Der Laden an der Hirsauer Straßen in Kaltental ist geschlossen. Foto: Torsten Schöll
Seit einigen Tagen ist das Lebensmittelgeschäft an der Hirsauer Straße in Kaltental geschlossen. Die Stadt hatte die Modernisierung erst vor wenigen Jahren finanziell unterstützt.
Torsten Schöll
10.03.2026 - 14:03 Uhr
Rückschlag für die Nahversorgung in Kaltental: Das einzige Lebensmittelgeschäft mit Vollsortiment hat Knall auf Fall geschlossen. Bis der geplante große Supermarkt kommt, wird es indes dauern.
Für die Bewohner am sogenannten katholischen Hügel in Kaltental ist es ein harter Schlag. Erst vor knapp zweieinhalb Jahren war im letzten Moment ein Nachfolger für den langjährigen Betreiber des kleinen, aber für das Viertel wichtigen Geschäfts in der Hirsauer Straße gefunden worden.
Früherer Inhaber führte das Geschäft 35 Jahre lang
Doch jetzt ist schon wieder Schluss: Seit einigen Tagen weist eine Tafel mit der Aufschrift, der Feinkostladen werde „aus familiären Gründen schließen“, auf die Geschäftsaufgabe hin. Auch wenn die Formulierung in die Zukunft weist – Tatsache ist, dass der Lebensmittelmarkt verriegelt ist. Die Regale stehen leer.
Ende 2023 hatte der Lebensmittelhändler Abbas Khalil das Geschäft, das er zu einer Art Quartierstreffpunkt für Jung und Alt entwickelt hatte, nach 35 Jahren altersbedingt aufgegeben. Natürliche Nachfolger gab es keine, weshalb der Laden kurz vor dem Aus stand. Beinahe im letzten Moment entschieden sich dann ein Unternehmer, der in Kaltental kein Unbekannter ist, und dessen Lebensgefährtin, den Markt zu übernehmen.
Die Nahversorgung in Kaltental bereitet vielen Bewohnern des Stadtteils Sorge. Foto: imago
Die plötzliche Geschäftsaufgabe will der Unternehmer auf Anfrage unserer Zeitung nicht kommentieren. Das Geschäft hatte er kurz nach der Übernahme umfangreich renoviert. Die Stadt hatte die Modernisierung mit 48.000 Euro aus dem Förderprogramm „Nahversorgung konkret“ unterstützt.
Fordert die Stadt Fördermittel zurück?
Nach Angaben der Stadtverwaltung, die über die Schließung informiert ist, werde „aktuell keine Nachfolge von Seiten der Betreiber angestrebt“. Weiter heißt es: „Solange keine Informationen über die Dauer einer Schließung oder endgültige Aufgabe des Marktes vorliegen, ist es verfrüht, der etwaigen Frage der Zurückzahlung von Fördermitteln nachzugehen.“
Hört man sich auf dem katholischen Hügel in Kaltental um, ist das Bedauern über die Schließung groß. Doch schwingt auch mit, dass sie nicht ganz unerwartet kommt. „Der Laden war nach der Renovierung super eingerichtet“, sagt eine Kundin, die dort zumindest zwischendurch eingekauft hatte. „Aber das neue Feinkostkonzept hat nicht mehr richtig zum Umfeld in Kaltental gepasst.“ Gebraucht habe man vor allem Lebensmittel für den alltäglichen Bedarf. Das habe der Vorgänger besser verstanden. Ihren Namen möchte die Kundin nicht nennen: „Kaltental ist ein Dorf, hier kennt jeder jeden“, sagt sie zur Begründung.
Das sieht auch ein Vater aus der Nachbarschaft so und will deshalb anonym bleiben. Selbst fand der 57-Jährige das neue Konzept, zu dem auch Wildprodukte und edle Weine gehörten, „eigentlich toll“. Aber auch er glaubt, dass das Geschäft sich stärker an den Bedürfnissen der Älteren hätte orientieren müssen. Sie hätten den Laden am meisten genutzt.
Supermarkt in Kaltental kommt erst in einigen Jahren
Ohne Lebensmittelvollsortimenter sieht es in Kaltental in Sachen Nahversorgung nun also wieder ein Stück düsterer aus. Auch, weil es noch etliche Jahre dauern dürfte, bis der im Rahmen des Sanierungsgebiets „Stuttgart 31 – Kaltental“ geplante Quartierssupermarkt kommt.
Schon vor Jahren hatte die Stadt zu diesem Zweck in einer Machbarkeitsstudie die Standorteignung eines Areals auf dem Grundstück Engelboldstraße 2 untersucht. Da das Grundstück, wo derzeit noch Wohnmobile verkauft werden, nicht im Besitz der Stadt war, stockte der Prozess.
Seit kurzem seien die Erwerbsverhandlungen jedoch abgeschlossen, teilt die Stadt jetzt mit. In einem nächsten Schritt soll das Areal mittels eines Architekten- und Investorenwettbewerbs ausgeschrieben und an den Bewerber mit dem besten Gesamtkonzept veräußert werden. „Auf Grundlage des Siegerentwurfs könnte dann der Bebauungsplan geändert werden.“ Dies unterliege jedoch, so heißt es weiter, „der Prioritätensetzung für die Erarbeitung von Bebauungsplänen“. Nach einer raschen Umsetzung klingt das nicht.