Nahversorgung in S-Sonnenberg Was tun gegen das Ladensterben?

Das Interesse am Thema Nahversorgung in Sonnenberg ist groß. Foto: Christoph Kutzer

In den vergangenen Jahren ist die Infrastruktur in Stuttgart-Sonnenberg kontinuierlich schlechter geworden. Der Sonnenberg-Verein versucht, gegenzusteuern, doch seine Mittel sind begrenzt. Nun hat er bei einer Infoveranstaltung noch einmal wachgerüttelt.

Vor der alten Apotheke in Sonnenberg hat sich am Samstagvormittag eine Menschentraube gebildet. Um Kunden der Corona-Teststation, die derzeit an der Laustraße 3 untergebracht ist, kann es sich kaum handeln. Sie würden Schlange stehen. Die hundert Versammelten scharen sich um einen Infotisch des Sonnenberg-Vereins und seinen Vorsitzenden Klaus Neubarth. Es ist der Auftakt zu einer Ortsbegehung, bei welcher der Bebauungsplan für die südliche Laustraße und die bestehenden Mängel in der Nahversorgung die Themen sind.

 

In den vergangenen Jahren ist die Infrastruktur kontinuierlich schlechter geworden: Die Apotheke ist seit 2018 geschlossen, das „Lädle“, wo Anastasiadis Panagiotis als Nachfolger des örtlichen Bonus-Markts Lebensmittel angeboten hat, ist seit 2019 dicht. Die Papeterie samt Postshop ist Geschichte. Der Friseursalon Langenegger zieht im Sommer nach Möhringen um. Die Filiale der BW-Bank ist verwaist.

Welche Rolle spielen die Bebauungspläne?

Neubarth skizziert die Situation. Er lässt nicht unerwähnt, dass die Gründe für die Schließungen unterschiedlich sind. Die Bank etwa könne einer generellen Filialausdünnung zum Opfer gefallen sein.

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Dass die Bebauungspläne eine Rolle spielen, auch, was die Zukunft betrifft, ist für ihn allerdings nicht von der Hand zu weisen. Zwar sieht das Konzept Ladenflächen vor, fraglich ist aber, wer sich die Mieten in den Neubauten wird leisten können. Aktuell versucht man die Versorgungslücken in Sonnenberg durch mobile Angebote abzufedern. Am Samstag steht der Bus des Restaurants Schwabenstuben aus Freiberg an der Laustraße. Im Angebot: fertige Speisen und Lebensmittel. Einmal die Woche kommt ein Frischedienstmobil vorbei.

„Die Nachfrage ist groß“, merkt der evangelische Pfarrer Hartmut Mildenberger an. „Man spürt, dass es an Einkaufsmöglichkeiten fehlt.“ Besonders treffe der Ladenschwund die Bewohner des Generationenzentrums. Für sie sei es auch ein Stück soziale Teilhabe gewesen, Kleinigkeiten einkaufen zu können, vielleicht ein Schwätzchen zu halten, sagt Mildenberger.

Verkaufscontainer als Zwischenlösung waren im Gespräch

Man habe angedacht, Verkaufsmöglichkeiten in und am Seniorenheim zu schaffen, erklärt Neubarth. Doch seien die räumlichen Gegebenheiten unzureichend. Zudem habe man in Zeiten der Pandemie keinen zusätzlichen Publikumsverkehr verursachen wollen. Den Gedanken, als Zwischenlösung Verkaufscontainer aufzustellen, habe es ebenfalls gegeben. Auch hier sei das Gelände am Seniorenheim im Gespräch gewesen, ebenso wie das Areal am Hallenbad. Doch die erste Rückmeldung der Stadt sei negativ gewesen.

Zusätzlicher Haken: Die eingehende Prüfung eines Standorts würde erst erfolgen, wenn es Interessenten für die Containernutzung gebe. Sie zu finden, sei schwierig, solange die Standortfrage offen sei. „Wir haben ein Henne-Ei-Problem“, stellt Klaus Neubarth seufzend fest. Resigniert wirkte er nicht. Es gibt weitere Ideen. Vielleicht ließe sich die Ansiedlung von Gewerbe genossenschaftlich organisieren? Der Bebauungsplan könnte für neue Geschäfte allerdings schon wieder das Aus bedeuten. Der Vereinsvorsitzende geht davon aus, dass Gebäude mit Ladenflächen abgerissen und neu errichtet werden. Alles andere werde sich für die Eigentümer nicht rechnen.

Was der Sonnenberg-Verein weiter plant

Mit Blick auf den verlassenen Elektro Lerch macht eine Dame ihrem Unmut Luft: „Wir hatten hier im Viertel schon einen Bioladen, danach einen Bestatter. Jetzt haben wir Stuttgart“, sagt sie. Der Hang der Stadt, zu Lasten des Bestehenden zu planen, lasse ihr die Galle hochkommen.

Klaus Neubarth sieht durchaus Zeichen der Hoffnung: Das Engagement der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart für Sonnenberg etwa, vor allem aber das Interesse der Bürger, das sich auch bei der Ortsbegehung zeigte. Schon 2016 hatte der Sonnenberg-Verein 836 Unterschriften gegen den Bebauungsplan gesammelt. Das entspricht rund 25 Prozent der Einwohner von Sonnenberg. Am 26. April soll, sofern es Corona zulässt, unter dem Motto „Warum gibt es in Sonnenberg keine Austernbar?“ im evangelischen Gemeindezentrum an der Johannes-Krämer-Straße weiter über die Zukunft des Stadtteils diskutiert werden.

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