Naked Lunch in Stuttgart Und ein Licht geht auf

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Naked Lunch aus Klagenfurt haben im Zwölfzehn in Stuttgart ein kleines Indie-Fest gefeiert. Der gesetzte Sound der vier Österreicher war gerade richtig für einen Montagabend. Und am Ende gab es noch den einen, großen Pop-Moment.

Der Hintergrundgesang von Bassist Herwig Zamernik ist bei Naked Lunch fast stilprägend. Die Glühlampen im Hintergrund auch. Foto: Jan Georg Plavec 13 Bilder
Der Hintergrundgesang von Bassist Herwig Zamernik ist bei Naked Lunch fast stilprägend. Die Glühlampen im Hintergrund auch. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Wenn einer wie Naked Lunch seit mehr als zwanzig Jahren im Geschäft ist, dann macht einem keiner mehr was vor. So souverän, wie die vier Österreicher am Montagabend im dreiviertelvollen Zwölfzehn ihre Songs vortragen, die Zwischenrufe der Zuschauer parieren und sich ganz abgeklärt an dem von ihnen gestalteten Abend begeistern – so würde man sich mehr Pop- und Indie-Abende in den hiesigen Clubs wünschen. Was auch am Publikum liegt.

Einer Band wie Naked Lunch hören natürlich nur unterdurchschnittlich viele Teenies zu. Auch wenn es andere Leute gibt, die sich während des Konzerts gern lautstark unterhalten: Bei den Songs von Naked Lunch, die mit einem großen Spektrum zwischen laut und leise, viel Dynamik und teils sparsamer Instrumentierung aufwarten, ist es im Publikum: ruhig. Man hört aufmerksam zu. Indie und Pop für Leute, die wissen, warum sie hier sind. Die in diesem Zusammenhang gern geschmähten Jutetaschenträger sind deutlich in der Unterzahl.

Songs, keine Show

Man konzentriert sich also ganz auf die Musik. Naked Lunch lassen – vom durchaus ernsthaft vorgetragenen Appell, dem Österreicher Martin Harnik beim VfB Stuttgart mehr Spielzeit zu gewähren – größere Ansagen zwischen den Songs weg und sie sortieren sich schonmal eine halbe Minute lang, ehe der nächste Song folgt. Aber die Songs, die sie vortragen, beginnen dann ganz plötzlich – etwa die aktuelle Single „The Sun“ im Zugabenblock, die live trotz Akustikgitarre noch ein ganzes Stück rockiger kommt als in der Studioversion.

Zu den Zugaben lässt sich die Band (gespielt oder nicht) nur mit einiger Überzeugungsarbeit aus dem Publikum bewegen, hat dann aber offenbar doch großen Spaß und legt einen großen Pop-Moment nach – dazu mehr am Ende dieses Textes.