Derzeit gilt auf einigen Eisenbahnstrecken im Nahverkehr rund um Stuttgart ein ausgedünnter Fahrplan. Die Deutsche Bahn begründet das mit dem hohen Krankenstand und weist eine andere Lesart des Verkehrsclubs Deutschland vehement zurück.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)
 
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Für einige Linien im Nahverkehr rund um Stuttgart gilt derzeit ein eingeschränkter Fahrplan. So ist etwa die S-Bahn-Linie 1 nur im Halbstundenrhythmus unterwegs, die Züge der Express-S-Bahn-Linie 62 fahren gar nicht. Teilweise werden die Einschränkungen über den Jahreswechsel hinaus bestehen. Während die Deutsche Bahn die Reduzierung des Fahrplans mit einem „außergewöhnlich hohen Krankenstand beim Fahrpersonal“ begründet, mutmaßt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ganz andere Ursachen.

Verkehrsclub vermutet Personalmangel

Der VCD nennt „die Häufung der personalbedingten Zugausfälle gerade zum Jahresende“ in einer aktuellen Mitteilung „auffällig“. Der Club wähnt einen Zusammenhang mit den „Jahresarbeitszeitkonten der Mitarbeiter, die durch frühere Überstunden nun vermutlich schon an der Obergrenze angekommen seien, sodass Mitarbeiter nicht weiter arbeiten müssten“, schreibt die Vereinigung. „Sollte dies zutreffend sein, so hätte die S-Bahn Stuttgart weniger ein Krankheitsproblem als vielmehr einen strukturellen Personalmangel.“ Der VCD fordert deshalb, „zunächst ein verlässliches Kernangebot für den Berufsverkehr anzubieten, bevor weitere Fahrplanausweitungen in Randzeiten gefahren werden“.

Die Bahn widerspricht dieser Lesart vehement. Die Bahn weise „Spekulationen des VCD über die Jahresarbeitszeitkonten der DB-Mitarbeitenden entschieden zurück“, erklärt ein Bahn-Sprecher. Er verweist auf einen aktuell sehr hohen Krankenstand „wie bei nahezu allen Unternehmen in Deutschland“. Das könne „leider regional zu betrieblichen Einschränkungen im Zugverkehr führen“. Der „aktuell leicht reduzierte Fahrplan“ helfe der Bahn dabei, den „Fahrgästen der S-Bahn Stuttgart so gut wie möglich ein stabiles und verlässliches Angebot zu bieten“.

Bahn sucht Lokführer

Die Bahn sucht schon seit Jahren händeringend Lokführer. Das Bemühen scheint nun erste Früchte zu tragen. Die 26 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dieses Jahr neu dazugekommen sind, seien ein Einstellungsrekord für den Staatskonzern. 100 Frauen und Männer befänden sich derzeit im Bereich der S-Bahn Stuttgart in der Ausbildung zum Lokführer. Die Einstellungszahlen sollen auch im Jahr 2023 auf diesem Niveau bleiben. Gegen Krankheitswellen wie die aktuelle ist aber kein Kraut gewachsen: „So kann ein sehr hoher Krankenstand punktuell zu einer angespannten Personalsituation führen, denn keine Personalplanung der Welt kann die aktuelle gesundheitliche Lage ausgleichen.“