Nahverkehr in Stuttgart SSB fährt tiefer in die Verlustzone

Von Konstantin Schwarz 

Die Zuschüsse für Fahrzeuge fehlen. Die Fahrpreise sollen daher jährlich um 2,2 Prozent steigen. Der SSB-Vorstand fordert, dass das Land wieder, wie es bis 2005 der Fall war, den Kauf von Stadtbahnen bezuschusst.

Die Fahrzeuge der SSB kommen in die Jahre. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Fahrzeuge der SSB kommen in die Jahre. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stutttgart. - Nach dem Verkauf des letzten Tafelsilbers in Form von Grundstücken und Gebäuden wird die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) in den nächsten Jahren tiefer ins Defizit fahren. 2017 sollen es 18 bis 20, bis 2020 dann bis zu 24 Millionen Euro pro Jahr werden. Das städtische Tochterunternehmen erhält als Ausgleich im vom Gemeinderat gesetzten Rahmen bis zu 25 Millionen Euro aus der Stuttgarter Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (SVV). In der wurde Geld aus dem Verkauf von EnBW-Aktien angelegt. Ende 2015 waren es 741 Millionen Euro.

Bugwelle an Investitionen

Investitionen können aus dem SVV-Topf nicht gestemmt werden. Die SSB beginnt daher, eine Bugwelle von Investitionen aufzubauen. Stefanie Haaks, im dreiköpfigen SSB-Vorstand für die Finanzen verantwortlich, rechnete am Dienstag bei einer Pressekonferenz vor der Sitzung des Aufsichtsrates rund 200 Millionen Euro zusammen, die sich „aufgestaut“ hätten. Das reicht von der Sanierung der SSB-Zentrale in Möhringen über einen Stadtbahn-Betriebshof bis zu neuen Wagen für die Zahnradbahn (15 Millionen). Für dieses und das Jahr 2017 sind Darlehen von je 40 Millionen Euro beschlossen, bis 2020 werden weitere mindestens 70 Millionen Euro gebraucht. Im kommenden Jahr sollen 150 Millionen investiert werden, 80 davon kommen für Infrastruktur (U 6 zu Flughafen/Messe, U 5 zur Markomannenstraße in Leinfelden, U 12 nach Münster und Folgen von Stuttgart 21) von Zuschussgebern. Neue Busse und Stadtbahnen kosten 46 Millionen Euro.

Pro Jahr 150 Mitarbeiter

Haaks, Technikvorstand Wolfgang Arnold und die für das Personal (3085 Beschäftigte) zuständige Sabine Groner-Weber fordern, dass das Land wieder, wie es bis 2005 der Fall war, den Kauf von Stadtbahnen bezuschusst. Den Ausbau der Linie U 1 auf 80 Meter lange Züge sieht Arnold erst nach 2020 als möglich an. Dafür würden 20 Züge (80 Millionen Euro) gebraucht. Von 38 alten Bahnen sollen laut Arnold noch 18 saniert werden. Das schaffe etwas Luft. Ersetzt werden müssten die Bahnen im nächsten Jahrzehnt dennoch. Der Netzausbau erfordert mehr Personal, bis 2019 würden pro Jahr rund 150 neue Mitarbeiter gebraucht, so Groner-Weber.

An der Stellschraube Fahrpreise will die SSB weiter mit jährlich 2,2 Prozent Erhöhung drehen. Dafür gibt es auch Verbesserungen, zum Beispiel ab Frühjahr 2017 erneut die Anbindung der Waldebene Ost durch die Verlängerung der Linie 64, was 190 000 Euro kostet. Auf der Linie 65 soll nach 2017 das Ziel Flughafen vom Neckartal aus wieder angesteuert werden.

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