart 21 aus dem Tritt gekommen“, erklärte der VCD-Landes­vorsitzende Matthias Lieb am Freitag auf einer Pressekonferenz. Statt Sachwalter der Fahrgäste zu sein, rede der Verband die Probleme klein und wiegele Kritiker ab. Der VRS will die Probleme am 9. Oktober auf einem S-Bahn-Gipfel behandeln.

Der VCD fordert deshalb eine Neuordnung der Zuständigkeiten für den Nahverkehr. Neben dem VRS und dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) müssten auch das Land, die Landeshauptstadt und die umliegenden Landkreise eingebunden werden. Der VRS sei ein David, der sich gegen den Goliath Bahn nicht durchsetzen könne.

Lieb stellte am Freitag einen 15-Punkte-Katalog für einen pünktlichen und zuverlässigen S-Bahn-Verkehr vor, der einen Mix aus kurz-, mittel- und langfristig umsetzbaren Maßnahmen enthält. Mit einer Signalstörung am Ferngleis zwischen Plochingen und Esslingen lieferte die Bahn dem Kritiker am Freitagmorgen die passende „Begleitmusik“. Die Züge der S-Bahn-Linie 1 zwischen Kirchheim/Teck und Herrenberg konnten im Berufsverkehr nur im 30-Minuten-Takt verkehren, weil Fernzüge über die S-Bahn-Gleise geleitet werden mussten. Erst gegen 13 Uhr war die Signalstörung behoben.

„Unpünktlichkeit muss für die Bahn teuer sein“

„Zwischen Bahn und VRS läuft zu viel im stillen Kämmerlein“, kritisierte Lieb. „Um mehr Transparenz zu schaffen, müssen Teile des neuen S-Bahn-Vertrags zwischen VRS und Bahn veröffentlicht werden.“ Die Fahrgäste hätten einen Anspruch darauf zu erfahren, welche Vereinbarungen es hinsichtlich Qualität, Pünktlichkeit und Strafgeldern gebe. „Unpünktlichkeit muss für die Bahn teuer sein“, so Matthias Lieb. „Nur dann gibt es einen Anreiz, den Fahrplan einzuhalten und keine Züge ausfallen zu lassen.“ Für unzureichend hält der Verkehrsclub auch die Veröffentlichung der Pünktlichkeitsquoten. Die Bahn gebe nur Durchschnittswerte an. „Wir brauchen aber eine linienbezogene Statistik, etwa bei der S 1 im Berufsverkehr.“

Als weiteren Anreiz für bessere Pünktlichkeitswerte verlangt der VCD-Landesvorsitzende eine Entschädigungsregelung nach dem Vorbild Österreichs. Wenn die vereinbarte Quote nicht erreicht werde, erhielten Pendler bis zu zehn Prozent des Preises für die Jahreskarte zurück.

Um die Qualität der S-Bahn zu steigern und die Fahrpläne einzuhalten, sind nach Ansicht des VCD unbedingt kürzere Haltezeiten auf der überlasteten Stammstrecke zwischen den Stationen Schwabstraße und Hauptbahnhof unerlässlich. Kostengünstig und rasch umsetzbar seien gut sichtbare farbliche Markierungen des Lichtschrankenbereichs als verbotene Zone.

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