Für Nachtschwärmer rund um Leonberg könnten bald bessere Zeiten anbrechen. Dann nämlich, wenn eine neue Nachtbuslinie nicht erst zum Jahreswechsel 2025/2026 ihren Betrieb aufnimmt, sondern schon zum 1. Januar des kommenden Jahres. Denn die N 63, wie sie offiziell heißt, soll nach dem Willen des Leonberger Jugendausschusses früher starten.
Die Strecke des Nachtbusses führt von der Stuttgarter Universität über die Gerlinger Schillerhöhe nach Leonberg. Im Stadtgebiet werden Ramtel, der Bahnhof, Eltingen und Warmbronn angefahren. Von dort aus geht es zurück zur Uni. Hier gibt es Anschluss an die S-Bahn-Linien 1 und 2. Am Leonberger Bahnhof wird die S 6 in Richtung Stuttgart Hbf und Weil der Stadt sowie der Nachtbus nach Weissach erreicht.
Verkehren soll die N 63 an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, jeweils im Stundentakt von 1 Uhr bis 5 Uhr. An Werktagen gibt es die Verbindung nicht.
Das Angebot ist Teil einer Neukonzeption des Stadtverkehrs in Leonberg. Die Stadt hat die Trägerschaft der Linien zum Jahresbeginn 2026 an den Landkreis Böblingen übertragen. Der Kreis übernimmt ein garantiertes Leistungsvolumen im Wert von 1,1 Millionen Euro. Im Moment ist allerdings ein Angebot in Höhe von 1,3 Millionen Euro vorgesehen. Die Differenz müsste Leonberg zur Hälfte übernehmen, also rund 100 000 Euro.
Auch einen frühzeitigen Start des Nachtbusses N 63 zum Beginn des neuen Jahres müsste die Stadt aus eigener Tasche bezahlen. Das günstigste Angebot liegt bei 64 000 Euro. Viel Geld für eine finanziell gebeutelte Stadt. Und deshalb ist der Gemeinderat dafür, dass der Betrag aus dem Topf des Jugendausschusses entnommen wird.
Vermutlich 80 000 Euro hat die Interessenvertretung jüngerer Leute im kommenden Jahr für eigene Projekte zur Verfügung. Der Haushalt ist noch nicht beschlossen. „Wenn den jungen Leuten eine Nachtbusverbindung so wichtig ist, dann soll sie auch aus ihrem eigenen Etat bezahlt werden“, meint Axel Röckle. Der Fraktionschef der Freien Wähler trifft damit die Mehrheitsmeinung.
Allein die Grünen wollen dieser Logik nicht folgen. Denn nicht nur junge Leute, so argumentiert Birgit Widmaier, würden die neue Nachtbuslinie nutzen: „Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass eine öffentliche Aufgabe zu 100 Prozent über das Budget des Jugendausschusses bezahlt wird.“ Sie fordert eine Finanzierung über den allgemeinen städtischen Etat. Mit dem Jugendausschuss solle danach „über einen angemessenen Finanzierungsanteil“ verhandelt werden.
Doch eine Mehrheit sieht es anders: Wenn die Interessenvertretung der jungen Leute bereit ist, die Betriebskosten für das kommende Jahr aus ihrem Budget zu finanzieren, kann der Nachtbus zum 1. Januar starten. Andernfalls müssten sich die Nachtschwärmer bis zum Neujahrsmorgen 2026 gedulden, um nachts quer durch Leonberg zu fahren. Denn dann zahlt der Landkreis.