Nahversorgung im Kreis Esslingen Aus CAP-Märkten werden Bonus-Märkte

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Die bisherige Trägerin Filderwerkstatt gibt ihren Lebensmitteleinzelhandel im Kreis Esslingen zum Jahresende ab. Die vier Läden bleiben aber erhalten, und auch die beschäftigten Menschen mit Behinderung sollen ihre Arbeitsplätze behalten.

Die CAP-Märkte wie hier in Neuhausen sind nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern auch Begegnungsorte. Foto: Horst Rudel 4 Bilder
Die CAP-Märkte wie hier in Neuhausen sind nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern auch Begegnungsorte. Foto: Horst Rudel

Kreis Esslingen - Es werde noch einen „hochrabattierten Abverkauf“ der Waren geben, bevor dann zum 31. Dezember die vier CAP-Märkte in Stetten, Neuhausen, Kirchheim-Ötlingen und Notzingen aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Das hat der Leiter der Filderwerkstatt, Klaus Korschinek, am Mittwoch bekannt gegeben. Bereits seit Jahren kämpft der Träger mit Finanzierungsproblemen.

Weder Kunden noch Beschäftigte sollen Nachteile haben

Die Schließung wird allerdings nur vorübergehend sein. Denn mit der Gemeinnützigen Gesellschaft für Schulung und berufliche Reintegration (SBR) mit Sitz in Stuttgart steht bereits ein neuer Träger bereit, der die Märkte unter dem Namen Bonus weiterführen wird. Die Verträge sind am Freitag unterzeichnet worden. Der Wechsel des Firmenschilds soll mit keinen Nachteilen verbunden sein, weder für die Kunden noch für die Beschäftigten.

In den CAP-Märkten arbeiten derzeit 22 Menschen mit Behinderung und zwölf betreuende Mitarbeiter. „Unabhängig vom rechtlichen Betriebsübergang gehört es zu unserem Selbstverständnis, dass wir alle übernehmen und die Arbeitsplätze für Behinderte erhalten“, sichert der SBR-Geschäftsführer Manfred Kaul zu.

Die Öffnungszeiten werden erweitert

Die CAP-Lebensmittelgeschäfte im Kreis Esslingen gibt es seit etwa zehn Jahren. Geplant ist, dass die beiden Märkte in Neuhausen und Ötlingen Mitte Februar unter neuem Namen wiedereröffnen, die in Stetten und Notzingen sollen dann Anfang bis Mitte März folgen. Die Kunden werden Manfred Kaul zufolge ein zwar anderes, jedoch gleichwertiges Sortiment vorfinden. Während die CAP-Märkte von Edeka beliefert werden, finden sich in den Bonus-Regalen Produkte von Rewe.

Verbesserungen soll es bei den Öffnungszeiten geben. So sollen die Bonus-Märkte künftig werktags von 8 bis 20 Uhr für Kunden offen stehen. Beim Notzinger Markt gibt es Manfred Kaul zufolge aber noch Klärungsbedarf. Während der Monate der Schließung werde unter anderem das Kassensystem verändert und wo nötig in die Kühltechnik investiert. In Neuhausen beispielsweise gebe es einen „dringenden Sanierungsbedarf“, so Manfred Kaul. Er hoffe daher, dass der Beschluss zur Erhaltung der Nahversorgung in Neuhausen auch für den neuen Träger gelten werde. Der Gemeinderat hatte 300 000 Euro Zuschuss bewilligt, damit es für den Neuhausener CAP-Markt weitergehen kann. Der Gemeinderat in Kirchheim hingegen hatte im Mai einen Zuschuss in selber Höhe verweigert, weil das Gremium dort von der Lebensfähigkeit der CAP-Märkte nicht überzeugt gewesen war.

Eine dauerhafte Subventionierung soll vermieden werden

„Wir gehen nicht davon aus, dass einer der Standorte eine dauerhafte Subventionierung von kommunaler Seite brauchen wird“, sagt jetzt Manfred Kaul. „Was wir aber erwarten, ist eine kommunale Ausfallbürgschaft, wenn wir investieren müssen. Anders geht es nicht.“ Eine kleinteilige Nahversorgung koste Geld, betont der SBR-Geschäftsführer und fügt hinzu: „Bonus gibt es nicht geschenkt.“

Der neue Geschäftsführer ist vom Erfolg überzeugt

Warum sollte mit Bonus klappen, was mit CAP gescheitert ist? „Wir haben andere Rahmenbedingungen und sind uns sicher, dass es funktioniert“, antwortet Kaul. Die CAP- als auch die Bonus-Märkte eint der Non-Profit-Gedanke. Es gibt aber auch Unterschiede. In den Bonus-Märkten arbeiten Menschen, die sich am Arbeitsmarkt schwertun, etwa Langzeitarbeitslose oder schwer vermittelbare Jugendliche mit Förderbedarf. Dass nun Menschen mit einer Behinderung hinzukommen, ist aber neu.

In den betroffenen Kommunen herrscht nun die Hoffnung, dass Kaul mit seiner Zuversicht recht behält. Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zeigt sich jedenfalls erst einmal vorsichtig optimistisch.