Die hohen Spritpreise bescheren den heimischen Transportfirmen teilweise doppelte Kosten. Die dürfen sie aber nicht an ihre Kunden weitergeben.
Beim Blick auf die Anzeige der Tankstellen wird nicht nur so manchem Pendler derzeit schwindelig. Besonders auch diejenigen, die Fahrgäste von A nach B bringen, treiben die hohen Spritpreise um. Bus- und Taxiunternehmen leiden momentan unter immensen Mehrausgaben. Wie lässt sich das kompensieren?
Jeden Tag wirft Walter Kappus einen Blick auf die aktuellen Spritpreise. Circa 40 Liter Diesel verbrauchen seine Linienbusse jeweils auf 100 Kilometern. Bei solchen Verbräuchen kommen einige Tausend Euro an Mehrkosten in seinem Busunternehmen zusammen.
Preise sind auf Monate festgeschrieben
Zwar kann er seinen Fuhrpark über die betriebseigene Tankstelle befüllen. Doch die Verträge mit seinem Spritlieferanten schützen seine Firma nicht vor stark steigenden Preisen. In der derzeitigen Situation sieht Kappus Reisen aus dem Leonberger Teilort Warmbronn einen „gewaltigen Kraftakt“, sagt der Geschäftsführer. „In solch exorbitanter Form hatten wir das noch nicht.“
Vor rund einem Jahr kostete der Liter Diesel 60 Cent weniger, rechnet Kappus vor. Beim Reiseverkehr und der Busvermietung kann der Firmenchef zwar preislich reagieren. Dennoch bleibt Walter Kappus zunächst auf den hohen Kosten sitzen, weil die Preise auf Monate hinaus festgeschrieben sind. Im Linienverkehr kann er die vom Verkehrsverbund Stuttgart festgelegten Fahrpreise nicht anheben. Allerdings besteht die Möglichkeit, Mehrkosten durch gestiegene Spritpreise von den Aufgabenträgern erstattet zu bekommen. Kappus hofft, bald solche Zahlungen zu erhalten.
Nahverkehr könnte zusammenbrechen
Auch bei Wöhr Tours in Weissach hofft man auf eine baldige Hilfe und hat sich an die Landratsämter gewandt „Es muss etwas passieren. Wir können es sonst nicht stemmen“, sagt Geschäftsführerin Monika Wöhr-Kühnemann. Pro Woche entstehen dort Mehrkosten in Höhe von rund 10 000 Euro. Die Situation sei prekär. Wenn die gebeutelte Branche nicht bald entlastet werde, könne der öffentliche Personennahverkehr zusammenbrechen.
Während auch Wöhr Tours im Linienverkehr nicht an der Preisschraube drehen darf, kann das Unternehmen bei der Vermietung von Bussen reagieren. Der Anteil an Mietbussen am Gesamtgeschäft sei aber gering. Für Taxiunternehmen sieht die Lage noch düsterer aus. Sie müssen die Mehrausgaben komplett aus der eigenen Tasche zahlen. „Das geht direkt von dem Unternehmensgewinn ab“, klagt Stephan Keppler vom gleichnamigen Leonberger Taxibetrieb. Das falle ihm künftig auf die Füße, weil dann das Geld für Investitionen wie neue Autos fehle.
1200 statt 600 Euro Spritkosten
Die Fahrgastpreise kann er nicht anheben, weil sie tarifgebunden sind. Auch bei Vertragspartnern wie den Krankenkassen sind die Preise pauschal vereinbart. Keppler bleibt nichts anderes übrig, als mit weniger Personal und Fahrzeugen zu planen, um die sonstigen Kosten runterzufahren. Erschwerend kommt für ihn hinzu, dass die Umsätze seit Corona auf einem niedrigeren Niveau sind. Weil keine Feste oder Veranstaltungen stattfinden, ist der Bedarf an Taxifahrten nach wie vor geringer.
Sein eigener Chef ist Dimitrios Kalpakidis, der in Leonberg mit einem Wagen unterwegs ist. „Früher hatte ich Benzinkosten von 600 Euro, jetzt sind sie doppelt so hoch“, sagt der selbstständige Taxiunternehmer.
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Das wiege umso schwerer, da Krankenfahrten außerhalb des Landkreises von den Kassen lediglich mit 1,90 Euro pro Kilometer vergütet werden. „Wartezeiten, Staus und andere Zeitfresser bekomme ich nicht erstattet“, sagt Kalpakidis. „Eine Fahrt nach Stuttgart etwa, die normal rund 50 Euro kostet, bekomme ich von der Kasse nur mit 35 Euro vergütet.“ Da hofft er auf eine Änderung. Denn innerhalb des Kreises kann er Krankentransporte nach Taxometer abrechnen. Das bringt mehr.